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28-Jähriger in Mali als Christ verfolgt – nach monatelanger Flucht erreicht er Rinteln

„Wir wurden bedroht“

Rinteln. Joel Dembele junior ist seit einem Monat in der Prince Rupert School und hat dort gerade nach einer neunmonatigen Odyssee sein erstes Geld ausgezahlt bekommen. Es handelt sich um den Sozialhilfesatz, der ihm nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zusteht. Im Januar hat der 28-Jährige seine Heimat verlassen, gemeinsam mit einem Freund. Aber eigentlich sei der kein Freund. „Ich nenne ihn meinen Bruder“, sagt Dembele – nicht ohne Grund.

veröffentlicht am 27.11.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 07.12.2015 um 11:47 Uhr

Sein Freund oder Bruder ist nämlich Moslem. Dembele aber ist Christ. Mali hat er verlassen, weil er dort von islamistischen Terroristen bedroht worden sei. Er habe einer Vereinigung vorgestanden, die sich für ein friedliches Miteinander von Christen und Muslimen eingesetzt habe. Sein Freund war ebenfalls Mitglied dieses Vereins. So auch 100 andere. „Aber sie alle haben das Land verlassen“, erzählt Dembele. „Wir wurden bedroht.“

Zuletzt habe er in Malis Hauptstadt Bamako gelebt. Geboren und aufgewachsen sei er in Gao. „Aber da konnte man irgendwann als Christ nicht mehr leben“, sagt er. Sein Vater sei Moslem, seine Mutter Christin. Aus freien Stücken habe er sich für den Glauben seiner Mutter entschieden.

Auch seine Eltern hätten das Land verlassen, erzählt er. Sie seien an die Elfenbeinküste geflohen, während er sich auf den beschwerlichen Weg nach Deutschland machte. Seine Eltern, die er seitdem nicht mehr gesprochen habe, hätten ihm dazu geraten. Seine Flucht führte ihn über Libyen und Syrien zunächst in die Türkei, wo er zwei Monate verweilt habe. Von dort aus ging mit dem Boot nach Griechenland, dann zu Fuß durch Mazedonien, Serbien und Ungarn, bevor er im September Deutschland erreichte.

„Ich habe gehört, dass Deutschland IT-technisch gut entwickelt ist, also hoffe ich, in dem Bereich arbeiten zu können“, sagt der gelernte Französisch- und Informatiklehrer in gutem Englisch. Wo in Deutschland er arbeite, sei ihm egal. „Ich bleibe auch in Rinteln, wenn ich hier arbeiten kann“, sagt er. „Schließlich bin ich nur nach Deutschland gekommen, um zu überleben.“

Erst vor wenigen Tagen haben islamistische Terroristen mit einer Geiselnahme im Hotel Radisson in Bamako, der Hauptstadt von Mali, Aufsehen erregt. 21 Menschen kamen dabei ums Leben. Die deutsche Bundeswehr ist bereits seit zwei Jahren in Mali, um eine Mission der Vereinten Nationen zur Stabilisierung des von islamistischem Terror gebeutelten Landes logistisch zu unterstützen.

Nach der Geiselnahme will die Bundesregierung bis zu 650 Bundesehrsoldaten nach Mali schicken.pk



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