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Weserversalzung: Politiker beraten Strategien

"Wir wollen einen sauberen Fluss!"

Weserbergland (ube). Parlamentarier, Bürgermeister und Umweltexperten aus drei Bundesländern - darunter der hessische Landtagsvizepräsident Lothar Quanz - haben gestern in Hameln unter Vorsitz von Volker Brockmann MdL über Strategien gegen die Versalzung von Weser und Werra durch die Kasseler Kali + Salz AG (K+S) beraten. Wichtigstes Ziel: Den Werra-Grenzwert von 2500 Milligramm Chlorid pro Liter bis 2012 schrittweise zu senken. In einem öffentlich-rechtlichen Vertrag solle das festgeschrieben werden. Da waren sich alle einig. Doch würde ein solcher auch von K+S unterzeichnet?

veröffentlicht am 27.02.2009 um 15:54 Uhr

Immerhin, so Dagmar Becker MdL aus Thüringen, habe die CDU-Fraktion im thüringischen Landtag einen Antrag auf Prüfung der Nordsee-Pipeline-Variante gestellt. Dagmar Becker sagte, K+S "hat in der Vergangenheit selten seine Versprechen eingehalten". "1992/93 bekam K+S von der Treuhand eine Milliarde Mark. Selbstverpflichtend sollte der Grenzwert von 2500 Milligramm/Liter abgesenkt werden. Passiert ist nichts." Dr. Walter Hölzel, Erster Stadtrat von Witzenhausen, verblüffte die Tagungsteilnehmer mit einer bislang in Parlamentarierkreisen gar nicht oder kaum bekannten Information: K+S, so Dr. Hölzel, habe in der chilenischen Wüste ein 500 Quadratkilometer großes Gelände gekauft. In Südamerika würden 850 Mitarbeiter der Erde jährlich sechs Millionen Tonnen Kali im Tagebau abringen. Zum Vergleich: Im Werra-Abbaugebiet würden 4800 Menschen acht Millionen Tonnen abbauen. Was, wenn der größte deutsche Kali-Produzent irgendwann aus Kostengründen die Bundesrepublik ver- und seine Altlasten zurücklässt? K+S hat eigenen Angaben zufolge 17 Alternativen zur Haldenwässerentsorgung geprüft. Aus Sicht des Unternehmens kommt nur die Verklappung in der Werra in Frage. Dr. Hölzel überraschte mit der Aussage: "Es gibt drei weitere Alternativen." Bis 2012 könne die Chlorideinleitung in die Werra auf null gesenkt werden. Der Erste Stadtrat nannte allerdings nur ein Beispiel: Die Salzlauge könne für die Chlorgasproduktion genutzt werden. Karl-Heinz Buchholz, Bürgermeister von Rinteln, und sein Hessisch Oldendorfer Kollege Harald Krüger plädierten für Solidarität. Man könne Städte wie Witzenhausen auch mit Geld - beispielsweise bei einer Klage - unterstützen. Sportfischer-Vertreter Wilhelm Wehrhahn sagte: Niemand dürfe ungestraft seinen Abfall einfach wegkippen. "Wir wollen einen sauberen Fluss haben. Es geht um Lebensqualität."



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