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Drei Angebote für Wohnungslose unter einem Dach: Senior Schläger Haus e.V. bündelt die Hilfsangebote

„Wir stehen gesund da und können es packen“

Hameln (ul). Am 10. Dezember wurde das Senior Schläger Haus e.V. am Ostertorwall 22 öffentlich eingeweiht, jetzt fand die erste Mitgliederversammlung unter Vorsitz von Hans Jürgen Krauß im neuen Tagestreff für Wohnungslose statt. Dabei zeigten sich die mehr als 30 aktiven Mitglieder erfreut darüber, dass sich Kontaktstelle, Übernachtungsangebot und Beratung unter einem Dach für Obdachlose bereits positiv bewährt haben. „Von den 49 Übernachtungen im Januar, 44 im Februar und 25 im März nutzten 75 Prozent der Übernachtungsgäste den Tagestreff und die Beratungsstelle“, berichtet Jörg Fischer vom Diakonischen Werk.

veröffentlicht am 21.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 21:41 Uhr

V. li.: Margarete Gräfe und Hans Jürgen Krauß danken Dr. Gerhard

Hameln (ul). Am 10. Dezember wurde das Senior Schläger Haus e.V. am Ostertorwall 22 öffentlich eingeweiht, jetzt fand die erste Mitgliederversammlung unter Vorsitz von Hans Jürgen Krauß im neuen Tagestreff für Wohnungslose statt. Dabei zeigten sich die mehr als 30 aktiven Mitglieder erfreut darüber, dass sich Kontaktstelle, Übernachtungsangebot und Beratung unter einem Dach für Obdachlose bereits positiv bewährt haben. „Von den 49 Übernachtungen im Januar, 44 im Februar und 25 im März nutzten 75 Prozent der Übernachtungsgäste den Tagestreff und die Beratungsstelle“, berichtet Jörg Fischer vom Diakonischen Werk. So brachte die Aerzener Polizei einen Obdachlosen, der hier übernachten konnte und medizinisch versorgt werden konnte. Ihm konnte ein Platz in einem Seniorenheim vermittelt werden. Auch ein 67-jähriger Wohnungsloser aus Hameln, der in geheizten Geldautomatenräumen Unterschlupf suchte, nahm den Tagestreff an, ließ sich beraten und lebt nun betreut in einem möblierten Zimmer. Als drittes Beispiel nannte Jörg Fischer ein wohnungsloses Paar, das im Senior Schläger Haus übernachtete und zur Veränderung seiner Lebenssituation beraten werden konnte. Das Paar lebt seit April in einer eigenen Wohnung und erhält Stabilisierungshilfe.

Das Land als maßgeblicher finanzieller Förderer des Senior Schläger Hauses wird die Ergebnisse dieses Angebotes von Landkreis, Diakonischem Werk und Verein wissenschaftlich auswerten lassen, berichtete Krauß. Neben dieser Evaluation will der Verein künftig eine Hilfskraft für den Tagestreff anstellen und einen Streetworker engagieren, der sich auch um die Bewohner in der Walkemühle kümmern soll. Bereits in diesem Winter war der Tagestreff durchgehend auch am Wochenende geöffnet.

Die Zusammenarbeit dieses Netzwerkes von Hilfsangeboten unter einem Dach ermöglicht Wohnungslosen, nach der Übernachtung nicht zurück auf die Straße geschickt zu werden. Sie können im vereinseigenen Tagestreff ihre Wäsche waschen, duschen, klönen und für die Suche nach Hilfsangeboten im Internet surfen. Eine kostenlose ärztliche Sprechstunde bietet Dr. Kurbjuhn im Senior Schläger Haus an. „90 Prozent der Obdachlosen sind gesundheitlich angeschlagen“, berichtet Krauß. In Ermangelung der Praxisgebühr, eines Krankenkassennachweises und aus Scham scheuen Obdachlose den Gang zum Hausarzt. Mit dem Übernachtungsangebot seitens des Kreises, der vereinseigenen Kleiderkammer und der Beratung seitens des Diakonischen Werkes gelingt es den drei unter einem Dach zusammenarbeitenden Trägern, Landkreis, Diakonischem Werk und Verein, Obdachlose aus ihrer sozialen Isolierung zu holen und ihnen Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten. Dazu zählt beispielsweise auch gemeinsames Kochen.

Ziel der Vereinsgründung am 30. Mai 2007 mit 38 Mitgliedern, entstanden aus dem von Pastor Martin Hoffmann gegründeten Runden Tisch Obdachlosigkeit, ist es, die Bedürfnisse von Wohnungslosen und Obdachlosen und an den Rand der Gesellschaft stehenden Menschen zu erkennen und ihnen Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten. Der Dank des Vorsitzenden richtet sich an alle helfenden Hände, Förderer und Spender. Dabei war es für den Kassenwart Dieter Pfusch-Boegehold nicht leicht, die verschiedenen Konten im Rahmen der Fördertöpfe für die Sanierung säuberlich zu trennen. Kassenprüfer Dieter Gräfe beriet ihn dabei hilfreich.

Für das Stammhaus fielen Kosten von insgesamt 412 200 Euro an, 190 000 Euro betrug der Kaufpreis, der Umbau schluckte 96 000 Euro, 44 000 Euro mussten für Elektrizität aufgebracht werden, ein Abwasserkanal war undicht – 18 000 Euro Erschließungskosten wurden fällig. 22 000 Euro für die Ausstattung und 30 000 Euro an Baunebenkosten fielen ebenso an wie 4800 Euro für die Außenanlage und 4000 Euro für Restarbeiten.

Das Land Niedersachsen übernahm 150 000 Euro der Landkreis 91 000 Euro, das Diakonische Werk vom Stadtverband Hannover 74 000 Euro, die Stadt investierte 45 000 Euro, eine private Stiftung 35 000 Euro, die Sparkasse Weserbergland 10 000 Euro, ein Spender 5000 Euro und 2131 Euro an Eigenkapital trug der Verein zur Kostendeckung bei. Das Defizit ist mit 69 Euro unmaßgeblich.

Nahm der Verein im Gründungsjahr Mitgliedsbeiträge in Höhe von 838 Euro ein und erhielt Kirchenkollekte in Höhe von 1200 Euro sowie eine Spende in Höhe von 500 Euro, so erhöhte sich der Etat 2009 durch steigende Mitgliederzahlen auf 1176 Euro und stieg dank einer Spende der Caritas und privater Spenden auf 17 200 Euro. Für den Haushalt 2010 werden Mitgliedsbeiträge in Höhe von 1248 Euro kalkuliert, 19 674 Euro Nutzungsentgelte von Land und Landkreis sowie Kollekte und Spenden in Höhe von insgesamt 700 Euro sind eingeplant, was einen Gesamtetat in Höhe von

21 622 Euro ausmachen wird.

Jährlich 9000 Euro sollen als zweckgebundene Rücklage für die Sanierung nasser Wände und die Dachsanierung für die kommenden fünf Jahre zurückgelegt werden. 45 000 Euro sind für diese Sanierung nötig. Neben einer freien Rücklage in Höhe von 2000 Euro sind für die geplante Hilfskraft für soziale Aufgaben 4000 Euro einkalkuliert, für laufende Reparaturen ebenso 4000 Euro, Versicherung, Präsentgeld, Bürokosten und Sonstiges summieren sich auf 1216 Euro, womit die geplanten Ausgaben sich mit den Einnahmen in Höhe von

21 622 Euro decken.

„Wir stehen gesund da und können es packen“, lautete das Urteil von Krauß.

Eine große Aufgeschlossenheit in der Region für dieses Projekt auch seitens einer privaten Stifterin, die ungenannt bleiben möchte, erleben die aktiven Vereinsmitglieder nach all den Ressentiments, die ihnen in der Anfangszeit bei der Haussuche entgegenprallten. Die Personalkosten werden anteilig je zu 45 Prozent von Land und Landkreis gedeckt. Die restlichen zehn Prozent trägt der Verein. Bei der Arbeit des Diakonischen Werkes läuft die Finanzierung zu 90 Prozent vom Land, und zehn Prozent werden aus Eigenmitteln des Vereins beigetragen. Die Übernachtungsstelle ist eine Pflichtaufgabe des Landkreises sowie der Stadt Hameln. Sie wurde aus der Bennigsenstraße in das Senior Schläger Haus verlegt. Weil sich die Miete für die Träger unter der am Markt üblichen Miete beläuft, handelt es sich um eine Win-Win-Situation auch für Land und Kommune als maßgebliche Finanzierer. Allerdings handelt es sich bei der ambulanten Hilfe für Obdachlose um eine freiwillige Leistung vom Land. Der Verein hofft, dass dieses Hilfsinstrument nicht im Rahmen der Sparmaßnahmen reduziert wird.

Kassenwart Dieter Pfusch-Boegehold verabschiedete sich von seinem Amt. Er wird künftig als Berater des Kirchenkreises weiter im Verein tätig sein. Der bisherige Kassenprüfer Dieter Gräfe stellte sich als Kassenwart zur Verfügung und wurde ebenso einstimmig gewählt wie der Caritasmitarbeiter Stefan Keil, der gemeinsam mit dem stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Dr. Gerhard Bulczak seit 15 Jahren das Obdachlosenfrühstück in Hameln mit rund 100 freiwilligen Helfern organisiert hat. Der ehemalige Leiter der Hamelner Jugendvollzugsanstalt Bulczak (79) übergab den Posten des stellvertretenden Vereinsvorsitzenden nach einstimmiger Wahl an Stefan Keil. Bulczak betonte, „je öfter wir das Senior Schläger Haus öffnen, desto mehr zahlt es sich auch für die Stadt Hameln aus, denn dann müssen Obdachlose nicht die Fußgängerzone bevölkern“. Herbert Hiller übernimmt die Aufgabe von Dieter Gräfe als Kassenprüfer.

Für den 18. September plant der Verein einen Tag der offenen Tür. Mit Kuchen, Grill- und Spielangeboten sowie Livemusik sind dann die Bürger eingeladen, das Haus am Ostertorwall 22 kennenzulernen und die soziale Leistung des Vereins künftig zu unterstützen. Denn die bisher 55 Mitglieder freuen sich über viele weitere sozial engagierte aktive und passive Mitglieder.



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