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Edelgard Heim und Antje Schmidt-Semisch werden in Rinteln getraut - weil Detmold sie ablehnte

"Wir wollten nicht streiten, sondern heiraten"

Rinteln (crs). Wenn zwei Menschen sich lieben, seit Jahren miteinander glücklich sind und jetzt auch offiziell den Bund fürs Leben schließen wollen - warum sollte ihnen dann ein Standesamt die Trauung verweigern? Auf diese Frage haben Edelgard Heim (49) und Antje Schmidt-Semisch (39) noch immer keine Antwort gefunden. Genau das aber ist ihnen widerfahren: Als die beiden Frauen im Standesamt Detmold einen Termin für ihre Trauung vereinbaren wollten, wurden sie barsch abgewiesen. "Geschockt und empört" suchte das Paar nach einer Alternative - und fand diese in Rinteln. Am Sonnabend sind Edelgard Heim und Antje Schmidt-Semisch in einer feierlichen Zeremonie von Standesbeamtin Stefanie Ruboks getraut worden.

veröffentlicht am 11.06.2008 um 00:00 Uhr

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Seit acht Jahren sind die beiden im schleswig-holsteinischen Elmshorn lebenden Frauen ein Paar. Als im Januar die Entscheidung zur Hochzeit fiel, wollten die beiden aus Nordrhein-Westfalen stammenden Frauen ihren schon etwasälteren Eltern, den Freundinnen und Freunden lange Anfahrtswege ersparen. Deswegen war schnell klar: "Wir heiraten in Detmold, der Heimatstadt von Antjes Eltern", erzählt die Diplom-Biologin Edelgard Heim. Nie hätten die Partnerinnen es für möglich gehalten, dass diese Pläne scheitern könnten. Aus allen Wolken fielen sie daher, als aus dem Detmolder Standesamt die negative Antwort kam: "Uns wurde barsch mitgeteilt, dass NRW keine gleichgeschlechtlichen Paare aus anderen Bundesländern verpartnert", schildert Edelgard Heim - eine Ehe zwischen Mann und Frau hingegen wäre problemlos möglich gewesen. "Unserer Meinung nach ist das ein klarer Verstoß gegen das Antidiskriminierungsgesetz", empören sich die beiden Frauen über die landesgesetzliche Regelung für NRW und Sachsen-Anhalt. Trotz mehrerer Telefonate mit dem Standesamt Detmold, bei denen die Frauen auch Verständnis ernteten, blieb die Entscheidung bestehen, selbst eine persönliche Beschwerde der Mutter von Antje Schmidt-Semisch im Detmolder Rathaus blieb ohne Erfolg. "Natürlich hätten wir klagen können", sagen Edelgard Heim und Antje Schmidt-Semisch. "Aber wir wollten schließlich nicht streiten, sondern heiraten!" Und dafür sind die beiden Frauen jetzt nach Rinteln gekommen. Hier sind sie am Sonnabend von Standesbeamtin Stefanie Ruboks im Bürgerhaus getraut worden. "Wir waren von Rinteln gleich begeistert", sagen die beiden frisch Vermählten. "Die Stadt und das Trauzimmer sind sehr schön, und Frau Ruboks hat uns schon beim Vorgespräch sehr freundlich empfangen." Für die Standesbeamtin gehört die Trauung gleichgeschlechtlicher Lebenspartner allerdings keineswegs zum Alltag: Die beiden Elmshornerinnen sind erst die zweite "Verpartnerung", seitdem die Möglichkeit gleichgeschlechtlicher Ehen 2001 gesetzlich verankert wurde - zwei Männer haben in Rinteln noch nie geheiratet. Einer Hochzeit in Detmold weinen die beiden Frauen und ihre Gäste übrigens keine Träne nach. "Wir freuen uns, in Rinteln eine vorurteilsfreie Atmosphäre gefunden zu haben."



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