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Wir leben im Tempoland

Für viele Menschen ist der Frühling eine besondere Zeit, denn sie nehmen in dieser Zeit die Natur wie sonst nirgends im Jahreslauf wahr.

veröffentlicht am 14.04.2007 um 00:00 Uhr

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Autor:

Pastor Detlev Brandt

Es gibt viel zu sehen:Überall beginnt es zu grünen und zu blühen. Es gibt viel zu hören: Die Zugvögel kehren aus ihrem Winterquartier zurück und suchen stimmgewaltig nach einem Partner für die nächste Brut. Es gibt viel zu riechen: Millionen von Blüten locken mit herrlichem Duft Insekten zur Bestäubung. Frühlingszeit ist eine Zeit für unsere Sinne. Sie zu gebrauchen tut uns gut, denn nur wer mit den Sinnen lebt, lebt wirklich. In weiten Teilen unseres Alltags kommen unsere Sinne aber leider zu kurz. Wir haben keine Zeit mehr, an einer Blume zu riechen, einem Vogel zuzuhören, uns das Abendbrot ohne "Heute"-Nachrichten auf der Zunge zergehen zu lassen, einen Sonnenuntergang zu genießen, einfach mal zu spielen oder in Ruhe über etwas nachzudenken. Wir leben im Tempo-land. Geschwindigkeit ist das Zauberwort unserer Zeit. Wir glauben, alles erreichen zu können, wenn wir nur beschleunigen. Das gilt für unseren Beruf gleichermaßen wie für unsere Freizeit. Was zuerst tun? Wie viele Aktionen bringe ich in meinem Freizeitpaket namens Wochenende unter? Einkaufen, Wäsche waschen, Rasen mähen, Oma besuchen, Kino, Fitness-Studio, Onkel Willis 60. Geburtstag, zum Hundetraining, Gottesdienst, Kegelabend... Und dann die Informationsflut: Wir müssen heute viel mehr Zeit für verschiedenste Entscheidungen aufwenden als früher: Welcher Stromanbieter liefert mir den günstigsten Strom? Mit welcher Vorwahlnummer kann ich wann am günstigsten telefonieren? Wann muss ich wohin die Versicherung wechseln? Welche Sendung der unzähligen Fernsehprogramme darf ich heute nicht verpassen? Welches Frühbucherangebot für den Urlaub muss ich mir unbedingt sichern? Wir leben im Tempo-land. Wir haben keine Zeit mehr. Und das Groteske ist: Wer keine Zeit hat, wird noch bewundert, denn keine Zeit zu haben, bedeutet: Der hat es geschafft! Der Gott der Bibel lädt uns (nicht nur im Frühling) ein, im wahrsten Sinne des Wortes zur Besinnung zu kommen und uns nicht ständig bis zur Besinnungslosigkeit abzuhetzen. Denn zu leben bedeutet zu erleben. Und genau dazu hat uns Gott mit Sinnen beschenkt. Wenn wir nicht die Zeit in unserem Leben haben, unser Leben mit unseren Sinnen zu erleben, läuft unser Leben mit Sicherheit zu schnell und ist zu sehr mit anderem gefüllt. Dann aber fehlt uns etwas Entscheidendes in unserer von Gott geschenkten Lebenszeit. Lassen wir es nicht so weit kommen oder verändern wir, wenn wir etwas zu ändern haben - und Gott helfe uns dabei. Detlev Brandt ist Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Rinteln (Baptisten)



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