weather-image
16°

"Wir stecken in einer satten Rezession"

Außer der weltweiten Finanzkrise hat sich Torsten Windels, der Chefvolkswirt der Nord/LB, wie bei jeder Schaumburger Börsennacht signifikanten Entwicklungen im Landkreis Schaumburg gewidmet. Die ersten beiden Schaubilder, die Windels unter dem Untertitel "Regional-TÜV" erläuterte, erklären manches aus der Entwicklung der vergangenen Jahre. So hat der Landkreis Schaumburg, verglichen mit der Entwicklung im Bundund in Niedersachsen, einen wesentlich deutlicheren Knick nach unten in der Bevölkerungsentwicklung hinnehmen müssen. Das Scheiteljahr in der grafischen Darstellung ist 2002: Damals hatte der Kreis - berechnet auf 1995 gleich 100 Prozent - ein Niveau von etwa 103 Prozent erreicht. Danach ist die Bevölkerungskurve ziemlich steil auf 101 Prozent im Jahr 2007 gesunken.

veröffentlicht am 17.11.2008 um 00:00 Uhr

Torsten Windels, Chefvolkswirt der Nord/LB, bei seinem Vortrag i

Ein Jahr vor dem Bevölkerungsknick, 2001, liegt der Scheitelpunkt in der Beschäftigungsentwicklung. Basierend auf 1990 als 100-Prozent-Jahr sank die Kurve von knapp 105 Prozent anno 2001 auf den vorläufigen Tiefpunkt von etwa 94 Prozent in den Jahren 2005 und 2007. Danach begann ein verhaltener Aufstieg. Nach diesen Ausführungen umriss Windels die Ursachen für die Weltfinanzkrise. Weitere Eckpunkte des knapp einstündigen Expertenvortrags: die Rolle der deutschen Landesbanken, die Schuld der Manager und die Aussichten für die Wirtschaft im kommenden Jahr. "Es gibt gegenwärtig drei Probleme, die eng miteinander vernetzt sind", läutete der Ökonom sein Referat vor mehr als 400 Zuhörern ein. Die Vertrauenskrise zwischen den Banken, die sich gegenseitig keine kurzfristigen Kredite mehr gewähren und der Verbriefungsdschungel mit problematischen Kreditportfolios hätten zu einer Rezession geführt, die wiederum weltweit die Aktienmärkte einbrechen lasse. In deren Folge haben 41 Banken auf der Welt rund 440 Milliarden Dollar abgeschrieben. Dies sei kein spezifisches Problem deutscher (Landes-)Banken, betonte derÖkonom. Rund 60 Prozent der Abschreibungen lägen bei US-Banken. Dennoch seien deutsche Kreditinstitute stark involviert, da sie angesichts des niedrigen Kreditwachstums in der Bundesrepublik auf Auslandsmärkten teils sehr riskante Geschäfte eingegangen seien, um das eigene Wachstum zu maximieren. Ein spezifisches Problem der Landesbanken sei dabei, dass sie im Vorfeld des Wegfalls der Gewährträgerhaftung 2005 Liquidität eingekauft hätten. "Dieses Geld wurde allerdings auf eine Art und Weise angelegt, die nicht besonders lukrativ war", räumte Windels ein. Als Schuldige der Krise sieht auch Windels die Manager, die schließlich für die Investments einer Bank verantwortlich seien und die wegen hoher Bonuszahlungen die kurzfristige Ertragsoptimierung einer nachhaltigen Wirtschaftlichkeit vorgezogen hätten. Allerdings würden Eigner und Investoren von den Banken eine sehr hohe Kapitalrendite erzwingen, die nur durchrisikoreiche Geschäfte finanzierbar seien. "Die Schuld ist nicht nur auf die Manager zu schieben, alle müssen sich fragen, wie sie dazu beigetragen haben, das Spiel mitzuspielen", so Windels. Hinsichtlich der Konjunktur in Deutschland geht der Volkswirt von negativen Wachstumsraten aus. "Wir stecken in einer satten Rezession", sagte Windels, der bei Marktprognosen vorsichtig blieb. Da die Chance auf Kurssteigerungen groß seien, sei es nicht ratsam, Aktien zu verkaufen. Er könne allerdings auch nicht empfehlen, noch mehr Kapital anzulegen, da das spekulative Risiko zu hoch sei. "Tun sie nichts", resümierte Windels augenzwinkernd am Ende seines Vortrages. kcg

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare