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Kreishandwerksmeister Thomas Krömer bilanziert Entwicklung seit Aufhebung der Meisterpflicht

"Wir leben in Schaumburg nicht ganz schlecht"

Landkreis (bus). Mit der teilweisen Aufhebung der Meisterpflicht zum 1. Januar 2004 gingen in der Handwerkerschaft erhebliche Befürchtungen und Proteste einher. "Es gab einige berechtigte Ängste", blickt Thomas Krömer zurück. Allerdings, so räumt der Kreishandwerksmeister ein, sei nicht alles eingetreten, was damals befürchtet worden war. Insbesondere im eher ländlich geprägten Schaumburg habe die Aufhebung weniger Spuren hinterlassen als in Ballungszentren wie beispielsweise Hannover.

veröffentlicht am 22.09.2006 um 00:00 Uhr

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"Wer ein Talent hat, soll auch im Handwerk Unternehmer werden können", lautete seinerzeit die hinter der Reform stehende Absicht der Bundesregierung. "Die Meisterqualifikation muss unbedingt erhalten werden, um dem Handwerk langfristig ein Überleben zu sichern", argumentierte die Gegenseite. Eigentlich hatte die Neugestaltung der Handwerksordnung von 1953 noch fundamentaler ausfallen sollen. Der Vorstoß der rot-grünen Regierung scheiterte am Widerstand der Opposition im Bundesrat - es folgte ein Kompromiss. Für 53 Handwerke - Sattler und Feintäschner, Böttcher und Wachszieher zum Beispiel - entfiel die Nachweispflicht eines Meisterbriefs. In (bis auf sechs Ausnahmen) allen anderen blieb die Meisterprüfung als Regelvoraussetzung für die Ausübung eines Handwerks und für die Berechtigung zur Berufsausbildung erhalten. Ausübungsberechtigungen bekamen im Zuge der so genannten Altgesellenregelung aber auch besonders erfahrene und qualifizierte Gesellen. Diese konnten darüber hinaus die Berechtigung zur Ausbildung von Lehrlingen erwerben. Das bis dahin für Einzelunternehmen und Personengesellschaften geltende Inhaberprinzip wurde aufgegeben. Mit derWirkung, dass der Existenzgründer nicht mehr in eigener Person die handwerksrechtlichen Voraussetzungen zur Führung eines Betriebs benötigt. Krömer vertritt die Auffassung, dass vor allen Dingen Qualität, Service und Zuverlässigkeit gefragt sind, um auf dem freien Markt bestehen zu können. Was naturgemäß mit höheren Kosten einhergehe. "Billig können wir nicht", umschreibt der Kreishandwerksmeister seine Grundeinstellung. Die Reform sei notwendig gewesen, in vielen Bereichen hätten andere Lösungen jedoch mehr bewirkt. "Alles in allem betrachtet leben wir in Schaumburg nicht ganz schlecht", bilanziert Krömer die Entwicklung. Und eingedenk des Standortvorteils werde das Handwerk auch in Zukunft einen sicheren Boden haben. Vor der Reform hatte insbesondere die EU-Kommission mehrfach eineÄnderung der gängigen bundesdeutschen Praxis angemahnt. Im Juli 2006 hat die Monopolkommission ihre Forderung bekräftigt, den Meisterzwang im Handwerk völlig aufzugeben. Auch das Bundesverfassungsgericht stelle dieses Instrument in Frage. Aktion: Sie wollen Handwerksleistungen im Wert von 15 000 Euro sowie weitere wertvolle Sachpreise gewinnen? Die 480 Betriebe der Kreishandwerkerschaft beteiligen sich an der "Meisterrallye 2006". Teilnahmekarten gibt es in jedem Betrieb oder aber bei der Volksbank in Schaumburg.

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