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Galerie Innenstadt: Iranisches Künstler-Ehepaar stellt bei Optik Henke aus

"Wo Frauen nicht einmalüber ihren eigenen Schatten bestimmen dürfen"

Rinteln (who). Abulquasem Otofati Shamsi und Farideh Berazandeh sind etwas Besonderes unter den Künstlern, die in der "Galerie Innenstadt" noch bis kommenden Freitag ihre Werke zeigen. Das aus dem Iran stammende Ehepaar stellt im Optikerfachgeschäft Henke in der Klosterstraße gemeinsam Bilder aus, die trotz gegensätzlicher Art und Technik ähnliche Inhalte und Aussagen zu transportieren scheinen.

veröffentlicht am 18.11.2008 um 00:00 Uhr

Der schwebende Schwan mit der tanzenden Frau zeigt den künstleri

Shamsi, wie der Politikwissenschaftler und ehemalige Dozent an der Universität von Shiraz in Abadan kurz genannt wird, widmet sich der Kalligrafie. Die alte orientalische Schreibkunst verbindet Schriftelemente und Malerei zu ausdrucksstarken Kunstwerken. 1950 in Langrud im Norden des Iran geboren, hat Shamsi bereits in jungen Jahren zur Kalligrafie gefunden, die er persönlich als die "Sprache der schönen Momente" bezeichnet: "Die Kunst der Kalligrafie ist eine der ältesten Künste und die jeweilige Kultur und Tradition eines Landes können sich sehr gut darin widerspiegeln." Wie variantenreich diese Spielart der Mal- und Zeichenkunst ist, erschließt sich dem, der die beiden in ihrer atmosphärischen Dachwohnung am Rintelner Ostpreußenweg besucht. Schon das Treppenhaus dient als kleine Galerie und ist mit Bildern behängt, was sich in der Wohnung fortsetzt. Shamsis Vorlagen dienen als Illustrationen für Bücher, aufwendig gestaltete Grußkarten oder Plakate. Die faszinierende Schreibkunst wirkt auf allen Ebenen, weiß der Künstler, der seine Ehefrau während des Studiums Ende der siebziger Jahre an der Universität in Bopal in Indien kennenlernte. Nach der Rückkehr nach Shiraz vertiefte er neben seiner Lehrtätigkeit in der Politikwissenschaft seine Kunstfertigkeit bei berühmten iranischen Kalligrafen wie Dirin oder Foradi. Im Iran, in Indien, Pakistan,Österreich und den Niederlanden hat er Ausstellungen bestückt, bevor er und seine Ehefrau vor gut zehn Jahren als politisch Verfolgte Asyl in Deutschland gefunden haben. Shamsi unterrichtet unter anderem an der Volkshochschule, und auch als Schulassistent an der Pestalozzischule hat er deren Schüler für die Kalligrafie nachhaltig begeistern können. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Farideh Berazandeh, 1955 in Abadan im Südiran geboren, will mit Bildern Frauen eine Stimme geben. "Weil ich aus einem Land komme, wo Frauen nicht einmal über ihren eigenen Schatten bestimmen dürfen", erklärt sie. In ihren Bildern wird dieser Anspruch immer wieder deutlich. So bei dem Bild, das eine Europäerin zeigt, die einer Frau aus Afrika einen roten Teppich ausrollt, der ihr ein Weg in eine andere Welt und ein besseres Leben zu sein scheint. Farideh weiß aber auch mit Worten umzugehen und führt aus: "Wenn doch die Menschheit wie ein Klavier wäre - da gibt es verschiedene Arten von Tasten, dunkle und helle, kleine und große. Manche sind sich nah und manche sind sich fern. Aber trotz der Unterschiede würden wir zusammen eine eigene Melodie ergeben..." Abulquasem Otofati Shamsi und Farideh Berazandeh verbindetüber die Malerei hinaus auch die Liebe zur Musik ihres Heimatlandes. In ihrem Wohnzimmer lassen sie auf Trommel und Sitar die Atmosphäre aus den Geschichten von 1001 Nacht aufsteigen, sodass sich nicht selten die Wohnungsnachbarn selber zum Zuhören einladen. Das Künstlerehepaar zeigt noch bis zum 21. November je sieben Werke im Optikerfachgeschäft Henke. Als Mitglieder der Vereinigung Schaumburger Künstler sind sie in diesem Jahr noch zu sehen bei der Adventsausstellung im Gewerbepark Lauenau am 6., 7., 13. und 14. Dezember.



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