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Zwischen Rodeo und Tex Mex: Im südlichen Texas treffen mexikanische und amerikanische Lebensart aufeinander

Wo zwei Kulturen ihre einzigartigen Reize ausspielen

In Texas ist vieles anders als in den übrigen US Bundesstaaten. Das gilt für den südlichsten Zipfel ganz besonders. Er liegt abgelegen; 550 Kilometer sind es Richtung Osten bis Houston, 780 nördlich bis Dallas und sogar 1200 bis El Paso. Im Süden, mit dem Rio Grande als Grenze, erstreckt sich Mexiko. Das Rio Grande Valley, das gar kein Tal, sondern eine weitläufige Ebene ist, war ursprünglich eine Halbwüste, bewachsen mit Mesquite und Kakteen. Erst durch künstliche Bewässerung hat man vor 100 Jahren begonnen, diese Gegend landwirtschaftlich zu nutzen. Die Reize zeigen sich bei näherem Hinschauen: Es sind die Mischung zweier Kulturen, die unmittelbare Nähe zum Golf von Mexiko, die fantastische Vielfalt an Vögeln und Schmetterlingen und natürlich das Klima, die zum Urlaub machen einladen.

veröffentlicht am 10.07.2009 um 16:15 Uhr

Der zwei Meilen lange Queen Isabella Causeway verbindet das texa

Autor:

Renate Richardson

Tejanos und Winter Texans

Tejanos nennen sich die Einheimischen, die zu 90 Prozent mexikanischer Abstammung sind und eine eigene Kultur entwickelt haben. TexMex nennt man die eigene Sprachform, in der Spanisch überwiegt, eine eigene Musikrichtung und eine Küche, in der Tortillas nicht fehlen dürfen. Winter Texans heißen im Gegenzug diejenigen, die jedes Jahr zwischen Oktober und April zu Tausenden ihre Heimat im kalten mittleren Westen verlassen und wie die Zugvögel im Valley überwintern. Sie sind entweder Ruheständler oder Farmer, die im Winter zu Hause zur Untätigkeit gezwungen sind. Sie reisen in ihren RVs, den Recreational Vehicles – deren Größe ist vergleichbar mit der Grundfläche eines mittleren deutschen Apartments und ausgestattet mit allem, was man zur Bequemlichkeit benötigt. Sie wohnen überwiegend in RV Parks, auf denen die Gemeinschaftshalle für Aktivitäten und der Pool nicht fehlen dürfen und die in der Regel Bewohnern über 55 Jahren vorbehalten sind. Sie mögen alt an Jahren sein, im Herzen sind sie es mit Sicherheit nicht. Denn nach dem Motto „Fun in the Sun“ geht hier von Januar bis März die Post ab: Die Restaurants überschlagen sich mit sogenannten Senior Discounts, in den Ausflugsgaststätten spielt Live Musik von Country und Western bis hin zu German Joe’s Polka Band. Getanzt wird viel und gern. Die Stadt Mission wird vorrübergehend zur Hauptstadt des Square Dance, wo sich die renommiertesten Caller einfinden. Showgrößen aus Branson geben ihre Gastkonzerte für einen Bruchteil des Eintrittspreises von daheim in Missouri.

Während die Winter Texans fast jeden Tag auf Jam Sessions anzutreffen sind, hören die Einheimischen ihre Tejano Bands. Dabei ist immer ein Akkordeon, dessen Klänge erstaunlicherweise öfter an bayrische Volksmusik erinnern. Die High Schools haben ihre eigenen Mariachi Bands, und die mexikanischen Wurzeln werden stolz beim folkloristischen Ballett demonstriert. Winter Texans wie Tejanos treffen sich als begeisterte Teilnehmer und Zuschauer bei den lokalen Festen, den Citrus Days in Mission, den Charro Days in Brownsville oder dem Border Fest in Hidalgo. Hier zeigt sich das südliche Erbe ganz authentisch und farbenprächtig. Auch die Golfplätze teilen sich alle. Man trifft sich in einem der zahlreichen Country Clubs oder für eine preiswerte Runde auf den städtischen Golfplätzen.

Ganz umsonst kann man sich am Samstagabend in Edinburg in der „Sheriff Posse Arena“ unterhalten lassen, wo die Nachwuchscowboys für das Rodeo üben. Teilweise kostenlos ist auch der Zutritt in Naturschutzgebiete mit faszinierender Artenvielfalt. Südtexas ist Winterquartier für viele Zugvögel, aber auch ein Hauptdurchzugskorridor. Mit rund 500 Vogel- und 300 Schmetterlingsarten ist es ein Mekka für Ornithologen und Lepidopterologen.

Beliebtes Hobby der Winter Texans: Golf.
  • Beliebtes Hobby der Winter Texans: Golf.
Rund 2400 Einwohner leben auf South Padre Island.
  • Rund 2400 Einwohner leben auf South Padre Island.

Beim „Spring Break“ im März wird’s voll

Anziehungspunkt für alle ist der traumhafte Sandstrand von South Padre Island. Der imposante „Queen Isabella Causeway“, führt von Port Isabell über die Laguna Madre zur Insel. Schwimmen, Fischen, Wassersport, Delfine beobachten – das Angebot ist vielfältig. Hotels und Motels gibt es in allen Preiskategorien, dazu auch Ferienwohnungen, hier Condominiums genannt. Und im März wird es voll: Da nehmen Schüler und Studenten beim „Spring Break“ die Insel in Besitz.

Das Einkaufen in den Staaten lohnt sich für Deutsche nach wie vor. Südtexas mit den niedrigsten Lebenshaltungskosten in den USA ist dafür besonders geeignet. Es gibt eine nagelneue Outlet Mall in Mercedes, Shopping Malls und interessante Flohmärkte. Ein Abstecher nach Mexiko gehört natürlich auch in das Programm. In Nuevo Progresso kann man bedenkenlos bummeln, einkaufen und Margaritas trinken. Wer hierherkommt, sollte sich am Flughafen McAllen einen Leihwagen nehmen. Damit erschließen sich viele interessante Ausflugsziele. Beste Reisezeit ist zwischen Oktober und April. Zwischen Ende Dezember und Februar kann es schon mal zu Kälteeinbrüchen kommen, die jedoch nicht lange anhalten, und Frost ist so gut wie unbekannt. Für Arlene Rivera, die Chefin der Chamber of Commerce in Mission, gibt es gar keine Zweifel: „Besucher aus Deutschland werden sich hier bestimmt wohlfühlen. Wir haben wunderbaren Sonnenschein, nette Leute, und es gibt viel zu tun und zu sehen.“

Informationen über Texas gibt es im Internet unter www.missionchamber.com/ visitors oder www.sopadre.com.



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