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SZ/LZ-Sommeraktion in der Wildtierstation Sachsenhagen: 2000 Tiere werden hier pro Jahr versorgt

Wo "Schnitzel" und "Knödel" glücklich sind

Sachsenhagen (crs). Das Guanako bleibt völlig cool. Unbeeindruckt von den vielen erwartungsvollen Besuchern steht es reglos im Dunkel, nur schemenhaft zu erahnen. "Eigentlich sind die Guanakos neugierige Tiere, meistens wollen sie schauen, was hier los ist", macht Diplom-Biologin Dr. Dagmar Schlemm den 20 Teilnehmern der SZ/LZ-Sommeraktion Hoffnung, dass sich das Guanako, eine Lama-Art, doch noch aus seinem Bunker ans Tageslicht herauswagt. Aber nichts da: Das Guanako will heute einfach nicht.

veröffentlicht am 01.08.2008 um 00:00 Uhr

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Und es muss auch nicht. Denn die Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen ist kein Zoo. Eigentlich sogar das Gegenteil: "Wir wollen den Tieren, die durch Menschen Schaden erlitten haben, so schnell wie möglich wieder ein Leben in Freiheit ermöglichen", sagt Dr. Dagmar Schlemm, freie Mitarbeiterin der Station. Als eines von knapp 2000 Tieren pro Jahr hat das Guanako in Sachsenhagen Aufnahme gefunden. Jedes Tier hier hat seine ganz eigene, immer leidvolle Geschichte: Höckerschwäne, die sich in Anglerschnüren verfangen haben, Kakadus, die sich in der Verzweiflung einer nicht artgerechten Einzelhaltung das Gefieder ausgerupft haben, Leguane, die erst durch die Behörden von einem Leben in der Badewanne erlöst wurden. Ein Dutzend Mitarbeiter und ein fester Stamm Ehrenamtlicher kümmern sich um die Tiere, päppeln sie liebevoll wieder auf - und müssen dann im Optimalfall irgendwann Abschied nehmen: Die Auswilderung heimischer Tiere ist oberstes Ziel, Exoten können oft an Zoos weitervermittelt werden. Bei der Führung über das 20 Hektar große Areal im Stadtwald Sachsenhagen öffnet Dr. Dagmar Schlemm auch das sonst verschlossene Mitteltor zum hinteren Teil: Die 26 Bunker, die früher der Bundeswehr als Munitionsdepot dienten und heute außer Guanakos auch Füchsen oder den seltenen Prinz-Alfred-Hirschen ein Zuhause bieten, werden nach und nach für die individuellen Bedürfnisse der Tiere umgestaltet. Und dazu gehört auch die Möglichkeit zum Rückzug - wie beim Guanako. Aber auch wenn das Guanako sich bedeckt hält: Jede Menge anderer Tiere gibt es an diesem spannenden Vormittag zu erleben. Zum Beispiel "Kalli", den Waldkauz, der in seiner großen Voliere mitten im Wald sein Mittagessen verspeist - ein Eintagsküken hält er in den Krallen. Oder "Halli" und "Galli", die beiden Frettchen, die mit ihren dunklen Knopfaugen ganz neugierig aus dem Hängekörbchen hervorlugen. Behände nimmt Dr. Dagmar Schlemm die Tiere aus ihrem Käfig und setzt sie den Besuchern auf den Arm. Und warnt: "Vorsicht - man müffelt danach ein bisschen..." Oder "Schnitzel" und "Knödel", die beiden Maskottchen der Station. Ein Hängebauchschwein und ein Hausschwein, die einst als niedliche Ferkel einem jungen Brautpaar Glück bringen sollten. Ihr persönliches Glück: Die Wildtierstation hat sie auch als erwachsene Schweine genommen, hier sind sie verletzt eingelieferten Frischlingen zu Ersatzeltern geworden. Oder die zahlreichen Schildkröten, die in ihren Freigehegen munter Paprikastückchen verputzen. Außer Tipps zur Überwinterung ("im Gemüsefach des Kühlschranks geht das ganz gut") gibt Dr. Dagmar Schlemm auch Hinweise zur oft traurigen Vorgeschichte der Tiere: Eines der Tiere hat einen zerstörten Panzer, mit einer wachsähnlichen Substanz gekittet, ein anderes hat sichtbare Dellen in den Knochenplatten, Zeichen nicht artgerechter Haltung: "Die hat zu wenig Vitamin D übers Sonnenlicht bekommen." Neue Freunde hat die Station nach der SZ/LZ-Aktion. "Ich wollte hier schon immer mal hin, und es hat mir sehr gut gefallen", sagt Andrea Schermer aus Krankenhagen. Brigitte Schmieding pflichtet ihr bei: "Es ist alles so liebevoll gemacht", sagt die Bückeburgerin. Schon häufiger habe sie von der Station gelesen - "aber dass es so schön ist, hätte ich nicht gedacht". Hinweis: Am 17. August ist Sommerfest in der Station; Führungen sind täglich um 15 Uhr. Kontakt: (05725) 7087-30; www.wildtierstation.de

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