weather-image
14°
Vortrag von Oberst Roland Kaestner zum Thema Energiepolitik

"Wir sind in hohem Maße von den Rohstoffländern einseitig abhängig"

Bückeburg / Minden. Es war eine anspruchsvolle, aber höchst informative "Vorlesung" über den Zusammenhang von Energiepolitik und Sicherheitspolitik, die Oberst i.G. Roland Kaestner den mehr als 100 Zuhörern der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik im Hotel "Bad Minden" in Minden bot. Dabei stand die Sicherheit der globalen Ressourcen-Versorgung als zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts im Vordergrund.

veröffentlicht am 02.03.2007 um 00:00 Uhr

Sektionsleiter Klaus Suchland (v.re.) mit dem Referenten Roland

Der Dozent für Strategie an der Führungsakademie der Bundeswehr stellte klar, dass die Verfügbarkeit der Rohstoffe, regional ungleich verteilt, die entscheidende Rolle für die Sicherung unseres Wohlstandes sei. Die Bundesrepublik decke derzeit 90 Prozent des Ölbedarfs, über 80 Prozent des Gasbedarfs und sogar über 60 Prozent der benötigten Kohle durch Import. Auch die übrigen G8-Staaten mit Ausnahme Russlands seien erheblich vom Rohstoffimport abhängig. Mit dem steigenden Wohlstand und der Zunahme der Bevölkerung in der Welt entwickelten neue Akteure, allen voran China und Indien, großen Bedarf, der mit zunehmender Verknappung der Rohstoffe den Preis nach oben drücke. Nach Expertenprognosen werden dieÖl- und Gasvorräte in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts zu Ende gehen. Falls nicht bald ein Ersatz für beide Energiequellen gefunden werde, sei mit einem dramatischen Anstieg der Ausgaben für Energie zu rechnen: "Die ärmere Länder könnten sich dann überhaupt nichts mehr leisten, Kriege um die Restressourcen sind dann nicht mehr auszuschließen." Immer stärker bilden sich Abhängigkeiten zwischen Rohstoffimport- und -exportnationen heraus, seit 1972 die Öl-Import-Abhängigkeit zu politischen Zwecken missbraucht worden sei. Zirka 70 Prozent derÖlreserven der Welt befinden sich im Nahen und Mittleren Osten, einer höchst instabilen Region, die ihre eigenen Probleme bei den heutigen politischen Systemen und Machtverhältnissen nicht lösen könnte und Europa mit den Themen Migration und Energiesicherheit ständig herausfordern werde. Fazit dieser bedrückenden Analyse: "Wir sind in hohem Maße von Rohstoffländern einseitig abhängig, die selbst instabil sind und keine Gewähr für Verlässlichkeit abgeben." Lösungen seien vorstellbar, indem man die Abhängigkeit vom Öl durch die Entwicklung neuer Techniken wie Wasserstoffantriebe mindere, eine stärkere Diversifizierung der Bezugsquellen anstrebe, Randzonen Europas insbesondere den afro-asiatischen Krisenbogen stabilisiere und verstärkt auf erneuerbare Energie setze und sie fördere. Europa und Deutschland befänden sich in einem tief greifenden Systemwandel, von dem auch und zunehmend die Energiepolitik betroffen sei. Sie bestimme künftig die Sicherheitspolitik mit. Wie sagt ein chinesisches. Sprichwort: "Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen! Wir tun gut daran, darüber nachzudenken."



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare