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Pfarrgemeinde widerspricht Hildesheimer Schließungsplänen / Gottesdienstbesuch bei 13 Prozent

"Wir verteidigen unsere Kirche bis zuletzt!"

Lauenau/Bad Nenndorf (nah). In der katholischen Kirchengemeinde "Maria zum Heiligen Rosenkranz" Bad Nenndorf formiert sich massiver Widerstand gegen die Pläne des Bistums Hildesheim, Gotteshäuser zu schließen. Nach einer Sitzung des Kirchenvorstands erklärte Pfarrer Adalbert Bonk: "Wir lassen nicht zu, dass ein Standort gegen den anderen ausgespielt wird."

veröffentlicht am 31.01.2008 um 00:00 Uhr

Regelmäßig kommen bis zu 100 Gläubige zum Sonntagsgottesdienst i

Der Seelsorger bezog in allen Gottesdiensten am vergangenen Wochenende Stellung zum Thema: "Wir sind eine Gemeinde mit drei Kirchen", rief er unter dem Beifall der Gläubigen in der von den Absichten besonders betroffenen Lauenauer St.-Markus-Kirche zu: "Wir wollen selber bestimmen, wann, wie und wo etwas geschlossen wird." Spontan nahm Besucher Ludwig Hiller den Pfarrer nach dem Gottesdienst in den Arm: "Das waren die richtigen Worte." Aufgeregt standen etliche Kirchgänger vor dem Portal und diskutierten das soeben Gehörte. Besonders entrüsteten sie sich, dass selbst Bonk und die hiesigen ehrenamtlichen Gremien von den Absichten der Bistumsleitung erst aus der Zeitung erfahren hätten. Der Seelsorger wiegelte zwar in einem ersten Pressegespräch vor wenigen Tagen ab: "Das wird doch schon seit Jahren diskutiert." Aber am Ende sei auch er erschrocken gewesen, dass "jetzt so schnell die Kirche in der Fläche aufgegeben" werden soll. "Ich werde keine Profanisierung zulassen", fuhr Bonk vor den Gläubigen fort, "weder in Rodenberg noch in Lauenau". Und: "Da kann Hildesheim kommen und machen was es will." Allerdings stellte der Pfarrer klar, dass die Gemeindeglieder ihren Beitrag leisten müssen: "Wenn es uns die Gotteshäuser wert sind, werden wir sie auch erhalten." Schließlich befänden sie sich ausnahmslos in einem guten Zustand: "Dafür habe ich in den letzten Jahren immer gesorgt." Dass zumindest für die Lauenauer Filiale das Bistum nicht einmal mehr die laufenden Kosten ab 2009 übernehmen will, verlange gemeinsame Anstrengungen im Sinne des Bibelworts "Einer trage des anderen Last". Deshalb sei es gut, seit 2006 auch eine Gemeinde zu sein. Bis dahin bestand lediglich eine Seelsorgeeinheit. Früher waren die Pfarreien Bad Nenndorf und Rodenberg völlig selbstständig. In einem Pressegespräch hatte der Geistliche schon vor Tagen gesagt, das eigentliche Problem seien weniger die Immobilien, sondern vielmehr die personelle Situation. Bereits in wenigen Jahren werde die Nenndorfer Pfarrgemeinde auch für den Bereich Haste/Hohnhorst zuständig sein. Und schon für 2020 prognostiziere das Bistum nur noch einen Seelsorger "für 6000 bis 8000 Seelen": "Dann gibt es einen Pfarrer in Stadthagen und vielleicht einen Pensionär in Bad Nenndorf." Während Bonk am Altar von St. Markus trotz klarer Aussagen eher moderate Töne anschlug ("Wir geben nicht nach!"), wurden Christen nach dem Kirchgang schon deutlicher: "Kampflos geben wir nicht auf", setzte Bettina Schröder an. "Wir verteidigen unsere Kirche bis zuletzt", stimmte Karl-Heinz Strecker zu. Kirchenvorsteher Jürgen Schröder erinnerte an den Bau des Gotteshauses vor 45 Jahren: "Die Gründe für den damaligen Kirchbau gelten doch heute auch noch." Im Einzugsbereich von Lauenau wohnen rund 740 Katholiken; im Raum Rodenberg und Apelern etwa tausend Personen. Insgesamt zählt die Nenndorfer Pfarrgemeinde 3230 Christen. Der durchschnittliche Besuch der Sonntagsgottesdienste liegt bei 13 Prozent. Demnächst wollen Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat eine gemeinsame Resolution verfassen und diese dem Bischof zuleiten. Strecker hat dafür schon eine ganze Reihe von Argumenten gesammelt - von der Mittelpunktrolle Lauenaus für die umliegenden Ortschaften bis hin zu den wertvollen Arbeiten in St. Markus, die aus der Hand des Künstlers Josef Hauke stammen. Küsterin Roswitha Schölzel verweist auf ihren ganz eigenen Beitrag, das Gotteshaus im Flecken noch möglichst lange der Zukunft zu erhalten: "Schon seit Jahren spare ich doch schon, wo es nur geht!"

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