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Aus Sorge um die Schulsituation schickt die Stadt Holzminden einen Offenen Brief nach Hannover

„Wir sind leider nicht zuständig fürs Campe“

Holzminden (bs). „Natürlich wissen wir, dass wir nicht zuständig sind“, beginnt Holzmindens Bürgermeister Jürgen Daul das Gespräch in der Redaktion. Aber „weil das schulische Angebot eine wichtige Säule für die Stadt ist, weil sich alles, was wir in der schulischen Versorgung versäumen, sich negativ auf den Lebensweg der Schüler auswirkt“, beschreitet Daul ungewöhnliche Wege: In einem Offenen Brief richtet sich Holzmindens Bürgermeister an die Kultusministerin Elisabeht Heister-Neumann und bittet sie, „noch in diesem Schuljahr eine deutliche Verbesserung der Lehrerversorgung am Campe-Gymnasium herbeizuführen“.

veröffentlicht am 01.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 22:21 Uhr

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Doch das allein reicht dem Bürgermeister der Stadt Holzminden noch nicht: Er fordert vom Landkreis Holzminden auch schnellstmöglich Verbesserungen bei der räumlichen Situation und erteilt den Überlegungen, eine Außenstelle des Gymnasiums einzurichten, eine klare Absage. Ein zweites Gymnasium im Landkreis schwäche den Schulstandort Holzminden.

Die Landesschulbehörde ist für die Lehrerversorgung verantwortlich, der Landkreis Holzminden als Schulträger für die Gebäude – das schickt Daul, der gemeinsam mit Schuldezernentin Margrit Behrens-Globisch Stellung bezieht, voraus. „Wir sind leider nicht zuständig, wären aber glücklich, wenn wir da mehr Kompetenz hätten“, fügt Daul hinzu. Auf seinem Schreibtisch sind in den vergangenen Tagen ebenfalls viele Protestnoten empörter Eltern gelandet. Zu große Klassen, zu schmale Stundenpläne kritisieren die Eltern (wir berichteten), fordern schnelle Abhilfe. Daul stellt sich hinter sie: „Es muss sowohl im räumlichen Bereich als auch bei der Lehrerversorgung schnellstmöglich eine Verbesserung erfolgen“, betont er, hat den Offenen Brief deshalb auch an die Landesschulbehörde und an die beiden Minister im Kreis und die Landtagsabgeordneten geschickt. „Ich habe sie um Unterstützung gebeten, weil ich mir sicher bin, dass gerade dieser Kreis aufgrund der örtlichen Kenntnisse weiß, wie schnell und wie dringend gehandelt werden muss.“ Daul: „Die aktuellen Probleme werden nicht so angefasst, wie wir es uns alle wünschen.“ „Die Stadt wünscht sich ein attraktives Gymnasium und das so schnell wie möglich“, so Margrit Behrens-Globisch. „Der richtige Weg wäre, gerade in Fach-Unterrichtsräume massiv zu investieren.“ Dann wäre das Campe auch für Lehrer attraktiver. „Wir sind in einer prekären Notsituation“, betont Daul, der sofortiges Handeln fordert. Zeithorizonte für die konzeptionelle Planung, die weit über ein Jahr hinausgehen, seien keine Lösung.

Keine Lösung ist für Daul und Behrens-Globisch die im jetzt zur Beratung anstehenden Schulentwicklungsplan angedachte Einrichtung einer zweiten gymnasialen Oberstufe im Landkreis Holzminden. Die schwäche das Campe-Gymnasium Holzminden, gefährde den Standort. „Wir müssen uns nach den Ansprüchen der Schüler richten“, erläutert Daul, „und die wollen ein adäquates Angebot, um für ihren weiteren Lebensweg ein solides Rüstzeug zu erlangen“. Deshalb seien Eltern bereit, ihre Kinder auch auf den weiten Weg zum Beispiel nach Dassel zu schicken. „Die fahren ohne weiteres 40, 50 Kilometer am Tag“, sagt Daul. Es gelte, das schulische Angebot qualitativ auszubauen, nicht aber die Wege zu verkürzen. „Qualitätssteigerung bedeutet Ganztagsschule mit einem Komplettangebot“, so Behrens-Globisch, „mit toll ausgestatteten Räumen, die Lehrer anziehen und Eltern begeistern“. Ein zweiter Standort allein werde Eltern nicht davon abhalten, eine attraktive Schule für ihre Kinder zu suchen – auch oder gerade außerhalb des Landkreises Holzminden. In einer offenen Versammlung im Rahmen einer Schulausschusssitzung sollen am Mittwoch, 10. März, um 18 Uhr im Stadthaussaal die Probleme im Campe-Gymnasium angesprochen werden. Eingeladen sind die Schuldezernentin des Kreises, Anja Krause, und Kreisschulamtsleiter Hermann Schütte. Sie haben bereits zugesagt. Keine Zusage gibt es zurzeit vonseiten der Landesschulbehörde.

Schuldezernentin Margrit Behrens-Globisch und Holzmindens Bürgermeister Jürgen Daul sind besorgt um die schulische Situation in der Stadt. Daher haben sie einen Brief an die Kultusministerin Elisabeht Heister-Neumann geschickt.

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