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22 Kinder lassen sich von Nabu-Jugendwart Marc Jameson die Wunder der Natur zeigen

Wolfsspinnen und Dinosaurier-Fußabdrücke

Auetal/Obernkirchen (rnk). Marc Jameson, Jugendwart des Auetaler Naturschutzbundes, hat offensichtlich ein Problem: Er kann nicht Nein sagen. Daher tummeln sich 22 Kinder gegen Mittag im Steinbruch Obernkirchen. Selbst Rolf Wittmann, Naturschützer der ersten Stunde, muss lange überlegen, wann sich so viele Kinder für die Natur interessiert haben: "Über zehn Jahre her." Jameson sieht es so: "Wer sich für die Natur interessiert, wird von uns grundsätzlich nicht ausgeschlossen." Also hat er beim Ferienspaß jede Nennung angenommen.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 13:27 Uhr

Streifzug durch Flora und Fauna. Fotos: eg

Jameson hat sich an diesem Tag ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Acht Stunden lang, von 10 bis 18 Uhr, will er den Kindern Natur zeigen, erklären und nahe bringen. Schon auf dem Weg zum alten Steinbruch wird eine etwa hundertjährige und vom Blitz getroffene Buche untersucht: Totholz. "Alles andere als tot", stellte sich heraus. Denn Totholz hat eine wichtige ökologische Bedeutung, weil es mehreren Tausend verschiedenen Organismenarten ideale Lebensbedingungen bietet. An der Zersetzung eines einzigen Baumes könnten bereits mehr als tausend Käferarten beteiligt sein, erklärt Jameson. Die Kinder dürfen dann selber entdecken, dass auch eine große Anzahl von Pilzen wie Zunderschwamm und Stinkmorchel den Baum zersetzen. Am Wegesrand steht dann in schattigen Bereichen der kalkmeidende Schachtelhalm und in großen Beständen das Kleinblütrige Springkraut. "Das ist ein Neophyt, der ursprünglich aus der Mongolei stammt", erklärt Jameson. Sofort kommt die Frage: "Was ist ein Neofüt?" "Ein Zuwanderer", klärt der Jugendwart auf - und zeigt, wie das Springkraut zu seinem Namen kam: Berührt man die Spitzen der Fruchtkapseln, so werden die Samen weitflächig umhergeschleudert - ein Effekt, der die Kinder ziemlich begeistert. Im alten Steinbruch geht die große Entdeckertour erst richtig los. Die Kinder werden in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine ist die Gruppe "Wiese", die andere die Gruppe "Gewässer". Dort wird von den beiden Gruppen der entsprechende Lebensraum mit Käschern und Becherlupen untersucht. Die Funde werden mit den Naturschützern oder mit dem Buch bestimmt und mit Hilfe von einer Lupe untersucht, die Ergebnisse werden auf einem Zettel mit Namen, Zeichnung und Steckbrief des Tieres notiert. Die Gruppe "Wiese" findet die flinke braune Waldeidechse, die auch schwimmen und tauchen kann. Unter einem Stein lebt eine junge 15 Zentimeter lange Blindschleiche. Einen Prominenten finden die Kinder im Unterholz: die Wolfsspinne, immerhin "Spinne des Jahres 2007". Kurzum: Es wimmelt von Tieren: Da springt der gemeine Grashüpfer, der im Wiesenklee und Spitzwegerich lebt, dort flattern Schmetterlinge wie Admiral, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Gemeiner Bläuling. Bei der Gruppe "Gewässer" wird inzwischen ausgiebig der Grasfrosch untersucht, der an Land und im Wasser leben kann. 26 Molchlarven auf einen Streich, Rückenschwimmer bei der Paarung und die die seltene Gelbbauchunke werden gesichtet. Vor rund 140 Millionen Jahren waren die Steinbrüche Binnenmeere. Dort lebten neben Krokodilen und Schildkröten auch Dinosaurier. Die Fußabdrücke, die die Saurier im Sand hinterließen, wurden später überlagert und zu Sandstein verfestigt. Der größte Teil der gefundenen Fossilien in den Obernkirchener Sandsteinbrüchen waren Trittsiegel von Dinosauriern. Hauptsächlich die Pflanzen fressenden Iguanodontiden (bis zu zehn Metern lang) bevölkerten vor 140 Millionen Jahren den heimischen Raum. Die Spuren sind noch immer sichtbar - und ein Höhepunkt einer jeder Führung. Zum Abschluss des Tages wird gegrillt. Und Jameson fasst einen Beschluss: "Das wird meine neue Jugendgruppe."

Leon und Lisa untersuchen ihre Funde.
  • Leon und Lisa untersuchen ihre Funde.
Steinbruch-Klassiker: die Gelbbauchunke.
  • Steinbruch-Klassiker: die Gelbbauchunke.

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