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Enertec-Geschäftsführer Müller verspricht für MVA Hameln hochmoderne Rauchgasreinigungsanlage

"Wir installieren hier die neueste Technik"

Hameln. Die Müllverbrennungsanlage (MVA) Hameln will ihre Kapazität durch den Bau eines vierten Kessels um jährlich 160 000 Tonnen auf 400 000 Tonnen erweitern. Das Genehmigungsverfahren läuft. Seitens des Gewerbeaufsichtsamtes in Hannover ist nicht mit Einwänden zu rechnen. In der Bevölkerung allerdings gibt es Sorgen. Mit Rainer Müller, als Geschäftsführer der Firma Enertec für die MVA verantwortlich, sprach Hans-Joachim Weiß.

veröffentlicht am 27.06.2007 um 00:00 Uhr

Enertec-Geschäftsführer Rainer Müller. Foto: Wal

Herr Müller, die Genehmigung für den vierten Kessel scheint nur noch Formsache zu sein. Wegen der geplanten Filteranlage indes wächst die Zahl der Kritiker auch im politischen Raum. Warum wird in Hameln nicht die neueste Technik installiert? Wir installieren die neueste Technik. Eine hochmoderne fünfstufige Rauchgasreinigungsanlage, die aus den verschiedensten Komponenten besteht und mit der jede Schadstoffgruppe mehrfach angesprochen wird. Diese Anlage geht eindeutig über den Stand der Technik hinaus. Will heißen? Im Vergleich zu den gesetzlichen Anforderungen investieren wir zirka fünf Millionen Euro mehr als notwendig. Sie haben vor dem Ausschuss für erneuerbare Energien, Bau und Umwelt von einer achtstufigen Anlage gesprochen, die in Bielefeld installiert worden sei. Warum diese Technik nicht auch in Hameln? Einfach die Anzahl der Stufen zu addieren und dann auf die Effektivität der Rauchgasreinigung zu schließen, ist eindeutig eine verkürzte Sichtweise. Vielmehr ist der Gesamtprozess aus Feuerung, sprich Verbrennung der Abfälle, und nachgeschalteter Rauchgasreinigungstechnik zu betrachten. Wir optimieren jetzt die Feuerung, damit der Abfall optimal ausbrennen kann.Dadurch entstehen weniger Rauchgase, und somit kann die Auslegung der Filteranlage entsprechend optimiert werden. Entscheidend ist, was letztlich an Emissionen aus dem Schornstein herauskommt. Mit der neuen Anlage werden wir deutlich unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte liegen und auch die heutigen Betriebswerte deutlich unterschreiten. Warum haben Sie dann in Bielefeld eine achtstufige Filteranlage installiert? In Bielefeld und Hameln wurde wie in allen deutschen Müllverbrennungsanlagen in den 90er Jahren die Rauchgasreinigung aufgrund neuer gesetzlicher Regelungen umfassend nachgerüstet. Aufgrund fehlender Betriebserfahrungen und jeweils unterschiedlicher Standortbedingungen hat fast jede Anlage ihr eigenes Konzept umgesetzt. Jetzt sind wir 15 Jahre weiter, haben mit den unterschiedlichen Rauchgasgasreinigungsanlagen entsprechende langjährige Betriebserfahrungen gesammelt und können mit verschiedenen Konzepten hervorragende Emissionswerte vorweisen. Das ist das Entscheidende. Dabei möchte ich betonen, dass wir uns in Hameln bewusst nicht an den gesetzlichen Grenzwerten, wie die Kritiker sagen, orientieren. Wir gehen ganz bewusst über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. Nun fürchten die Kritiker auch Mülltourismus. Wie verbindlich ist Ihre Aussage, den Abfall aus einem Radius von 100 Kilometern um Hameln zu verbrennen? Die Aussage hinsichtlich der Herkunft der Abfälle bezog sich zunächst auf den Status 2006. Seit dem Deponierungsverbot im Jahr 2005 haben wir nahezu ausschließlich Abfälle aus dem regionalen Bereich bezogen. Über 90 Prozent der Abfälle kommen aktuell aus einem Einzugsgebiet von 100 Kilometern. Im Zuge unseres Investitionsvorhabens in Höhe von 73 Millionen Euro haben wir Institute mit Marktanalysen beauftragt. Im Ergebnis wurde für unsere Region ein zusätzlicher Bedarf an Verbrennungskapazität von ca. 400 000 Tonnen jährlich ermittelt. Von daher sind wir sehr zuversichtlich, die zusätzliche Kapazität der vierten Verbrennungslinie mit regionalen Abfällen decken zu können. Es ist natürlich nicht in Form einer verbindlichen Aussage, denn die können wir nicht geben. Also ist doch nicht auszuschließen, dass sich der Radius erweitert? Wir haben unser ureigenstes Interesse daran, die Abfälle möglichst nah um die Anlage zu akquirieren. Ansonsten entstünden unnötige Transportkosten, die uns dann als Kostendeckungsbeiträge fehlten. Holen Sie den Müll ab, oder wird er Ihnen gebracht? Er wird uns gebracht. Wir vereinbaren mit den Lieferanten Preise frei Anlieferung Kraftwerk. Es ist außerdem unbestritten, dass wir in Deutschland nach dem Deponierungsverbot zusätzliche Verbrennungskapazität brauchen. Deshalb sollen ja in Deutschland auch noch weitere Verbrennungsanlagen gebaut werden. Das heißt doch wohl, dass der Müll-Markt enger wird. Natürlich ist es ein ganz normaler Prozess, dass in einer solchen Situation viele Marktteilnehmer diesen Bedarf decken wollen. Langfristig wird sich nach unserer Einschätzung ein ausgeglichener Markt einstellen, bei dem sich die Nachfrage nach Verbrennungskapazität und das Angebot an Verbrennungsanlagen decken. Auch das Müllaufkommen sinkt immer mehr. Wie werden Sie darauf reagieren? Wir gehen davon aus, auch langfristig unsere Kapazität mit Abfällen aus der Region abdecken zu können. Die langfristige Entwicklung hängt natürlich insbesondere von den rechtlichen Rahmenbedingungen ab. Es wird eine der entscheidenden Fragen sein, ob der Gesetzgeber an diesen Rahmenbedingungen festhält und die Deponien für nicht behandelte Abfälle geschlossen bleiben. Darüber hinaus müssen die neuen EU-Beitrittsländer möglichst schnell an deutsche Standards herangeführt werden, damit in Europa kein Umweltdumping entsteht und deutsche Abfälle exportiert werden. Haben Sie Zweifel daran? Zumindest gibt es bedenkliche Entwicklungen. Zurzeit existieren in Deutschland viele Abfall-Zwischenlager. Im Hinblick auf eine umweltgerechte und geordnete Entsorgung müssten diese Mengen schnellstmöglich der Verbrennung zugeführt werden. Und Import wäre genehm? Sofern der Gesetzgeber bei seinen Rahmenbedingungen bleibt, gehen wir davon aus, dass langfristig keine Abfälle importiert werden müssen. Sie haben vor dem Bauausschuss avisiert, ein bedeutender Gewerbesteuerzahler für Hameln zu werden. Bislang soll noch kein Cent geflossen sein, weil Sie investiert haben. Nun investieren Sie wieder. Wann werden diese Gelder fließen? Kein Cent ist nicht ganz richtig, denn wir haben 2006 bereits Gewerbesteuer bezahlt. Wir hoffen, das in den nächsten Jahren kontinuierlich steigern zu können. Außerdem ist mit der Investition ein klares Bekenntnis zum Standort Hameln verbunden.



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