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Duo baut in Bad Eilsen einen der leichtesten Rahmen der Welt / Kunden nicht nur in Deutschland

Wo ein Fahrrad fast nichts wiegen darf

Bad Eilsen (tla). Einfach sollte es sich fahren lassen und zudem noch bequem. Schwer? Nein, es sollte ein möglichst leichtes Fahrrad sein. Diesen Wunsch haben besonders Leistungs-, aber auch Hobbysportler, die mit einem Rennrad oder Mountainbike in den Bergen sowie im Tal bei Wettkämpfen unterwegs sind. Andreas Hanke und Oliver Grest aus Bad Eilsen haben sich mit ihrem Unternehmen auf genau diese Ansprüche spezialisiert.

veröffentlicht am 18.09.2008 um 00:00 Uhr

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Seit 2001 entwickelten sie einen "der leichtesten Fahrradrahmen der Welt". Dafür verwenden sie das Material Carbon: einen Kohlenstoff, der sich besonders durch sein minimales Gewicht, seine gute Festigkeit, ideale Steifigkeitseigenschaften und Passgenauigkeit auszeichnet. Bei der "Grest& Hanke GbR" ist Andreas Hanke der Theoretiker und Entwickler. Der 34-jährige Diplom Maschinenbauingenieur beschäftigte sich schon während seines Studiums mit diesem Projekt. "Sein Professor hat seinerzeit den leichtesten Rennradrahmen gebaut", erzählt Oliver Grest. Er selbst ist gelernter Maschinenbaumechaniker und ein echter Tüftler mit dem nötigen Fingerspitzengefühl, wenn es um die praktische Umsetzung in der "Fahrradschmiede" auf dem Gelände des ehemaligen Bauhofs in Bad Eilsen geht. Seit März dieses Jahres umfasst ihr kleiner Betrieb inzwischen einen Stamm von 20 Kunden, die hauptsächlich aus Deutschland, Österreich, Schweiz und den Niederlanden kommen. "Wir verkaufen vorwiegend Fahrradteile wie Rahmen oder Vorbauten für Rennräder. Der Anteil bei den Mountainbikes ist dabei wesentlich geringer", erläutert Grest, der seine eigenen sechs Fahrräder überwiegend selbst gebaut hat. Der typische Käufer, der Grest und Hanke einen Auftrag erteilt, ist um die 30 Jahre oder älter, sportlich und: "Bereit für sein Hobby auch zu investieren", berichtet der 32-Jährige Mechaniker, der momentan noch Biologie und Chemie nebenbei studiert. Die "Fahrradschmiede" liegt versteckt. Sie wirkt unscheinbar und gleicht auf dem ersten Blick einer ganz normalen Fahrradwerkstatt, wie sie vielleicht jeder schon einmal bei einem Zweiradhändler gesehen hat. Aber dieser Eindruck täuscht. Um zum Herzstück von Grest& Hanke zu kommen, müssen interessierte Kunden zunächst die Halle durchqueren und eine Treppe empor steigen. Dort wird der Kohlenstoff zu den Vorbauten oder Rahmen verarbeitet, denn: "Dieses Material ist einfach extrem reißfest." Zum Verbinden der einzelnen Kohlefaser-Lagen verwendet Grest Harz. Es braucht mehrere Schritte bis letztendlich ein fertiger Carbon-Fahrradrahmen entstanden ist: "Die Lieferzeit für ein solches Teil beträgt momentan bis zu zwei Monate. Wir machen individuelle Einzelanfertigungen und produzieren keine Lagerware." Gute Handarbeit gibt's eben nicht vom Fließband und braucht eine gewisse Zeit. Die Kundschaft des Unternehmens weiß dies sehr wohl zu schätzen. "Die Summe der gesamten Fahrradteile macht es aus, wenn das Rad wirklich leichter werden soll", erklärt Oliver Grest und fügt hinzu: "Wir stellen zum Beispiel neben den Vorbauten und Rahmen auch Sattel und Sattelstützen her." Den beiden Fahrradliebhabern bereitet ihre Arbeit sehr viel Spaß, und sie sind sichtlich stolz, "weil ein Abnehmer, der bei uns einen Vorbau anfertigen ließ, mittlerweile das ,leichteste Rennrad der Welt' hat", berichtet Grest erfreut. Er selbst bevorzugt allerdings lieber ein Mountainbike. Sein Kollege Andreas Hanke hingegen setzt auf Rennräder - aber beide wissen aus eigener Erfahrung nur zu gut: "Es lässt sich angenehmer fahren, wenn das Rad weniger wiegt, besonders wenn es bergauf geht."

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