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Klassentreffen nach 52 Jahren:Über ein halbes Jahrhundert nicht gesehen - und doch wiedererkannt

"Wir hatten Respekt und Achtung vor Lehrern"

Kathrinhagen/Rohdental (gs). "Weißt du noch, wie Du mich immer beschützt hast, wenn der Wolfgang mich mit Schnee waschen wollte?", fragt Ursula Daseler ihren ehemaligen Schulkameraden Ulrich Klabunde bei dem ersten Klassentreffen der Schulabgänger der Volksschule Kathrinhagen, das sie selbst organisiert hat.

veröffentlicht am 27.09.2006 um 00:00 Uhr

Ursula Daseler

16 von 21 Schülern der damaligen achten Klasse haben sich jetzt in der Weinschänke Rohdental zusammengefunden, um nicht nur von ihrem Leben zu erzählen, sondern auch um alte Schulerinnerungen wieder wach zu rufen. Den weitesten Weg in die alte Heimat hatte Anni Herrmann aus Friedrichshafen am Bodensee. Die meisten wohnen in der Umgebung von Rinteln, doch hatte man sich auch hier mehr oder weniger aus den Augen verloren. Die Schulzeit war in guter Erinnerung geblieben: "Angst vor der Schule hatten wir alle nicht, aber Respekt und Achtung vor den Lehrern, im Gegensatz zu heute", stellte Lieselotte Leder fest, die mit ihrem Bruder Friedel Wichmann in eine Klasse ging. "Unser Lehrer Klewer kam aus Ostpreußen, und wenn die Klasse zu laut wurde, schlug er mit seinem Rohrstock mitten auf den Tisch und donnerte ,Ihr Hannaken und Biskreten!', wobei ich bis heute noch nicht weiß, was das heißt", erzählte Ursula Daseler lachend. Bei Kaffee und Kuchen schwärmte man von den Klassenfahrten. Da wurde unter anderem mit dem Fahrrad nach Bodenwerder gefahren, von dort mit dem Schiff nach Holzminden und dann wurde zu Fuß zum Köterberg marschiert. Übernachtet wurde in zwei Scheunen, eine für die Mädchen, eine für die Jungen, die natürlich nachts als"Geister" das weibliche Geschlecht erschrecken wollten. Das winterliche Schlittschuhlaufen auf den zugefrorenen Teichen auf der Aue war ebenso noch in guter Erinnerung wie das Kartoffelkäfersammeln mit dem "Käferfritz", einem Dorfbewohner, der als Aufpasser für die Schülerhorde mit dabei war. Ebenso erinnerte man sich, dass Fahrräder noch eine Rarität waren, und man neidisch auf die Mädchen blickte, die bei Wolfgang vorne auf der Fahrradstange eine Runde mitfahren durften. Besonderen Spaß bereiteten auch immer die Montage nach dem Erntefest. Da wurden die Schülerinnen aus der Schule geholt, um nochmals mit der Erntekrone durchs Dorf zu ziehen. Und während das weibliche Geschlecht noch den Erinnerungen an die Handarbeitsstunden nachhingen, unterhielten sich die Jungs über die Völkerballspiele."Leider konnte der Rainer nicht ausfindig gemacht werden", bedauerte Rosemarie Groppe, "der hat mir nämlich damals einKüsschen gegeben!" Obwohlüber ein halbes Jahrhundert vergangen war, so hatte die Schulzeit mit ihren Erinnerungen doch so verbunden, dass die ehemalige achte Klasse von Beginn an mehr wie ein altbekannter, wöchentlich treffender Kegelclub anmutete. Bis auf ganz wenige haben sich alle spontan wieder erkannt. Das nächste Treffen, da waren sich dann natürlich alle einig, das dürfe aber nicht mehr zweiundfünfzig Jahre lang auf sich warten lassen.

Die Klasse aus Kathrinhagen heute...
  • Die Klasse aus Kathrinhagen heute...
...und einst vor der Schule in Kathrinhagen. Fotos/Repro: gs
  • ...und einst vor der Schule in Kathrinhagen. Fotos/Repro: gs

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