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Einige Händler klagen über Umsatzeinbußen seit Eröffnung der Stadt-Galerie - andere sind zufrieden

Wo rollt der Euro in der Fußgängerzone?

Hameln (jhe/tk). Gräbt die Stadt-Galerie den Einzelhändlern in der Hamelner Fußgängerzone den Umsatz ab? Den Geschäftsleuten im ECE-Einkaufscenter geht es nach Aussage der Centermanagerin Andrea Hegenbarth gut. Der zu verteilende Kuchen ist aber nicht größer geworden - wie sehr, spürt der Handel in Oster- undBäckerstraße denn nun die Konkurrenz in der neuen Stadt-Galerie? Von 40 Prozent Umsatzeinbußen ist hier und dort in der Stadt zu hören. Zudem verliert die Fußgängerzone durch derzeit leerstehende Geschäftsräume an Attraktivität.

veröffentlicht am 17.05.2008 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 08.02.2013 um 14:46 Uhr

Zwiegespalten ist die Stimmung unter den Geschäftsinhabern der Modebranche in der Fußgängerzone. Umsatzeinbußen erleben die Einen seit der Eröffnung des ECE - die Anderen spüren keine Veränderung. Hans-Jürgen Diemer kennt beide Seiten: In seinem Damenmode-Geschäft "Femina" an der Emmern straße - in dem er exquisitere und teurere Kleidung anbietet - verbucht er bislang keine Umsatzeinbußen. "Dort sprechen wir eine Zielgruppe an, die vom Einkaufscenter nicht bedient wird", erklärt Diemer. Ganz anders ergeht es ihm mit seinem Modegeschäft für Jugendliche, dem "M4U" an der Ritterstraße. Dort spürt er in der Kasse die Stadt-Galerie als "große Konkurrenz". "Neu und anders" sei das ECE, weshalb es mehr Kunden anziehe. Seit März beobachtet Diemer fehlende Kundschaft und sinkende Umsatzzahlen. Heinz Schäfer, Inhaber des Damenmode-Geschäfts "La Femme" an der Osterstraße wird deutlicher: "Für uns bedeutet die Stadt-Galerie eine Katastrophe." Sichtbar weniger Laufkundschaft komme in seinen Laden. Vor allem bei schlechtem Wetter bummelten die Menschen lieber im ECE als in der Fußgängerzone. Für die kommende kalte Jahreszeit malt sich Schäfer noch Schlimmeres aus: "Unsere Winter sind lang und feucht - niemand wird sich dann in der Innenstadt aufhalten." Der stellvertretende Sprecher des Einzelhandels, Holger Wellner, ist selbst ebenfalls in der Modebranche tätig - und zwar innerhalb und außerhalb der Stadt-Galerie. Er bezweifelt aber, dass die Umsatzeinbußen in der Fußgängerzone nur mit der Eröffnung des ECE zusammenhängen. In ganz Deutschland sei die Kauflaune zu Beginn des Jahres schlecht gewesen. Aufgrund steigender Energiekosten und hoher Lebensmittelpreise hätten sich viele Menschen einschränken müssen. Außerdem sei das Wetter im April dieses Jahres schlechter gewesen als im April 2007, weshalb die Frühjahrsmode niemanden interessiert habe. Wie unterschiedlich die Hamelner Händler die ECE-Konkurrenz beurteilen, wird auch in der Schuh-Branche deutlich: So spricht Johannes Drews, Geschäftsführer von "Quick-Schuh" an der Osterstraße davon, dass sein Laden "in den vergangenen Monaten deutliche Umsatzeinbußen" erlitten habe. Dagegen spürt "Prontamoda"-Chef Mirko Ostendörfer in seinem Geschäft für Kleidung und italienische Schuhe keine Auswirkungen: Er habe den gleichen Umsatz wie vor den ECE-Zeiten. In den ersten Wochen nach der Stadt-Galerie-Eröffnung sei sogar mehr Kundschaft von außerhalb in seinen Laden geströmt. Bei den Buchhändlern ist eine negative Tendenz herauszuhören. Peter Peschke, Geschäftsführer der "Bücherstube Seifert" an der Deisterallee spricht aus, wovon er glaubt, "dass es für alle seine Kollegen in der Branche gilt" - er sieht in der Stadt-Galerie "eine Zäsur für die Umsatzentwicklung, die existenzbedrohend" für ihn sei. "Es gibt keinen Zweifel, der Einbruch der Geschäftsumsätze hängt eindeutig mit dem ECE zusammen." Mit seinen Sorgen ist er nicht allein. Cornelie von Wedemeyer, Inhaberin der gleichnamigen Buchhandlung an der Baustraße, sagt: "Sollte sich an der Situation nichts ändern, dann bleibt nur die Möglichkeit zu schließen." Diese Auswirkung durch die Stadt-Galerie spürt auch Eckhardt Baß, Inhaber des Museumscafés an der Osterstraße. Die Miete in der Innenstadt sei zu hoch für ihn geworden, beklagt er. "Während der Mietpreis gleich bleibt, sinkt mein Umsatz." Baß und Peschke sind sich einig - sie sehen vor allem die Osterstraße als den "großen Verlierer" an. Um dieses Problem zu veranschaulichen, führte Peschke einen Versuch durch. Einen Tag lang zählten seine Mitarbeiter Passanten, die aus der Bäckerstraße kommend in die Osterstraße einbogen. Sein Fazit: "Noch am Hochzeitshaus drehten sich die meisten Passanten wieder um und gingen ins ECE." Seine Beobachtung deutet er als Veränderung des Kundenverhaltens - "die Laufwege werden andere". Ähnliches stellt auch Cornelie von Wedemeyer fest. Sie erklärt, "dass in der Baustraße zwar nicht weniger Betrieb ist, die Leute aber fixiert zum ECE laufen". "Die Stadt-Galerie zieht so viele Menschen an, weil sie nagelneu und sauber ist. Demgegenüber steht die veraltete Fußgängerzone mit Straßenpflaster aus den 70er-Jahren und hässlichen Stromkästen", erklärt Drews von "Quick-Schuh". Baß, Peschke und Wellner beanstanden vor allem die sich häufenden Leerstände und die Zunahme von Billig-Läden, "die das Niveau der Geschäftslage deutlich senken". Baß sieht nur eine Möglichkeit zur Rettung der Händler in der Innenstadt: Er setzt auf die Umgestaltung der Fußgängerzone. Der Einzelhandelssprecher Wellner sieht aber auch die Händler selbst in der Pflicht: "Individuelle Fachgeschäfte mit Service und Kundenbetreuung müssen das Flair der historischen Altstadt aufrechterhalten." In diese Richtung gehen auch Peschke und von Wedemeyer: Sie bauen darauf, "dass sich die Kundschaft mittelfristig wieder auf Qualität, kompetente Beratung und Freundlichkeit besinnen wird und daher wieder in die Fußgängerzone strömt".



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