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Kritik aus der Gastronomie am Stadtfest / Verstößt Oktoberfest gegen das öffentliche Interesse?

"Wir Wirte sind auf solche Feiern angewiesen!"

Rinteln (ur). Vorwürfe gegen die Stadt Rinteln und insbesondere gegen Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz und Marktmeister Jürgen Pleitner erhebt Gastwirt Michael Bode vom "Altstadtkrug" - auch, aber nicht nur in Verbindung mit dem Altstadtfest.

veröffentlicht am 22.08.2006 um 00:00 Uhr

"Wir Standbetreiber auf dem Kirchplatz wurden erneut beim Einsatz der Musikgruppen benachteiligt, obwohl wir dieselben Gebühren und Abgaben entrichten müssen wie die Kollegen auf dem Marktplatz", sagt Bode. Zwar habe es am Freitag und Sonnabend ein akzeptables Angebot gegeben, doch am Sonntag sei man weitgehend im Stich gelassen worden: Die Bühne blieb ohnehin leer und die an sich ganz guten Jazzmusikanten von den Salzsieders zogen von Stand zu Stand, so dass immer nur ein Teil des Publikums etwas davon mitbekam. "In der Zwischenzeit war dann tote Hose - leider dadurch auch an unseren Tresen." Zwischendurch sei die Band dann sogar zum Markt kommandiert worden, wodurch der Kirchplatz dann völlig abgehängt wurde: "Gähnende Leere überall." Man könne nicht im einen Bereich eine Topband wie Tomcat aufspielen lassen, während man die andere Bühne ignoriere. Enttäuscht ist Bode auch darüber, dass sein im letzten Jahr so erfolgreich gestartetes Oktoberfest neben der Nikolaikirche für dieses Jahr nicht genehmigt worden sei: "Im öffentlichen Interesse", habe ihm Erster Stadtrat Jörg Schröder dazu lapidar mitgeteilt. "Dabei hat es lediglich Proteste einer einzigen Familie gegeben, die schon dafür bekannt ist, bei jedem öffentlichen Räuspern Alarm zu schlagen, während viele andere Anlieger gern bei unserem Fest waren", protestiert Bode. Bürgermeister Buchholz gibt zum Thema "Altstadtfest" zu bedenken, dass man beim Programm Konzessionen an die knapper gewordenen Mittel machen müsse: "Schließlich lässt es sich heute nicht mehr rechtfertigen, für so ein Fest die Stadtkasse über Gebühr zu belasten." Zum Vorwurf bezüglich des Oktoberfestes räumt Buchholz ein, dass es tatsächlich nur die Beschwerde der einen Familie gegeben habe, gibt aber zu bedenken: "Im Prinzip ist es aber unsere Politik, die Etablierung weiterer Veranstaltungen in diesem sensiblen Bereich zu verhindern, damit die Akzeptanz für die vorhandenen Veranstaltungen wie Messe, Adventszauber und Öko-Markt nicht beeinträchtigt wird!" Bode verbittert: "Die Lage in der Nachbarschafts-Gastronomie ist heute so, dass wir auf solche Ereignisse angewiesen sind, umüber die Runden zu kommen. Wenn wir darin blockiert werden, können wir gleich den Schlüssel abdrehen und das Lokal dicht machen. Ich jedenfalls suche schon nach einer Alternative!" Arif Sanal von der Bodega kritisiert die Behauptung der Stadt, es habe keine Alternative zur "Aktionspyramide" eines hannöverschen Betreibers vorgelegen, dessen mobiler Disco-Betrieb seitens der Organisatoren des Altstadtfestes ausdrücklich als "Angebot an die Jugend" bezeichnet worden war, nach Ansicht vieler Besucher diesem Anspruch aber kaum gerecht wurde: "Und das bei Preisen, die deutlich über dem sonstigen Niveau lagen!" Sanal erinnerte daran, mit seinem Team bereits im Vorjahr einen "Beach-Club" mit Zielrichtung auf das junge Publikum inszeniert zu haben: "Und das bei erheblichen Investitionen für Strandkörbe oder Palmen. Investitionen, die sich angesichts des schlechten Wetters damals kaum gelohnt haben und die nur wieder reinkommen können, wenn wir diesen Club über mehrere Jahre betreiben." Leider habe die Stadt aber dieses Jahr das Areal zwischen Altem Museum und Geßnerschem Haus an einen anderen Anbieter vergeben. "Herr Sanal war leider in der Planungsphase für das diesjährige Stadtfest über Wochen nicht erreichbar, sodass wir den Platz anderweitig besetzen mussten!", erklärt dazu Buchholz auf Anfrage, der ansonsten ausdrücklich die Verdienste der Bodega für die heimische Gastro-Szene hervorhebt: "Wir brauchen Betriebe wie die Bodega, die auch Gäste von auswärts in die Stadt locken!"

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