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Lüthorst erinnert mit einem Erlebnispfad an den berühmten Dichter, Zeichner und Maler

Wo Wilhelm Busch konfirmiert wurde

Joachim Stünkel sitzt auf der harten Holzbank hinterm Lehrerpult. „Hier hat der Onkel von Wilhelm Busch die Dorfkinder unterrichtet“, berichtet der Vorsitzende des Heimatvereins von Lüthorst (Kreis Northeim), der bis vor einigen Jahren für die CDU im niedersächsischen Landtag saß. Unklar ist, ob Wilhelm Busch seinem Onkel, dem Dorfpastor Georg Kleine, beim Unterrichten geholfen hat. Sicher ist nur, dass der berühmte Dichter, Zeichner und Maler einen Großteil seines Lebens in Lüthorst verbracht hat. Zur Erinnerung hat das Dorf in diesem Jahr einen Erlebnispfad eingerichtet.

veröffentlicht am 04.07.2015 um 00:00 Uhr

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Eine der zwölf Stationen des Pfades in dem 650-Einwohner-Ort am östlichen Rand des Sollings ist das historisch nachgestellte Klassenzimmer. Es befindet sich im Turm der Dorfkirche – genau wie zu Buschs Zeit die Turmschule. „Pastor Kleine hat dort den Kindern der mittellosen Dorfbewohner kostenlos das Lesen und Schreiben beigebracht“, sagt Stünkel. „Wilhelm Busch dagegen wurde wohl eher im Pfarrhaus unterrichtet.“

Der Dichter – 1832 in Wiedensahl geboren, 1908 in Mechtshausen am Harz gestorben – gilt als einer der Pioniere des Comics. Vor allem durch „Max und Moritz“, die „Bubengeschichte in sieben Streichen“, wurde er bekannt und beliebt. Und er ist es bis in die heutige Zeit geblieben. Die Anregungen bekam er in Ebergötzen bei Göttingen, wo er von 1841 bis zur Umsiedlung der Pfarrersfamilie Kleine nach Lüthorst 1846 lebte. „Hier wurde er von seinem Onkel unterrichtet und 1847 konfirmiert“, sagt Stünkel. „Und später ist er dann immer wieder gekommen, zuletzt 1897, kurz vor dem Tod des Onkels.“ Zu Kleine habe der Künstler zeitlebens ein gutes Verhältnis bewahrt.

Auch daran soll der Erlebnispfad an Originalschauplätzen erinnern. Heimatverein und örtliche Handwerker haben monatelang an dem Projekt gearbeitet, schildert Bürgermeister Uwe Fingerhut. „Es sind mehr als 2300 ehrenamtliche Arbeitsstunden zusammengekommen.“ Die Kosten von 90 000 Euro wurden überwiegend aus einem Förderprogramm des Bundes finanziert.

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Zu den Stationen, die zu besichtigen sind, gehört der Nachbau eines Gänsestalls, in dem sich Busch oft aufgehalten haben soll. Dieser Stall und das bäuerliche Leben seines Onkels sollen den Dichter zu seiner „Gänsehistorie“ inspiriert haben, die er in Lüthorst geschrieben hat. In dem Dorf, das heute ein Ortsteil von Dassel ist, schuf der Künstler auch Skizzen, Landschaftsbilder und Porträts, die als Duplikate im „Wilhelm-Busch-Zimmer“ zu sehen sind. „Wir hoffen, dass der Wilhelm-Busch-Pfad viele Besucher nach Lüthorst lockt“, sagt Bürgermeister Fingerhut. Fünf ehrenamtliche Führer stehen bereit. Das Interesse sei groß, sagt Heimatvereins-Chef Stünkel. Schon vor der offiziellen Eröffnung hätten sich viele Gruppen angemeldet. Ob sie im Dorfpastor Kleine eine Art Lehrer Lämpel aus „Max und Moritz“ sehen?

An einer Station des Wilhelm-Busch-Pfades in Lüthorst am Solling blickt die stellvertretende Ortsbürgermeisterin Annegret Philipps-Müller aus einem Fenster. dpa



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