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Rückblick und Ausblick für die Samtgemeinde Nenndorf: Gespräch mit Bürgermeister Bernd Reese

"Wir müssen jeden Euro einzeln umdrehen"

Samtgemeinde Nenndorf. Das neue Jahr ist eine Woche jung. Was brachte 2007 für die Samtgemeinde Nenndorf und was kommt 2008 auf sie zu? Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese sprach mit Roland Weiterer und Martin Voss über die wichtigsten Projekte.

veröffentlicht am 08.01.2008 um 00:00 Uhr

Nenndorfs Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese an seinem Schrei

Welches Ereignis in der Samtgemeinde hat Ihnen 2007 die größte Freude gemacht? Das waren die Einrichtung der Schulbücherei und der beiden Horte. Wir haben damit unter Finanz- und Zeitdruck ein Zeichen gesetzt für die Familienfreundlichkeit in unserer Samtgemeinde. Von den Schulen, aber auch von der CDU-geführten Ratsgruppe mussten Sie sich aber auch anhören, nicht alle im Haushalt festgelegten Arbeiten erledigt zu haben. Warum war das so? Nehmen wir die Berlinschule. Die ist in die Jahre gekommen. Das hatte die frühere Ratsmehrheit aber immer aufgeschoben und sich der Aufgabe nicht gestellt. Hier bestand Handlungsbedarf. Bei so einem Altbau kommt immer etwas dazu, zudem gelten heute höhere Sicherheitsbedingungen als früher. Allerdings ist das Gebäude im Zuge der Brandschutzarbeiten auch netter und freundlicher geworden. Aber Sie haben nicht alles umgesetzt. Woran lag das? 2007 hat gezeigt, dass auch nicht alles zu schaffen ist, was sich die Politik wünscht. Sie möchte möglichst viel gestalten. Ende des Jahres beißen sich manche an einem unerledigten Punkt fest und übersehen, was wir an großen Maßnahmen erledigt haben. Außerdem galt bei uns lange bei den Schulen und Gebäuden die Maxime, dass nur das gemacht wird, was unumgänglich ist.Das ist jetzt nicht mehr der Fall. In den Schulen spielt auch der Repräsentationsgedanke zunehmend eine wichtige Rolle. Das erste komplette Jahr als Samtgemeindebürgermeister und Bad Nenndorfer Stadtdirektor liegt nun hinter ihnen. Welche Note würden Sie sich als ehemaliger Lehrer denn geben? Das kann ich wohl nur schwer selber machen. Es war ein sehr arbeitsreiches Jahr, das auch sehr viel zeitlichen Einsatz gefordert hat. Wenn ich nur an die Debatte um das Feuerwehrauto für Waltringhausen denke oder die Planung zum Hellweg-Baumarkt. Da hatten wir an einem Abend vier Sitzungen hintereinander. Das brauche ich nicht jedes Jahr. Was hatten Sie denn erwartet bei der Amtsübernahme im November 2006? Mit dieser Intensität habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Schließlich hatte ich auch noch eine Fußoperation zu bewältigen. Mir fehlte bisher sogar die Zeit, für mich eine erste Bilanz zu ziehen. Langeweile kommt jedenfalls nicht auf, auch 2008 gibt es Aufgaben in Hülle und Fülle. Eine besteht darin, die Finanzen in den Griff zu bekommen. Wie wollen Sie verhindern, dass der Schuldenberg weiter wächst? Die Situation ist erkannt, die Ratsmitglieder haben das Problem im Blick. Bei den Personalkosten steht uns eine Lohnerhöhung ins Haus. Es gibt Bereiche wie die Kindergärten, die lassen sich nicht kostendeckend führen. Wir sind eine wachsende Samtgemeinde. Und die Politik will bei der Erziehung keine Sparmodelle, sondern setzt auf Qualität. Das Defizit bei den Friedhofsgebühren wollen wir abbauen, da müssen wir an einer neuen Satzung arbeiten, denn die Bestattungsentscheidungen haben sich auch bei uns in der Samtgemeinde geändert. Das klingt nicht danach, dass irgendwo gespart werden kann. Wie sieht es bei den Einnahmen aus? Die Mitgliedsgemeinden stehen gut da. Von den zusätzlichen Steuereinnahmen durch die gute Konjunktur hat die Samtgemeinde aber kaum etwas. Wir können bei den Einnahmen auch wenig machen, eine Erhöhung der Umlage hatten wir erst dieses Jahr. Dennoch muss es uns gelingen, dass die Schulden uns nicht die Luft abschnüren. Ich bin da aber guten Mutes, weil ich denke, dass die großen Investitionen in die Schulen und den Feuerschutz nach und nach erledigt sind. Beim Abwasser ist die Grundlage für einen Eigenbetrieb gelegt. In den Schulen führen wir zum 1. Januar 2009 die Budgetierung ein - ein Erfolgsmodell in Schaumburg. Überlegungen zur Energieoptimierung werden wir im Laufe des Jahres in die Gremien einbringen. Die Devise für 2008 und darüber hinaus wird weiter heißen: Wir müssen jeden Euro umdrehen und Ausgaben und Folgekosten gut überlegen. Wie viel Spielraum bleibt denn da, umüberhaupt noch etwas zu gestalten? Wir werden trotz der knappen Kassen einen Hilfsfonds für einkommensschwache Familien in den Schulen einrichten. In kleinerer Form ist das für unsere Kindergärten auch vorgesehen, damit dort alle Kinder beispielsweise am Frühstück und gemeinsamen Ausflügen teilnehmen können. Das ist meines Wissens bisher einmalig in Schaumburg. Ferner müssen wir unser Krippenangebot erweitern. Wie alle Kommunen in Schaumburg beteiligen wir uns am "Leader"-Projekt, damit unsere Mitgliedsgemeinden Haste, Hohnhorst, Suthfeld und die Stadt Bad Nenndorf sich in die Förderung einbringen können.

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