weather-image
12°
Familie Buddensiek saniert Antendorfer Mühle / Kulturgut und Tradition sollen erhalten bleiben / Neue Kuppel

Wo der Hauch der Geschichte durch die Ritzen zieht

Antendorf (la). In Antendorf gibt es die Ruine einer alten Mühle. Sie steht in Richtung Raden auf dem Grundstück "Zur Süntelbuche 7" und gehört seit über 150 Jahren der Familie Buddensiek.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 13:36 Uhr

Soll wieder Flügel bekommen: die Antendorfer Mühle. Fotos: la

Die Geschichte der Antendorfer Mühle ist aber noch älter. Im nebenstehenden Wohnhaus eingemauert ist noch heute ein Stein mit der Jahreszahl 1589, der von der alten, der ersten Mühle stammt. "Sie war aus Holz. Damals standen das Wohnhaus und der Schuppen noch nicht. Es existierte hier nur die Mühle, die die Guts-Mühle von Nienfeld war", erklärt der heutige Besitzer Wilhelm Buddensiek. Das Gut Nienfeld gehörte der Familie von Münchhausen. Die erste Holzmühle ist Anfang 1600 einem Feuer zum Opfer gefallen. Baron Claus von Münchhausen hat daraufhin 1613 an gleicher Stelle eine neue Mühle bauen lassen. Die Arbeit in einer Mühle ist nicht ungefährlich gewesen und so gab es 1767 ein zweifaches Unglück in der Antendorfer Mühle. Der damalige Pächter Johann Friedrich Stemme hat am 2. Januar trotz eines tobenden Sturms die Tücher der Mühlenflügel befestigen wollen, um das viele Korn zu mahlen. Dabei stürzte er ab und starb. Seine Frau führte die Arbeit fort, und als am 29. Januar, also nur 27 Tage später, der Sturm wieder so stark über der Mühle tobte, wollte sie diese abstellen. Dabei verfing sich ihr Rock in den treibenden Rädern des Mühlrades und sie starb ebenfalls. Irgendwann hat der Mühlenbesitzer Friedrich Dralle die Antendorfer Mühle gekauft. In der Umgebung wurden immer häufiger Mühlen von Brandstiftern angezündet, auch die Mühle in Escher. Daraufhin hat der Müller Johann Gottfried Hermann Meier sechs Wochen lang in der Mühle geschlafen, um aufzupassen. Seltsamerweise brannte seine Mühle ausgerechnet in der Nacht ab, in der er das erste Mal wieder im Haus schlief. Friedrich Dralle ließ dann eine neue Mühle bauen, einen so genannten Erdholländer, der im Jahr 1883 fertig wurde. Diesmal wurde die Mühle aus Stein gebaut. 1883 heirateten der Müller Johann Gottfried Hermann Meier und die Tochter von Friedrich Dralle, Johanna Philippina Maria. Sie bekamen die Antendorfer Mühle zur Hochzeit überschrieben. Es war eben die Mühle, deren Überreste noch heute majestätisch, aber auch bedrohlich in die Höhe ragen. Hermann Meier und seine Frau bekamen eine Tochter, Wilhelmine Dorothee Maria. Diese wiederum hatte einen Freund, Heinrich Conrad Wilhelm Buddensiek. Der war der älteste Sohn des Antendorfer Landwirts Johann Heinrich Wilhelm Buddensiek und sollte einmal den Hof übernehmen. Sein jüngerer Bruder hatte ebenfalls eine Freundin, die ein Kind erwartete. Da diese beiden heiraten mussten, hat der Vater ihnen den Hof übergeben und Heinrich Conrad Wilhelm Buddensiek ist zu seiner Braut gegangen. Als die beiden dann am 5. Oktober 1901 geheiratet haben, hat Hermann Meier seiner Tochter und dem neuen Schwiegersohn die Mühle überschrieben. Ein Jahr später haben sie einen Sohn, Hermann Heinrich Wilhelm, bekommen. Er hat auch das Handwerk des Müllers erlernt. Im Zeichen der Industrialisierung, als Maschinen nicht mehr nur mit Wasser oder Wind angetrieben wurden, sondern mit Dieselmotoren und später mit Elektromotoren, war man in Antendorf auch unabhängiger. Am 11. Mai 1934 hat Hermann Heinrich Wilhelm Buddensiek seine Braut Katharina Maria Sophie Dorothee Kirchhöfer geheiratet und bekam die Mühle. 1937 ging sie dann an einen Sohn, Hinrich, Wilhelm Friedrich Buddensiek. Als 1939 der zweite Weltkrieg begann, war es mit der Mühle recht gefährlich. Durch die Flügel gab sie ein gutes Ziel für Luftangriffe ab. Im Sommer 1941 hat sie Buddensiek abgebaut. Im Herbst 1941 zog auch er in den Krieg, aus dem er nicht zurückkam. Er hinterließ seine Frau und seinen achtjährigen Sohn. Dieser hat dann 1952 die Kuppe der Mühle abgebaut, weil sie baufällig war und einzustürzen drohte. Er versuchte nun auch, das Müllerhandwerk zu erlernen, und bewirtschaftete die Mühle als Lohn-Schroterei weiter. Doch damit konnte man kein Geld mehr verdienen, weil immer mehr Bauern eigene, von Diesel- und Elektromotoren getriebene Maschinen hatten, die die Mühle überflüssig machten. So wurde 1954 der Betrieb eingestellt. Wilhelm Buddensiek senior ist seit 1957 verheiratet mit seiner Frau Gerda, geborene Adden, und lebt auf dem Hof neben der Mühle. Sie haben zwei Kinder. Sohn Wilhelm Heinrich Gottfried (Wilhelm Buddensiek junior) und Tochter Doris. Seit 1993 gehören Mühle und Hof Wilhelm Buddensiek junior. Dieser hat im April 2001 damit begonnen, die Ruine der Mühle auszuräumen. Sie sollte vor weiterem Verfall geschützt werden undals Wahrzeichen weit über das Auetal zu sehen sein. Wilhelm Buddensiek junior, dessen Ehefrau Anastasia und Sohn Wilhelm haben inzwischen den Innenteil der Mühle komplett entfernt. "Für die alte Absieganlage, die ein Mühlenbauer unbedingt haben wollte, haben wir die Zeichnungen für eine neue Kuppel bekommen", erzählt Wilhelm Buddensiek. Allerdings weiß die Familie noch nicht, wie und wann die neue Kuppel mit Windmühlenflügeln, die allerdings nicht beweglich sein sollen, gebaut werden kann. "Die Kosten belaufen sich auf etwa 90 000 Euro", erklärt Anastasia Buddensiek. Ob und welche Zuschüsse die Buddensieks für die Sanierung der denkmalgeschützten Mühle bekommen können, will Bürgermeister Thomas Priemer klären. "Allerdings werden wir damit vorsichtig umgehen, denn je mehr Zuschüsse man bekommt, desto höher werden die Auflagen", weiß Wilhelm Buddensiek junior.

Anastasia und Wilhelm Buddensiek wollen ihre Mühle sanieren. Das
  • Anastasia und Wilhelm Buddensiek wollen ihre Mühle sanieren. Das Bauwerk ist derzeit auf drei Ebenen begehbar.
Wann mag wohl dieser schwere Mühlstein zuletzt Korn gemahlen hab
  • Wann mag wohl dieser schwere Mühlstein zuletzt Korn gemahlen haben?
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare