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Auetals neuer Bürgermeister Thomas Priemer im Gespräch / Round Table fürs Industriegebiet Rehren

"Wünsche mir 500 Einwohner mehr fürs Auetal"

Auetal. Seit dem 1. November ist Thomas Priemer hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Auetal. Redakteurin Christiane Riewerts sprach mit dem neuen Chef der Gemeindeverwaltung über Ziele und Vorstellungen für die Politik der nächsten acht Jahre.

veröffentlicht am 04.11.2006 um 00:00 Uhr

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Herr Priemer, vor wenigen Tagen haben Sie das Amtszimmer Ihrer Vorgängerin Ursula Sapia bezogen. Was haben Sie hier umgestaltet, was wird sich unter Ihrer Regie im Rathaus ändern? Geändert hat sich, dass hier jetzt ein Laptop steht, weil ich auch am Wochenende zu Hause ein paar Dinge bearbeite. Sonst hat sich nicht viel geändert, nur ein paar Bilder sind neu. Und in den nächsten Wochen, das habe ich auch den Mitarbeitern gesagt, wird sich aus meiner Sicht nichts Nennenswertes ändern. Die Gemeinde steht finanziell nicht gerade rosig dar. In welchem Umfang wird konstruktive Politik unter dem Spardiktat in den nächsten Jahren überhaupt möglich sein? Ich glaube, dass gerade im Wahlkampf der Haushalt schlechter gemacht worden ist, als er tatsächlich ist. Wir haben zwar ein Defizit im Verwaltungshaushalt, dieses Defizit wird sich durch die Jahresrechnung 2006 aber verbessern: Sechs Wochen vor Kassenschluss kann man schon sagen, dass das Jahresergebnis besser sein wird als der Haushaltsansatz. Außerdem werden wir2007 erhebliche Personalkosten einsparen können, weil ausgeschiedene Mitarbeiter nicht ersetzt werden, zum Beispiel Frau Sapia, aber auch Mitarbeiter in Altersteilzeit. Ich gehe davon aus, dass wir hier zwischen 100 000 und 150 000 Euro sparen. Wo wird in Zukunft weiter gespart werden müssen? Wir werden sicherlich an Unterhaltungsmaßnahmen sparen müssen. In den letzten Jahren haben wir unsere Gemeindestraßen auf einen guten Standard gebracht. Da werden wir in den nächsten Jahren nicht einen so hohen Aufwand haben wie in der Vergangenheit. Ansonsten werden sich Energiesparmaßnahmen auswirken, wie zum Beispiel im SportheimHattendorf oder in der Grundschule Rehren - das ist natürlich nicht der große Wurf, lässt sich aber kostenmäßig beziffern. Wir sind eine sehr sparsame Gemeinde, das ist auch bei der Kommunalaufsicht des Landkreises bekannt. Noch mehr zu sparen, das würde bedeuten, den Unterhaltungsstandard und Leistungen zurückzuschrauben. Und damit würden wir auch die Lebensqualität zurückschrauben. Da geht's dann an die Substanz, an die Daseinsvorsorge, das kann nicht im Sinn der Gemeinde Auetal sein. Mit der Abgabe der Personalverwaltung an den Landkreis ist die Gemeinde Auetal Vorreiter bei der interkommunalen Zusammenarbeit. Wo sehen Sie weitere Entwicklungsmöglichkeiten? Wir werden auf verschiedenen Ebenen noch mit anderen Gemeinden zusammenarbeiten. Am Montag zum Beispiel stellen wir uns in Aerzen bei der "Leader+"-Region vor. Wir hoffen, dort aufgenommen zu werden, um gemeinsam Projekte zu entwickeln und natürlich auch an die Fördertöpfe zu kommen. Dann gibt es schon länger die völlig unkomplizierte Zusammenarbeit bei den Bauhöfen. Vieles wird schon gelebt, vieles ist tägliches Geschäft. Ein finanziell heikles Thema ist der Umzug der Gemeindeverwaltung in die Alte Molkerei: Wie geht es dort weiter? Es gibt klare Beschlüsse, dass die Gemeindeverwaltung umziehen soll. Dabei wird ein hohes Maß an Eigenleistung gebracht, damit die Sanierungskosten für das Obergeschoss im Rahmen bleiben. Wir werden zunächst die Außenanlagen herstellen: Am 15. November geht es los mit Parkflächen und Entwässerungsanlagen, das ganze äußere Ambiente bekommt einen neuen Anstrich. Und anschließend gehen wir ins Gebäude. Das kann bis zum Frühjahr oder Sommer dauern. Ich gehe aber von einem Umzug noch im Jahr 2007 aus. Im Übrigen: Wenn sich jemand findet, der ein lukratives Konzept für die Alte Molkerei hat, dann kann der Beschluss zum Umzug auch gekippt werden. Und wie wollen Sie das alte Rathaus an den Mann bringen? Wir haben die Sparkasse Schaumburg mit der Vermarktung beauftragt. Es gibt ein Gutachten, das soll sich jeder anschauen, der Interesse hat. Nur: Ich kann jetzt nicht mit einem Fähnlein vorneweg laufen und sagen: Kauft das Rathaus der Gemeinde Auetal! Das sind alles Marktmechanismen. Mit Rolf Wittmann sitzt wieder ein Grüner im Gemeinderat, schon in den Vorgesprächen hat er einen gemeinsamen Umwelt- und Bauausschuss durchgesetzt. Wird die Politik im Auetal künftig einen Hauch grüner? Davon gehe ich aus, und das finde ich gut so. Ich persönlich war immer ein Freund davon, die ökologische Komponente bei unserer täglichen Arbeit nicht aus den Augen zu verlieren. Ich denke, dass Herr Wittmann durchaus gute und vor allem umsetzbare Ansätze hat, die uns ökologisch vielleicht etwas weiterbringen. Herr Wittmann ist in der Lage, Impulse zu setzen. Im Industriegebiet Rehren gibt es etliche Leerstände. Wie kann man die Flächen dort besser vermarkten? Ich lasse mir das Gewerbegebiet nicht gerne schlecht reden: Es ist nicht so schlecht, wie es in den vergangenen sechs Monaten von einigen Herrschaften lautstark propagiert wurde. Es istüberhaupt nicht schlecht, es ist zufriedenstellend, gerade im Vergleich zu anderen Kommunen gleicher Größe. Trotzdem gibt es dort Leerstände... Es gibt dort zwei nennenswerte Leerstände, die ehemalige Möbelproduktion Sterenberg und das Gebäude Dröhse. Dann gibt es noch zwei kleinere Leerstände, wobei dort die Firmen eigentlich sofort in Betrieb gehen könnten - aber die Leute haben keine Lust. Auf derartiges betriebswirtschaftliches Gebahren hat die Gemeinde keinen Einfluss. In den nächsten Wochen werde ich alle Gewerbetreibenden aus dem Gewerbegebiet zu einem Round-Table-Gespräch einladen, um auszuloten, wo einzelne Bedürfnisse liegen. Ich möchte wissen, wo der Schuh drückt. Dann werden wir ein Konzept entwickeln, um den Bedarf zu befriedigen. Die freien Flächen hätte ich natürlich gerne vermarktet, aber mit produzierendem Gewerbe. Alle zwei, drei Monate ruft jemand an, der Flächen zum Abstellen von Altfahrzeugen sucht - so etwas wird es hier nicht geben, das kann nicht das Ziel einer vernünftigen Ansiedlungspolitik sein. Die Auetaler sind ganz schön geplagt mit Baustellen. Erst war es die Rehrener Straße, jetzt kommt der Ausbau der Autobahn. Haben Sie eine Durchhalteparole für die Auetaler? In dieser Hinsicht sehe ich die Auetaler als Solidargemeinschaft. Der ja schon für 1996 geplante A 2-Ausbau kommt den lärmgeplagten Anwohnern von Bernsen, Bernser Landwehr, Rolfshagen und Borstel zugute. Endlich können wir den Bürgern im westlichen Auetal durch die Lärmschutzmaßnahmen mehr Ruhe gönnen. Das ist es wert, ein wenig mehr Umleitungsverkehr schlucken zu müssen. Wenn der Bürgermeister drei Wünsche frei hätte - was würden Sie für die nächsten acht Jahre auf Ihren Wunschzettel schreiben? Ich wünsche mir 500 Einwohner mehr, als Beweis für ein familienfreundliches Auetal, für kostengünstige Baugebiete, für vernünftige Infrastruktur, als Beweis, dass die Attraktivität dieses Auetals Zuspruch findet. Ich wünsche mir, dass wir so lange wie möglich finanziell unabhängig bleiben können, verbunden mit einer sparsamen Haushaltsführung und den Möglichkeiten zur kreativen Entwicklung. Und ich wünsche mir, dass ich nicht jemanden aus meinem Mitarbeiterstamm in die Arbeitslosigkeit entlassen muss.

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