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Sonntagsausflug im westlichen Süntel / Toller Hohlweg

Wo einst die Amelungsburg als Schutzwall diente

Der verheerende Orkan Kyrill hat im Januar 2007 in unserer Wanderregion tiefe Spuren hinterlassen. Über viele Monate zogen sich die Aufräumarbeiten hin, und häufig konnte erst im Folgejahr mit der Neuaufforstung begonnen werden. So auch auf der Kuppe des Amelungsberges, nördlich von Hessisch Oldendorf im Westen des Süntels an der Grenze zum Wesergebirge. Hier befand sich einst die Amelungsburg in 321 Metern Höhe auf einem 900 Meter langen und 300 Meter breiten Plateau, die vermutlich um Christi Geburt angelegt wurde.

veröffentlicht am 06.03.2010 um 06:19 Uhr
aktualisiert am 08.03.2010 um 10:27 Uhr

Das Naturfreundehaus ist am Sonntagnachmittag geöffnet.

Autor:

Ingeborg Müller

Ihre Wälle waren vor jenem Sturm noch gut zu erkennen. Heute erwartet den Wanderer, wenn er den Steilanstieg nicht gescheut hat, ein Bild der Verwüstung auf dem lang gezogenen Plateau. Denn dort liegen über das große Gelände verstreut die mächtigen Wurzeln der umgestürzten Bäume, die im Verlauf von etwa anderthalb Jahrzehnten verrotten sollen. Doch dazwischen wächst bereits neues Leben heran. Als Ersatz für die entwurzelten Fichten wurden auf dem wertvollen Untergrund von Lösboden auf Kalkgestein 4500 Elsbeeren und 1500 Eiben gepflanzt, und zum Forstweg hin außerdem einhundert Wildbirnen als künftige Allee. Damit wurde eine Idee des zuständigen Forstamtsleiters Christian Weigel verwirklicht, der diese Aufforstung selbst als ein Experiment bezeichnet.

Der Amelungsberg, den wir bei diesem Ausflug umwandern wollen, hat noch eine weitere Burganlage zu bieten: die Burg Roden (auch Rohden geschrieben). Sie wurde 1135 von den Grafen von Roden erbaut und ist damit wesentlich jünger als die Amelungsburg. Ihr Burgplateau ist nur 22 mal 26 Meter groß, bot aber einst Platz für ein Wohn- und ein Wirtschaftsgebäude. Über beide Anlagen können wir uns vor Ort eingehend informieren.

Wir beginnen unsere Wanderung am Wanderparkplatz Schneegrund an der linken Seite der Fahrstraße von Hessisch Oldendorf nach Rehren oberhalb von Rohdental. Rohdental wird von der Buslinie Hessisch Oldendorf / Langenfeld des Nahverkehrs Hameln-Pyrmont angefahren. Hessisch Oldendorf wiederum

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Die Hohlwege am Amelungsberg haben viel erlebt. Welche Hirten un
  • Die Hohlwege am Amelungsberg haben viel erlebt. Welche Hirten und Viehherden sind hier wohl schon entlanggegangen in den vergangenen Jahrhunderten? Fotos: i-r

liegt an der Weserbahn-Strecke Hildesheim–Bünde und an der Nahverkehrs-Buslinie 20 Hameln–Kleinenwieden. –

Wir überqueren die Fahrstraße und wandern in Richtung Schneegrund, biegen jedoch vor dem Steinhäuschen der Trinkwasserversorgung nach rechts ab. Ein geradezu romantisch wirkender Hohlweg führt uns bergab und lässt uns darüber nachdenken, dass Hirten mit ihren Viehherden, Flüchtlinge auf dem Weg zu den Fluchtburgen, aber auch Reisende in Kutschen über Jahrhunderte hinweg die Wegsohlen der jetzigen Hohlwege lockerten, sodass der Regen sie auswaschen konnte. Ein Wiesenweg bringt uns dann zur Fahrstraße, auf der wir nach links zu der beliebten Ausflugs-Gaststätte „Weinschänke Rohdental“ gelangen.

Nachdem wir dort das liebevoll gestaltete Ambiente bewundert haben, gehen wir noch vor dem Gebäude über die Brücke zu dem Waldweg, der uns nach rechts beim oberen Eingang des Rohdener Friedhofes auf die zur Burg Roden führende Forststraße bringt. Auf ihr wandern wir bergan, bis wir oberhalb des Rechtsbogens einer großen S-Kurve auf die kaum noch erkennbaren Reste der mittelalterlichen Burganlage treffen. Einst hat es hier – gut geschützt – Pallas und Wirtschaftsgebäude gegeben, doch späteren Generationen diente das Gelände mit seinen verfallenden Bauten als willkommener Steinbruch.

Eine Informationstafel belehrt uns über die Geschichte der Burg und die der Burgherren. Während die gut dreieinhalb Kilometer weiter westlich liegende Schaumburg bereits um 1110 entstand, soll die Burg Roden in der Zeit zwischen 1130 und 1140 erbaut worden sein. Sie liegt auf dem nach Westen hin steil abfallenden Ausläufer des Amelungsberges hoch über dem Pass. Obwohl sie ihren Stammsitz eigentlich bei Bad Nenndorf hatten, versuchten die Grafen von Roden, durch Burgenbau ihren Machtbereich bis ins Wesertal auszudehnen. Zunächst waren sowohl sie als auch die Grafen von Holstein-Schaumburg Gefolgsleute Heinrichs des Löwen in dessen Streit mit Kaiser Friedrich Barbarossa.

Später schlossen sich die Schaumburger dem Kaiser an, während die Rodener weiter zu dem Welfenherzog hielten. In dem offen ausbrechenden Konflikt der beiden Dynasten um die Vorherrschaft im Weserraum siegten schließlich die Schaumburger und vertrieben ihre Rivalen 1181 zunächst von der Burg Hohenrode jenseits der Weser und gegen Ende des Jahrhunderts auch von der hiesigen Burg. Die Rodener gaben den Weserraum auf und zogen sich auf ihre Besitzungen im Calenberger Land zurück, wo sie sehr erfolgreich waren.

Auch wenn das Burggelände zum Erkunden verlockt, müssen wir berücksichtigen, dass wir uns hier und auf dem gesamten Amelungsberg im Naturschutzgebiet befinden mit einer schützenswerten Vegetation – und wir sollten deshalb die Wege nicht verlassen.

Wir wandern weiter bergan auf dem Forstweg in besonders schönem Laubwald mit alten Buchen und Eichen. Fast sind wir auf gleicher Höhe mit dem rechts von uns liegenden, 232 Meter hohen Baumgartenberg. Ihm folgen tief eingeschnittene Täler zwischen einer Reihe von Vorbergen des zu unserer Linken steil ansteigenden Amelungsberges. In einem Linksbogen stößt unser Wanderweg auf die Fahrstraße nach Langenfeld. Oberhalb der Straße führt ein mit einem R gekennzeichneter Weg nach links zum Wanderparkplatz „Am Vorberg“. Ein Schild macht uns hier auf die Amelungsburg aufmerksam. Zu ihr ist ein Abstecher auf dem einzigen vom Parkplatz bergauf führenden Weg möglich. Bereits am Fuße des kegelförmig vor uns aufragenden Berges erwartet uns wieder eine Informationstafel. Dort erfahren wir, dass es sich bei der Amelungsburg um eine wesentlich ältere und weitaus größere Befestigungsanlage handelt als bei der Burg Roden. Im Gegensatz zu dieser war sie auch keine Dynastenburg, sondern eine Fluchtburg auf dem 321 Meter hohen, nach zwei Seiten hin steil abfallenden Plateau.

In dem großen Gelände fanden Tausende von Schutzsuchenden Platz. Es war von einem 1,80 Meter hohen und drei Meter dicken Hauptwall umgeben. Die Burg soll zu einer Kette ähnlicher Anlagen an jeweils strategisch günstigen Punkten im Weserraum gehört haben. Nach hier gemachten Funden kann sie in die Zeit um Christi Geburt eingeordnet werden und wird bereits in den Feldzügen der Römer gegen die Germanen eine Rolle gespielt haben. Möglicherweise wurde sie später von den Sachsen ausgebaut im Zuge der Auseinandersetzungen mit Karl dem Großen.

Wir setzen unsere Wanderung vom Parkplatz aus in der bisherigen Richtung nach Norden fort, geleitet von unterschiedlichen Wanderzeichen und Wegweisern zum Schneegrund mit dem Naturfreundehaus und nach Rohdental. Zunächst geht es bergab mit Blick auf den vor uns steil ansteigenden Schrabstein bis zum Höllenbachtal. Nach rechts würden wir zur Höllenmühle gelangen und dort zu einem geradezu lehrbuchartigen Talschluss mit dem höchsten natürlichen Wasserfall Niedersachsens. Wir wandern jedoch talwärts im Schneegrund unterhalb der Schrabsteinklippen weiter, beachten die Hinweise auf den Naturwald Schrabstein und freuen uns am munteren Höllenbach, der sich ein mehr oder weniger tiefes Bett geschaffen hat. Wanderfreundlich ist dieser nahezu ebene Weg, der mit knorrigen, zum Teil abgebrochenen und umgestürzten Bäumen und bemoosten Steinen recht romantisch wirkt.

Unser Weg steigt jetzt leicht an und umrundet im kräftigen Linksbogen die große Wiesenfläche mit der als Naturdenkmal geschützten mächtigen Buche. Auf ihm können wir direkt zum Parkplatz zurückkehren. Doch denjenigen Wanderern, die noch Lust auf einen zusätzlichen Ausflug zur Höhe des Ibergs mit einem prächtigen Fernblick haben, sei ein Abstecher empfohlen.

Zunächst betrachten wir in der Linkskurve das kaskadenartig herunter laufende Bächlein, das in den Höllenbach mündet. Es entspringt aus dem unter Denkmalschutz stehenden Iborn 150 Meter weiter oben. Hier wollen wir hinauf gehen, und zwar auf dem breiteren Weg auf der linken Seite des kleinen Gewässers. Rechts von uns steigt der Iberg an, zu dem auch die Schrabsteine gehören, sein Name wird als Eibenberg gedeutet. Links vom Tal ragt steil die Hünenburg auf.

Obwohl im Gelände kaum noch etwas darauf hindeutet, wird doch auch hier eine ehemalige Fluchtburg vermutet. Wenn wir oben den Wald verlassen und nach links auf dem breiten Weg weiter wandern, überrascht uns eine großartige Fernsicht über das Dorf Rannenberg hinweg, das bereits zu der nördlich gelegenen Gemeinde Auetal gehört. Dorthin steigen wir ab bis zu einem nach links abzweigenden Feldweg, der oberhalb der aus dem Ort kommenden Rannenberger Straße verläuft. Auf ihm umgehen wir am Ende ein Wäldchen und gelangen von dessen Westseite aus hinunter zur Fahrstraße nach Rohdental. Rund 900 Meter müssen wir auf ihr, zunächst vorbei an dem großen Kalksteinbruch des Mönchebergs, abschließend nach links zurück zum Parkplatz gehen.

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