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Ökumenische Vortragsreihe "Confessio": Diesmal stellen sich die Methodisten vor / Aufgeschlossene Grundhaltung

"Wir hätten uns auch Bibelmotten nennen können"

Rinteln (cok). Was unterscheidet eigentlich die verschiedenen christlichen Gemeinden im Landkreis? Woran genau glauben "die anderen"? Wie sind die Unterschiede entstanden? So in etwa ließen sich die Fragen formulieren, die in Rinteln hinter der Vortragsreihe "Confessio - ich bekenne" stehen. Nacheinander stellen sich in dieser von der baptistischen Gemeinde initiierten Reihe alle elf Kirchengemeinden und Glaubensgemeinschaften des Landkreis Schaumburg vor. Diesmal zu Gast: Pastorin Nicole Bernardy von der evangelisch-methodistischen Gemeinde in Lage.

veröffentlicht am 30.10.2006 um 00:00 Uhr

Nicole Bernardy

Dass Nicole Bernardy zunächst zu den Baptisten gehörte, dann bei den "Entschiedenen Christen" mitarbeitete, ursprünglich aber aus der reformierten Kirche in Ostfriesland kam und schließlich eine Stelle bei den Lutheranern innehatte, bevor sie in Lage evangelisch-methodistische Pastorin wurde, passt gut zur aufgeschlossenen Grundhaltung der Methodisten: "Es gibt nicht die eine ?wahre' Kirche!", erklärte sie. "Zur wahren Kirche gehören alle wahrhaft Glaubenden auf dieser Erde." Die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) istübrigens mit ihren 70 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte Kirche der Welt, und doch wissen zumindest in Deutschland die meisten Menschen nicht, was hinter dem Ausdruck "Methodisten" eigentlich steckt. Er leitet sich tatsächlich von dem Wort "Methode" ab und war die spöttisch gemeinte Bezeichnung für eine Gruppe junger anglikanischer Oxford-Studenten, die um 1730 im intensiven geregelten Bibelstudium eine neue Methode festmachten, sich dem Glauben zu nähern. "Wir hätten uns auch ?Bibelmotten' nennen können", meint die Pastorin scherzhaft. Das nämlich ebenfalls war ein Spitzname, mit dem die Studenten zunächst noch verulkt wurden. Schnell aber machte die ursprüngliche Gruppe um die Kirchengründer John und Charles Wesley großen Eindruck durch ihr ausgeprägtes soziales Engagement. Sie kümmerten sich um Strafgefangene, Arme, Kranke und überhaupt um gesellschaftlich benachteiligte Gruppen, die von der anglikanischen Kirche bis dahin vernachlässigt worden waren. Die frühen Methodisten zogen als Wanderprediger durch ganz England, später wurde die Mission auf Amerika ausgeweitet und eroberte nach und nach die Kontinente. So ist auch das "Soziale Bekenntnis" der Methodisten etwas durchaus Besonderes: "Wir stehen ein für das Recht und die Pflicht aller Menschen, zum Wohl des Einzelnen und der Gemeinschaft beizutragen", heißt es darin. Weiter: "Wir verpflichten uns zur Mitarbeit am weltweiten Frieden und treten ein für Recht und Gerechtigkeit unter den Nationen." Und: "Wir sind bereit, mit den Benachteiligten unsere Lebensmöglichkeiten zu teilen." Auch die Heilsarmee übrigens entstand im methodistischen Kontext. In Deutschland hat die EmK etwa 64.000 Mitglieder, die Gemeinde in Lage besteht aus 83 Mitgliedern und noch etwa 70 Nahestehenden, die sich noch nicht endgültig zu einem Übertritt entschieden haben. Wer dazugehören will, wird nicht noch einmal getauft, aber er bekennt in einem Gottesdienst öffentlich seine persönliche Umkehr und trägt dann mit einem monatlichen Beitrag zum Gemeindeleben und der Bezahlung der Pastoren bei, ein Beitrag, dessen angemessene Höhe im Ernstfall auch mal entschieden eingefordert wird. Dabei ist die EmK eine "Laienkirche". In den Konferenzen, zu denen auch die jährlichen internationalen Treffen gehören, muss auf jeden Pastoren ein theologischer Laie kommen. Die Zusammenarbeit mit anderen Glaubensgemeinschaften wird groß geschrieben. In Lage zum Beispiel waren es die Methodisten, die erstmals ein ökumenisches Gespräch initiierten. "Für uns ist typisch das wir sagen: Es ist schön, dass es uns gibt, aber wir sehen uns um", so Nicole Bernardy. "Wir wollen nicht gegeneinander, sondern unbedingt miteinander arbeiten." Am Donnerstag, 9. November, stellt sich die "Gemeinschaft des Siebenten-Tages-Adventisten" aus Bad Oeynhausen im Gemeindesaal der baptistischen Kirche vor.

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