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Evangelische Freikirche Ecclesia stellt ihren Glaubensweg vor

"Wir sind doch in erster Linie eine Gemeinde der Arbeiter!"

Rinteln (cok). Wäre Bischoff Wilhelm Henke Ende der 1950-er Jahre nicht so streng gewesen, dann gäbe die Evangelische Freikirche Ecclesia wahrscheinlich gar nicht. Henke wollte es nicht dulden, dass Lutheraner plötzlich nicht nur laut beteten, eigene "Hauskreise" bildeten und öffentlich ihren Glauben bekannten, sondern auch Kranke gesund beteten und sich als Erwachsene neu taufen ließen. Unter diesem Druck entstand die neue Glaubensgemeinschaft.

veröffentlicht am 07.10.2006 um 00:00 Uhr

Erwin Polzin

Die Erwachsenentaufe aber, die ja auch die Baptisten kennen, musste sein, geht es der Ecclesia (den "Herausgerufenen") doch vor allem um die Entdeckung einer sehr persönlichen Beziehung zu Gott und einer bewussten Entscheidung dafür, sein bisheriges Leben zu ändern. "Wir sind eine sehr junge Gemeinde, noch mitten im Findungsprozess", erklärte Andreas Niehus, 43-jähriger Gemeindeleiter in Stadthagen, der zusammen mit seinem Glaubensbruder Erwin Polzin Entstehunggeschichte und Bekenntnishintergrund vor etwa 20 Zuhörern erläuterte. 100 Mitglieder hat die Ecclesia in Stadthagen, etwa 40 vergleichbare Gemeinden gibt es in Deutschland, sie sind locker in einem Bundesverband zusammengeschlossen und sie gehören zum Bund der freien Pfingstgemeinden. Ihr Gründer Hermann Zais entstammte dem schwäbischen Pietismus, ein gemütlich aussehender, gleichwohl charismatischer Mann mit Schnurrbart, der in der Nachkriegszeit als Evangelist durch Deutschland reiste und ganze Gaststättensäle mit Zuhörern füllte, die sich privat in den "Hauskreisen" trafen. In den 1960-er Jahren führte auch die Stadthäger Gemeinde eine diese wunderbaren Teestuben, ein Ort mit Hippieflair, an dem ernsthaft über Gott und die Welt gesprochen wurde. Nicht wenige Schüler und junge Leute interessierten sich für einen Glaubensweg, der das Individuum wichtig nimmt, Glaubensfreiheit und Engagement stärkt - wie bei Andreas Niehus, der Sozialarbeiter und Psychologe in der Jugendarbeit ist. Ein "soziale Auftrag" besteht nämlich unter anderem darin, die eigenen "Gnadengaben" zu entdecken und für andere Menschen einzusetzen. Zu den "Gnadengaben", die der Apostel Paulus aufzählt, gehören zum Beispiel, die Krankenheilung heilen zu können und die Gabe des Dienens, Lehrens oder Tröstens. "Bei uns gibt es nur Laienprediger. Wir sind keine Theologen, wir sind eine Gemeinde der Arbeiter", so Andreas Niehus: "Bei uns hört man Dinge, bei denen Theologen zusammenzucken würden." Zusammenzucken würde auch so manches Kirchenglied, wenn er, wie bei Ecclesia, den biblischen "Zehnten" seines Einkommens abtreten sollte. Beim nächsten Vortrag der Reihe "Confessio - Ich bekenne" am 12. Oktober stellt die Rintelner Stadtmission ihre Gemeinschaft vor.

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