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Frühjahrstagung der Imker: Was man alles von den Bienen ernten kann

Wohlschmeckend, gesund, heilsam: Sechs Wunder aus dem Bienenstock

Landkreis/Obernkirchen. Schon steht der Raps in voller Blüte, umsummt von den Honigbienen, die dem Menschen fast wie Haustiere dienen können und dabei wahre Lebenselixiere herstellen, wohlschmeckend, gesund und heilsam. Honig und Wachs, Pollen und Propolis, Gelee royale und Bienengift - diese sechs Produkte aus dem Bienenstock standen im Mittelpunkt der Imker-Frühjahrstagung im Forsthaus Halt bei Stadthagen.

veröffentlicht am 20.04.2007 um 00:00 Uhr

Bienen produzieren nicht nur Honig, sondern sammeln auch Pollen.

Autor:

Cornelia Kurth

Imkerin Gundula Piehl, Vorsitzende des Imkervereins Obernkirchen, war beim Vortrag des "Sachverständigen für Honigfragen" Carl-Christian Sumpf dabei, ebenso wie viele andere Hobbyimker aus dem Landkreis und solche, die es noch werden wollen. Vor allem für letztere war es ein spannender Überblick über die "Ernte"-Arbeit eines Imkers. Während Honig und Wachs zum selbstverständlichen Tribut gehören, den die Bienen an ihren Imker liefern, muss man bei den anderen Bienenstockproduktionen allerlei Tricks anwenden, um ihrer habhaft zu werden. Etwa 25 Kilo Honig, in guten Jahren sogar bis zu 40 Kilo pro Volk und Saison kann ein Imker ernten. Insgesamt aber produzieren die fleißigen Tiere noch viel mehr von dem süßen, praktisch unbegrenzt haltbaren Stoff, den sie aus eingesammeltem Blütennektar herstellen. Was sie davon nicht dem Menschen geben, verfüttern sie an die Arbeiterbienen oder setzen es im Wabenbau ein: Zur Herstellung von einem Kilo Wachs sind immerhin sechs Kilo Honig nötig. "Ja, man muss mal bedenken, dass ein einziges Gramm Wachs aus 1250 einzelnen Wachsschüppchen besteht, die die Biene aus ihren Wachsdrüsen am Hinterleib ausgeschwitzt werden", erklärt Gundula Piehl Gerade mal 500 Gramm der Wachsproduktion kann ein Bienenvolk entbehren, viel zu wenig eigentlich für den menschlichen Bedarf nach Bienenwachskerzen, Trennmitteln in der Lebensindustrie, Zutaten für die Kosmetik oder den Wachsbeschichtungen für medizinische Rheumatücher. "Kein Wunder also, dass Bienenwachskerzen so teuer sind!" meint die Imkerin. Noch teurer aber ist das Propolis, eine Art Kitt, den die Bienen aus Baumharz gewinnen, um damit den Eingangsbereich des Bienenstock auszukleiden (Pro-polis heißt: Vor der Stadt). Dieser Stoff hat wunderbare Eigenschaften. Er kann Bakterien, Viren und Pilze abtöten und gilt als das stärkste natürliche Antibiotikum, das schon die alten Ägypter zur Mumifizierung ihrer Toten einsetzten. Auch die Bienen nutzen ihn zum Mumifizieren und machen damit sogar tote Mäuse und Frösche unschädlich, die in den Stock eindringen konnten und viel zu schwer sind, um sie wieder rauszutransportieren. Wenn die Menschen an Propolis herankommen wollen - und das wollen sie, denn als Tinktur hilft es bei kleinen Wunden, Pickeln oder auch der Schuppenflechte - dann müssen sie die Bienen überlisten, indem sie ein Drahtgitter als Fremdkörper in den Bau schmuggeln, der sofort mit dem wertvollen Stoff ausgekittet wird. "Ich mache das auch", sagt Imkerin Piehl. "Aber es gibt andere faszinierende Dinge aus dem Bienenstock, die ich nicht ernten würde, weil das für die Tiere gefährlich sein kann." Das beginnt mit den Pollen, die ebenfalls sehr beliebt sind bei den Menschen, weil sie wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten. Man kann sie den Bienen abluchsen, indem man "Pollenfallen" vor dem Flugloch aufstellt, so dass die Bienen bei der Heimkehr unbeabsichtigt den Inhalt ihrer "Pollenhöschen" abstreifen. Der Verlust dieser für sie einzigen Nahrungsquelle für Eiweiß und Aminosäuren macht sie nervös und zwingt sie, sofort wieder auf neue Pollensuche auszufliegen. In Deutschland hätten sie dabei aber nur wenig Glück. "Die Landschaft hier ist ja schon ganz von Pflanzen ausgeräumt", erklärt die Imkerin. In Schaumburg werden daher generell keine Pollen geerntet, zumal die Bienen ohne Pollen kein Bienengift herstellen können, was fatale Konsequenzen für die Verteidigung des Stockes hätte. Was man hier kaufen kann, stammt aus Ungarn oder aus Spanien, das unglaubliche 1000 Tonnen pro Jahr liefert. Die Schaumburger Bienen haben also genug Bienengift, und auch darauf ist die Begehrlichkeit des Menschen gerichtet, kann es doch mit seinen Inhaltsstoffen unter anderem Entzündungen hemmen, Rheuma lindern, Cholesterin reduzieren und schmerzlindernd wirken. Eingesetzt werden dafür elektrisch geladene Drähte, auf denen die Sammlerbienen landen, gereizt zustechen und dabei das Gift auf eine Glasplatte abspritzen, wo es dann vom Imker abgekratzt wird. Das machen allerdings nur Profis in besonders dafür ausgewählten Bienenstöcken, denn die Tiere können nur einmal in ihrem Leben neues Verteidigungsgift herstellen. Richtig räuberisch verhalten sich die Menschen, wenn sie das berühmte Gelee Royal, den Futtersaft für die Königinnen, in ihren Besitz bringen wollen. Dafür muss man Königinnen züchten und sie vor dem Erwachsenwerden abtöten. Dann ist in ihren Wabenzellen noch genug vom Gelee Royal vorhanden, das vorallem in der Kosmetik eingesetzt wird und zum Beispiel die Hautalterung verzögern soll. "Man kann es auch essen", sagt Gundula Piehl. "Es schmeckt ganz scheußlich nach Moder und Schimmel." Ihr gefallen diese brachialen Erntemethodenüberhaupt nicht. Was aber den Honig betrifft, so ist das Zusammenspiel zwischen Bienen und Menschen durchaus für beide Seiten zufriedenstellend. Die Bienen haben gar nichts dagegen einzuwenden, dass sie Honig für Zucker geben. Da sie während ihrer Entwicklung so wunderbar ernährt werden, sind sie für den Rest ihres Lebens mit allen wichtigen Honigstoffen versorgt.



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