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1. Stadthäger Sicherheitskonferenz: 2007 stehen alkoholisierte Jugendliche im Fadenkreuz der Polizei

"Wodka-Phänomen": 1,5 Promille völlig normal

Stadthagen (gus). In dieser Woche haben Verwaltung und Polizei in Stadthagen erstmals zu einer Sicherheitskonferenz eingeladen. Das Ergebnis der Gespräche, an denen auch Vertreter der Samtgemeinden Sachsenhagen, Lindhorst und Niedernwöhren und der Feuerwehr teilgenommen haben: Es soll gezielt gegen Alkoholmissbrauch Jugendlicher vorgegangen werden.

veröffentlicht am 23.03.2007 um 00:00 Uhr

Der Leiter des Stadthäger Polizeikommissariats, Mathias Schröder, sieht einen Zusammenhang zwischen verstärktem Alkoholkonsum und zunehmendem Vandalismus in der Stadt. "Nach bestimmten Feiern wie Abifeten und so genannten ?Flatrate-Partys' häufen sich Sachbeschädigungen", erklärt Schröder. Außerdem würden die gewohnheitsmäßigen Alkoholkonsumenten immer jünger. Ein Beispiel: Als im Herbst ein Gebäude der Schule Am Schlosspark unter Wasser gesetzt wurde, haben zwei 15-jährige Mädchen den Vorfall gemeldet, die der gleichen Gruppe wie die Verursacher angehörten. Die jungen Frauen hatten laut Schröder 1,5 Promille Blutalkohol und konnten sich dennoch verständlich ausdrücken und gerade stehen. "Das zeugt von einem hohen Maß an Gewöhnung", meint der Beamte. Bürgermeister Bernd Hellmann betont, dass es sich nicht um ein spezielles Stadthäger Problem handele, und verweist auf die bundesweite Debatte um Alkoholmissbrauch Minderjähriger. Trotzdem haben der Verwaltungs-Chef und der Kommissariatsleiter eine lokale Besonderheit ausgemacht: das "Wodka-Phänomen", wie Schröder es nennt. Auch Minderjährige bedienen sich nach der Erfahrung der Polizei des hochprozentigen Getränks. Das sei ein Anzeichen für eine längere "Alkohol-Karriere". Die Polizei will künftig bei Abifeten, "Flatrate-Partys" und in Kneipen präsenter sein. Auch unangemeldete Kontrollen ziviler und uniformierter Beamten sind demnach geplant. Zum einen geht es um die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes, andererseits um Abschreckung hinsichtlich Randale im Anschluss an die Feiern. Ferner wollen die Ordnungsbeamten den erzieherischen Aspekt stärker berücksichtigen. Laut Schröder sind bei auffälligen Jugendlichen auch Gespräche mit den Eltern geplant. Wichtig sei, der Bagatellisierung von Trink-Exzessen entgegenzuwirken. Als Sanktion für Wiederholungstäter werde die Möglichkeit eines Alkoholverbots geprüft Einen weiteren Schwerpunkt bilden Präventivmaßnahmen wie der "Mitternachtssport". Dabei sollen Jugendliche sinnvoll zu später Stunde beschäftigt werden. Auch mehr Kontrolle an Supermarktkassen ist ein Ziel "Es ist für Minderjährige nicht schwer, an Alkohol zu kommen", so Schröder.

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