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Geschäftsleute für Öffnung der Fußgängerzone - und gegen vorschnelle Politikeraussagen / "Bürger negativ beeinflusst"

"Wir wollen nicht, dass unsere Stadt negativ gesehen wird"

Obernkirchen (clb). Wütend und enttäuscht sind besonders fünf der 16 Anlieger, die im Januar und Februar an dem Ideen-Workshop "Zukunft der Innenstadt" teilgenommen haben. Zwei ganze Nachmittage haben sie aktiv an einem Zukunftskonzept mitgewirkt, Anregungen und Ideen eingebracht und sind sogar zu einem ersten möglichen Ziel gelangt: die Friedrich-Ebert-Straße in Richtung Rathaus zu öffnen, um den Leuten die Fußgängerzone wieder schmackhaft zu machen und die Kundschaft anzuziehen. "Und dann wird uns von der Politik wieder alles schlecht geredet."

veröffentlicht am 21.03.2008 um 00:00 Uhr

Ob die Fußgängerzone geöffnet wird oder nicht - die Autos fahren

Karin Warnecke (Sport- Shop), Thomas Hünerbein (Eisenwaren und Werkzeuge), Markus Grimm (Markant-Markt), Willi Adam (Inhaber der Ferienwohnungen am Kirchplatz) sowie Markus Hunstiger (Augenoptik Hunstiger) haben sich zusammengeschlossen, um ihren Ärger publik zu machen. Was die fünf Geschäftsleute, die alle an dem Workshop teilgenommen haben, am meisten stört, sind die grundsätzlich negativen Aussagen von den beiden Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, Wilhelm Mevert (SPD) und Horst Sassenberg (CDU), gegenüber unserer Zeitung. Sassenberg hatte sich generell skeptisch gegenüber der einseitigen Öffnung der Friedrich-Ebert-Straße gezeigt: Er sei nicht der Meinung, so der Christdemokrat, dass die Fußgängerzone die Hauptursache für die strukturellen Probleme in der Innenstadt sei. Mevert hingegen - und seine Aussage stört die fünf Geschäftsleute noch mehr - hatte sich von vornherein klipp und klar gegen die vorgeschlagene Einbahnstraßenregelung ausgesprochen: "Heute sind doch alle Geschäfte raus, für wen soll man die Fußgängerzone also wieder aufmachen?" Mit der Aufhebung des Durchfahrverbotes "würde man die ganze Ruhe aus diesem Bereich herausnehmen". Karin Warnecke ist vor allemüber den ersten Satz von Mevert empört: "So etwas zu sagen, ist eine Frechheit. Wir wollen nicht, dass unsere Stadt so negativ gesehen wird!" Auch das Argument der Ruhestörung lässt sie nicht gelten: "So ruhig will es ja gar keiner haben, die Stadt soll ja nicht ganz tot sein." Wenn es zu der Öffnung käme, würde diese ohnehin zeitlich begrenzt sein. Außerdem würde es lediglich um Schrittgeschwindigkeit gehen. Tagsüber, und vor allem nachts, würden sowieso einige Autofahrer die Fußgängerzone als Abkürzung benutzen. "Und da sagt ja auch niemand was!" Willi Adam verdeutlicht noch einmal das eigentliche Problem: "Wenn die Autos die Neumarktstraße langfahren, werden sie automatisch aus der Stadt herausgeführt, ohne überhaupt etwas von der Fußgängerzone gesehen zu haben." Deshalb begrüßen die fünf Obernkirchener die einseitige Öffnung. Und gerade für den Kunden, der doch heutzutage sehr bequem geworden sei, wäre eine solche Lösung optimal, ergänzt Markus Grimm. "So können die Leute kurz reinfahren, einkaufen und dann wieder rausfahren." Auch ältere Menschen, die Gehschwierigkeiten hätten, würden davon profitieren. Ein weiteres Argument für die Straßenöffnung hat Willi Adam parat: "Das alles wäre nur mit einem ganz geringen Kostenaufwand verbunden." So müssten lediglich einige Schilder ersetzt, Blumenkübel entfernt und zwei bis vier Parkbuchten, maximal sechs, geschaffen werden. Geärgert haben sich die Geschäftsleute auch darüber, dass sich die beiden Fraktionsvorsitzenden - obwohl der Vorschlag bei den beiden Workshop-Teilnehmern durchaus Anklang gefunden habe - sofort dagegen ausgesprochen hätten, ohne überhaupt an der Veranstaltung teilgenommen zu haben. "Die beiden haben nicht die blasseste Ahnung von dem Konzept. Wie auch? Sie waren ja nicht da",ärgert sich Willi Adam. Und Thomas Hünerbein stimmt ihm zu: "Typisch Politiker, gleich alles abbügeln, bevor sich überhaupt irgendetwas entwickeln kann." Für "sehr unglücklich" hält Karin Warnecke auch den für diese Äußerungen gewählten Zeitpunkt - einen Tag vor der dritten Zusammenkunft, bei der wahllos angeschriebene Bürger ihre Meinungen zu den zuvor erarbeiteten Konzepten abgeben sollten. Was alle fünf Geschäftsinhaber besonders eigenartig finden: An den ersten beiden Workshop-Tagen hatte sich noch eine deutliche Mehrheit für die Einbahnstraßenregelung ausgesprochen, nach den Äußerungen der beiden Politiker war das positive Ergebnis dann auf einmal umgekippt. Die fünf befürchten eine "negative Beeinflussung". Am Donnerstag, 27. März, tagt der Stadtrat um 18 Uhr im Rathaus. Dann wird Benno Trütken, der den Workshop durchgeführt hat, die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung offiziell vorstellen. Anschließend werden die Ratsmitglieder darüber diskutieren.



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