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"Treff im Stift": Zisterzienser-Mönch spricht über Geschichte und Alltag des Klosterlebens

"Wollen das Gute im Menschen entwickeln"

Obernkirchen (sig). Es dringt nicht viel an dieÖffentlichkeit über das Leben und Wirken von Mönchsorden und ähnlicher Gemeinschaften. Jetzt bekamen die Besucher einer Veranstaltung des "Treff im Stift" die Chance, ein Mitglied der Zisterzienser kennenzulernen. Nicht in eine Mönchskutte gehüllt, sondern als ein lehrender Naturwissenschaftlicher, Historiker sowie exzellenter Kenner klösterlichen Lebens und speziell der Geschichte dieser religiösen Bewegung.

veröffentlicht am 15.09.2008 um 00:00 Uhr

Der aus Bonn stammende Pater Dr. Hermann-Josef Roth sprach im Festsaal des Stiftesüber das Thema: "Die Zisterzienser - Bauherren und Bausteine Europas: 900 Jahre Natur und Kultur als Herausforderung und Schicksal". Auf eine sehr anschauliche Weise, begleitet von etlichen Lichtbildern, gab der Gastredner einen lebendig vorgetragenen Abriss über den Ursprung und die Entwicklung der Zisterzienser. Gegründet wurde die Glaubensgemeinschaft, der er seit Jahrzehnten angehört, im 11. Jahrhundert. Das geschah in den Wogen der christlichen Erneuerung, die damals über Europa hinwegspülte. Ausgangspunkt für diesen Orden war das französische Kloster Cîteaux, das der Benediktiner Robert von Molesme in der Nähe von Dijon ins Leben gerufen hatte. Ein Vorläufer war Benedikt von Montecassino. Er wird oft als der Vater des europäischen Mönchtums bezeichnet. Dr. Roth: "Ihm und den Mitgliedern seiner Gemeinschaft ging es nicht darum, ein alternatives Leben zu führen, sondern sie wollten es nach den Weisungen des Erlösers gestalten." Die Klöster brachten es zu viel religiösem und durchaus auch weltlichem Einfluss. Durch Spenden und Erbschaften wurden sie vermögend und gelangten in den Besitz umfangreicher Ländereien. Nicht umsonst hieß es einst: "Unter dem Krummstab ist gut leben". Wie schnell der Einfluss dieser Glaubensgemeinschaften stieg, zeigt sich an der Tatsache, dass es in der Mitte des 13. Jahrhunderts bereits 647 Zisterzienser-Klöster gab. DieÄbte würden, so der Pater, nicht von einem Bischof oder sogar vom Papst berufen, sondern von den Mönchen gewählt. Eine Richtschnur dieser Gemeinschaften sei es, sich ihren Unterhalt durch eigener Hände Arbeit zu verdienen, schlicht und einfach zu leben und sich Gott im Gebet und Gesang zu nähern. Später habe sich gezeigt, dass auf diese Weise nicht genügend Zeit für die geistliche Tätigkeit übrig bleibt. Deshalb übernahmen zunehmend Laienmönche die Arbeiten im Haus und Garten, damit sich die sogenannten Chormönche mehr mit der Liturgie befassen konnten. Inzwischen hat sich aber auch dieses Prinzip überlebt. Die Reformation, der 30-jährige Krieg, die von Frankreich ausgehende Revolution und auch die beiden Weltkriege haben zu vielen Änderungen im Leben und Wirken der Orden sowie Klöster geführt. Im Zuge der Revolution wurden zum Beispiel die Mönche der Mutterabtei der Zisterzienser in Cîteaux vertrieben. Heute sind viele Mönche als Lehrkräfte tätig, wie auch Dr. Hermann-Josef Roth. Inzwischen gibt es auch "Mönche auf Zeit", die später wieder ins normale Berufsleben zurückkehren. Daneben besteht in einem natürlich kleiner gewordenen Umfang noch eine Missionstätigkeit. "Wir wollen weiterhin das Gute im Menschen entwickeln, um dem großen Anspruch des Schöpfers zu entsprechen", erklärte der als Pater Antonius bekannt gewordene Vortragende zum Abschluss seines mit viel Beifall aufgenommenen Vortrages.

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