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240 ehemalige Groß Wartenberger beim 27. Heimatkreistreffen am Wochenende in Rinteln

"Wir hören erst auf, wenn keiner mehr da ist"

Rinteln (mav). Menschen mit dem gleichen Schicksal treffen und sich gemeinsam an die Vergangenheit erinnern - diese Idee hat am Wochenende im Vordergrund des 27. Heimattreffens des Kreises Groß Wartenberg (Schlesien) gestanden.

veröffentlicht am 24.09.2008 um 00:00 Uhr

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1956 hat das erste Treffen stattgefunden. Seitdem versammeln sich die gebürtigen Schlesier jedes zweite Jahr und verbringen gemeinsam ein Wochenende in Rinteln. Der Höhepunkt ist traditionell der Gottesdienst am Sonntagmorgen gewesen. Verschiedene Ansprachen am Nachmittag bildeten den Abschluss des Heimatkreistreffens. Immer wieder war ein zustimmendes Nicken bei den Teilnehmern zu sehen, als Hauptorganisator Ernst-Johann Prinz Biron von Curland in seiner Abschlussrede seine Eindrücke von der Vertreibung im Zweiten Weltkrieg aus Schlesien schilderte. Kontakt zu seiner Heimatstadt hält er, wie viele der anderen Gäste, auch heute noch durch regelmäßige Besuche. In Groß Wartenberg hat Ernst-Johann Prinz Biron von Curland sogar die Ehrenbürgerwürde verliehen bekommen: "Diese Anerkennung haben aber eigentlich alle Vertriebenen verdient, die unsere Heimatstadt noch oft besuchen. Ich fühle mich nur als Repräsentant." Rund 240 ehemalige Groß Wartenberger sind dieses Jahr aus ganz Deutschland zum Heimatkreistreffen nach Rinteln gekommen. Zudem haben auch einige polnische Bekannte aus Groß Wartenberg nicht den langen Weg gescheut. "Früher waren wir insgesamt mal 2500 Teilnehmer, aber von Jahr zu Jahr werden es aufgrund des Alters weniger", erzählt Ernst-Johann Prinz Biron von Curland. Dennoch, ein Ende der Treffen sei nicht in Sicht. Zwar habe Wilfried von Korn nach seinem 80. Geburtstag nicht mehr die Treffen leiten wollen, so dass vor vier Jahren um die Zukunft der Heimatkreistreffen gebangt wurde. Die Stadt Rinteln hat jedoch finanzielle und organisatorische Unterstützung angeboten, um weitere Versammlungen zu ermöglichen. "Es wäre zu schade gewesen, wenn die Zusammenkünfte weggefallen wären. Deshalb habe ich mich entschieden, Wilfried von Korn abzulösen", erläuterte Ernst-Johann Prinz Biron von Curland, "wir danken der Stadt Rinteln wirklich sehr für die Mithilfe!" Der 85-jährige Arno Kirschke, der als Ältester auf dem Treffen geehrt wurde, bestätigt die optimistische Perspektive: "Aufhören werden unsere Heimattreffen erst, wenn keiner von uns mehr da ist."

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