weather-image
IHK-Umfrage und Regio-Barometer für das Weserbergland vorgestellt

Wirtschaft der Region spürt die Krise - Unsicherheit bremst Investitionen

Weserbergland (TT). Weltfinanzkrise, Rezessionsangst, Konjunkturdelle - die negativen Schlagzeilen der letzten Monate haben sich wie ein grauer Schleier auf die Seele der Volkswirte gelegt. Zwei Wirtschaftsumfragen - von der IHK Niedersachsen sowie von der Hamelner TransForma Syndikat GmbH (TFSG) - kommen unabhängig vonein ander zuähnlichen Ergebnissen: Die Krise schlägt sich in den Unternehmen spürbar nieder, die Unsicherheit lähmt die Investitionen.

veröffentlicht am 28.11.2008 um 00:00 Uhr

Heiko Willumeit arbeitet in der Aerzener Maschinenfabrik. Im Wes

Die IHK hatte Mitte November landesweit 1300 Unternehmen befragt und herausgefunden, dass "die Entwicklung auf den Finanzmärkten zu einer hohen Unsicherheit in der Realwirtschaft geführt und innerhalb kürzester Zeit bei vielen Unternehmen deutliche Spuren bei Umsatz und Auftragseingängen hinterlassen hat". Die Situation sei derzeit "von großer Unsicherheit gekennzeichnet", heißt es bei der IHK. In der Folge würden in den Betrieben Investitionen teilweise zurückgestellt - ein Ergebnis, das sich mit der Hamelner Umfrage deckt. Allerdings bleiben die Beschäftigung sowie der Konsum insgesamt noch robust und stützen die Konjunktur: Die Arbeitslosenzahl im Weserbergland ist auch im November weiter gesunken; die Konsumfreude der Verbraucher ist nach der letzten Erhebung der Gesellschaft für Konsumforschung trotz der Krise bislang ungetrübt. Ebenso wie die Verbraucher bleiben auch die meisten Unternehmer im Weserbergland für das eigene Unternehmen optimistisch: Das Selbstvertrauen der Firmenchefs hat unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise noch nicht allzu sehr gelitten. Das jedenfalls ist das Ergebnis der regionalen Umfrage "Regio-Wirtschaftsbarometer Herbst 2008". Die Hamelner TFSG hat in Kooperation mit dem Arbeitgeberverband der Unternehmen im Weserbergland von Mitte September bis Ende Oktober 122 Firmenchefs aus Indus trie, Handwerk, Handel und Dienstleistung in den Kreisen Hameln-Pyrmont, Schaumburg, Holzminden und Lippe befragt. TFSG-Geschäftsführer Thomas Mahrenholtz fasste das Ergebnis gestern in Hameln so zusammen: Die Unternehmen im Weserbergland beurteilen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zwar schlechter als vor Jahresfrist - erwarten aber keinen generellen Wirtschaftsabschwung. Die Mehrzahl ist für sich optimistisch: "Wir sind besser als unsere Branche." Es werden vor allem die Investitionen in einer Größenordnung von mehr als 500 000 Euro vertagt. Es sind deutlich weniger Investitionen bei Maschinen und Gebäuden geplant. Während Industrie, Dienstleister und Handel insgesamt positiv gestimmt sind, ist man im Handwerk eher pessimistisch. Der Optimismus ist im Kreis Schaumburg am größten und im Kreis Holzminden am kleinsten: In Schaumburg sprechen 60 Prozent der Unternehmen von Wachstum, in Holzminden sind es 33 Prozent. 28 Prozent aller Unternehmen wollen 2009 niemanden einstellen. 31 Prozent suchen Azubis, 28 Prozent technisches und 13 Prozent kaufmännisches Personal. Sorgen machen vor allem der aus dem Ausland geführte Preiskampf sowie die Kosten für Energie, Rohstoffe und Transport. ****Kommentar****Keine Krise, kein Absturz**** Von Thomas Thimm Wennüber die Wirtschaft und die Weltfinanzen diskutiert wird, ist meistens die Rede von Märkten und von dem Verbraucher, wird über Wechselkurse und Rohstoffpreise diskutiert, sind Dinge wie Konjunkturzyklen und Löhne in aller Munde. Das ist auch alles ganz wichtig. Und doch wird meistens eines vergessen: Die Psychologie. Von der Stimmung der Verbraucher hängt der Konsum ab, von der Stimmung der Firmenchefs die Investitionsfreude. Die regionale Wirtschaftsumfrage von TFSG und AdU ist ein brauchbares Stimmungsbarometer - mit Antworten auf die drängendste Frage der letzten Wochen: Macht die Wirtschaftskrise die Stimmung in Deutschland so sehr kaputt, dass der Strudel immer schneller nach unten dreht? Die Antwort im Weserbergland lautet: Nein. Die Unternehmen sehen eine Krise, aber keinen Absturz. Der Optimismus behält noch die Oberhand.****Zum Thema****Der Arbeitsmarkt im November****Die Arbeitslosigkeit ist im nördlichen Weserbergland während des Novembers unter dem Strich leicht gesunken: Die Zahl der zwischen Holzminden und Stadthagen registrierten Erwerbslosen ging um 81 auf 16 562 zurück. Vor allem der Raum Hameln, Springe und Stadthagen trugen positiv zu diesem Ergebnis bei, während in Bad Pyrmont und Rinteln die teils saisonüblichen Zunahmen zu beobachten sind. "Ein konjunktureller Abschwung lässt sich aus unseren Zahlen derzeit nicht ableiten", sagt Jochem Freyer, Leiter der Arbeitsagentur Hameln. Es sei jedoch eine "Verunsicherung in einzelnen Branchen" wahrzunehmen. Die Voranfragen zu Unterstützungsleistungen, insbesondere zu Kurzarbeitergeld, haben laut Freyer spürbar zugenommen. Mit einer Arbeitslosenquote von 8,2 Prozent ist die Situa tion im Weserbergland nach wie vor etwas ungünstiger als im Land Niedersachsen insgesamt mit einer Quote von 7,0 Prozent. Vor einem Jahr waren im Agenturbezirk Hameln noch 2672 Menschen mehr als jetzt arbeitslos gemeldet. Damals hatte der Anteil der Arbeitslosen an der Erwerbsbevölkerung noch 9,3 Prozent betragen. "Durch das relativ gute Wetter bis Mitte November hat sich der schon abzeichnende saisonale Anstieg noch nicht voll ausgewirkt," freut sich Freyer. 11 181 der Erwerbslosen werden durch die Job-Center betreut - das sind 16,9 Prozent weniger als im November 2007. mafi



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt