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Hinweistafel soll Auskunftüber mittelalterliche Siedlung und Quelle geben

Wo liegt eigentlich Densinghausen?

Foto: oke Bad Nenndorf (oke). Wanderer und ambitionierte Spaziergänger werden den Feldweg von der Bundesautobahn über den Galenberg zur Nenndorfer Höhe schon viele Male gegangen sein, ohne auch nur einen Gedanken an den historischen Boden verschwendet zu haben, auf dem sie gerade wandeln. Schlimm ist dies keineswegs, denn der weitreichende Ausblick von der Anhöhe lenkt auch von den zurückliegenden Zeiten ab. Ein neues Hinweisschild soll bald auf die Geschichte der Densinghäuser Quelle und ihre Namensgeberin, die ehemalige Siedlung Densinghausen, aufmerksam machen, die sich vor über 600 Jahren westlich vom heutigen Erlengrund befand.

veröffentlicht am 27.04.2007 um 00:00 Uhr

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der Nenndorfer Höhe aus kann man den Blick über die Felder schweifen lassen, die vor etlic

Die Ortsteile der Stadt Bad Nenndorf sind den meisten Bewohnern bekannt. Dass es jedoch neben Horsten, Riepen und Waltringhausen noch andere Siedlungen im Nenndorfer Umland gegeben hat, ist mehr oder weniger ein Geheimnis. Kein Wunder, denn viele der uralten Siedlungen wurden bereits im ausklingenden Mittelalter aufgegeben. Geblieben sind nur ihre Namen, die noch heute zur Bestimmung beispielsweise von Flurstücken dienen. Gleiches gilt für Densinghausen, dessen Name nicht nur in der Benennung der Süßwasserquelle vorkommt, sondern auch dem eingangs erwähnten Densinghäuser Weg namentlich Pate Stand. Auch ist es kein Zufall, dass das angrenzende Flurstück noch im 18. Jahrhundert "In den Höfen" hieß - ein eindeutiger Hinweis auf die Siedlung. Wann genau das Dorf aufgegeben wurde, ist nur schwer festzumachen. Einige Arbeiten zu dem Thema legen nahe, dass es entgegen einer landläufigen Meinung nicht der Dreißigjährige Krieg war, der zur Aufgabe der Siedlung führte, sondern die Folgen der Pestwellen im 14. Jahrhundert. Damals starben große Teile der Bevölkerung auf dem Gebiet des heutigen Deutschland am Schwarzen Tod. Damit stand nicht nur eine Flächengröße zur Bewirtschaftung stand, die sich für die Hinterbliebenen als zu groß herausstellte, sondern ging auch der Bedarf an Nahrungsmitteln zurück. Folglich wurden Teile der ehemaligen Äcker und sogar ganze Ortschaften sich selbst überlassen - sie wurden zu Wüstungen. Dieses Schicksal ereilte wohl auch Densinghausen. Die Bewohner zogen in die umliegenden Orte Klein- und Großnenndorf, um von hieraus die restlichen Felder zu bewirtschaften. Fest stehen diese Annahmen jedoch nicht, denn archäologische Funde, die einen konkreten Hinweis auf die Zeit des Siedlungsendes geben könnten, sind selten. In Vergessenheit geraten ist die Siedlung in den zurückliegenden Jahrhunderten dennoch nicht. Im 16. und 17. Jahrhundert berichten Güterverzeichnisse und Urkunden von Bemeierungen und Grundbesitzern in der Umgebung der zerfallenden Gehöfte und nutzen zur Benennung des Geländes ausdrücklich den Namen Densinghausen. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts sollen Ruinen existiert haben und boten einen Orientierungspunkt in der Flur. Die Densinghäuser Quelle, die noch heute vorhanden ist, diente bis 1928 als Wasserversorgung des gesamten Staatsbades. Um Einheimischen wie auch Besuchern die Geschichte der Stadt näher zu bringen, hat der Fremdenverkehrsausschuss nun beschlossen, ein Hinweisschild mit Informationen in unmittelbarer Nähe der Quelle aufzustellen. Wanderern bietet sich somit eine gute Ausrede für eine längere Verschnaufpause.



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