weather-image
18°
Terrier- Doppelausstellung der Ortsgruppen Schaumburg und Hannover in der Liethhalle

"Wir spielen hier in der Zucht-Bundesliga"

Obernkirchen (rnk). Der Hund ist wie der Name. Ein leichtes Fell, wohlig anzufassen, "soft eben", erklärt Ines Wies. Vor sechs Jahren hat sie ihren ersten "Irish Soft Coated Wheaten" gekauft, aus dem ersten Wurf hat sie dann einen zweiten Hund behalten. "Dickköpfig wie irische Sturschädel, lebhaft und ein idealer Familienhund", erklärt die Obernkirchenerin. Denn bis so ein Hund seelisch und körperlich ausgereift sei, dauere es drei Jahre - da kann er lange mit den Kindern mitspielen.

veröffentlicht am 10.04.2006 um 00:00 Uhr

Ja, doch, so kann sich "Fleetwood" den Preisrichtern wohl zeigen

Wies ist eine von 170 Züchtern, die am Wochenende in der Liethhalle ihre fast 300 Tiere den Richtern zur Wertung vorgeführt haben. Vor zwei Jahren, bei der sechsten Ausstellung, waren es noch gut 250 Züchter, aber die Zahlen sind insgesamt rückläufig, wie Bernd Spiller als Vorsitzender der Schaumburger Terrierzüchter erklärt: Die Kosten steigen, etwa für das Benzingeld. Und da schaut mancher Züchter schon genauer hin, wo er noch ausstellen möchte - und wie weit das ist. Dass sich in der Liethhalle die Züchterortsgruppen Schaumburg und Hannover zusammengetan haben, das spart zwar auch einiges Geld, hat aber vor allem praktische Gründe: Der Terrier-Club in der Landeshauptstadt wird von Spillers Frau Uta geleitet. West Highland White Terrier, Yorkshire Terrier, Airedaleterrier, Bedlington Terrier, Australian Silky, Irish Soft Coated Wheaten, die großen Schwarzen Terrier, Norfolk, Norwich - fast 30 Arten sind in der Doppelausstellung vertreten, für die die Richter aus Norwegen, Schweden und Süddeutschland angereist sind. Dies beweise, so Spiller, die Ernsthaftigkeit, mit der hier gezüchtet wird. Die von weit entfernt angereisten Richter garantierten, "dass hier nicht das falsche Ende der Leine bewertet wird". Spiller spielt auf ein von anderen Hundeausstellungen bekanntes Phänomen an: Kennen sich Richter und Züchter, wird oft nicht der Hund, sondern der Mensch bewertet. "Wir spielen hier aber in der Bundesliga", formuliert Spiller knackig den eigenen Anspruch. Und so zählt an diesem Wochenende vor allem eines: die Schönheit der Tiere. Überall in der Halle werden die Terrier gestriegelt und gebürstet, sie werden richtig angehübscht. "Wir machen keine Schutzhundprüfung, hier wird auch nicht der Gehorsam des Tieres bewertet", erklärt Spiller. Aber seine strenge Züchterordnung hat dennoch alles: Ein striktes Reglement legt fest, welche Kriterien die Tiere vor den Richteraugen zu erfüllen haben. Dazu gehört auch die Sozialverträglichkeit. Die Richter hatten ein besonderes Augenmerk darauf, dass sich alle Hunde tadellos benehmen. Dass in den Schaumburger und Hannoveraner Ortsgruppen alles seine Ordnung hat, beweise der Anschluss an den Dachverband, den Verein für das deutsche Hundewesen (VdH), der wiederum dem Weltverband angeschlossen sei, sagt Spiller. Nur Züchter, die sich diesem strengen Reglement unterwerfen, dürfen ihre Hunde präsentieren. Reich wird man mit der Zucht von Terriern nicht, rechnet Spiller vor: "Hundesteuer, Futter, Tierarztkosten undältere Hunde, die nicht mehr für die Zucht gebraucht werden, aber natürlich weiterhin ihr Gnadenbrot erhalten" - es läppert sich zusammen, was an Kosten unter dem berühmten Strich zusammenkommt. Und mehr als 1000 Euro für einen Welpen kann auch Cairn-Terrierzüchter Spiller nicht nehmen. Wennes gutgeht, dann ist die Zucht ein Nullsummenspiel. Auch Ines Wies hat ihre beiden Hunde bewerten lassen, "Tara" - benannt nach jenem irischen Landstreifen, aus dem Scarletts Vorfahren einst in den Süden der US verweht wurden - und "Lilly" haben den Richtern gefallen, beide belegten in ihren Kategorien jeweils den zweiten Platz. Stur mögen sie wohl sein, aber sie wissen eben auch, wann sie sich gut zu benehmen haben.

Klassiker: Yorkshire Terrier.
  • Klassiker: Yorkshire Terrier.
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare