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Zwölf Drittklässler werden zu Streitschlichtern ausgebildet / Giraffensprache für besseres Verständnis

"Wir haben schon einen Streit geschlichtet"

Rehren (la). "Wir haben schon einen Streit geschlichtet", berichten Alessa Juppe (9) und Marvin Schulz (9) und erzählen davon. "Auf dem Schulhof haben sich zwei Mädchen getreten und gehauen und immer nur durcheinander geredet. Da sind wir dann hingegangen und haben mit ihnen gesprochen." Die beiden "Streitschlichter" haben die Mädchen beruhigt und sie gefragt, was sie an der anderen stört und ob sie die Streiterei nicht lassen können. Das Gespräch zeigte Wirkung! "Die beiden haben sich entschuldigt und spielen jetzt sogar miteinander", verkünden Alessa und Marvin stolz.

veröffentlicht am 11.05.2007 um 00:00 Uhr

Zwölf Drittklässler lassen sich von Susanne Ewald (l.) und Kathr

Das ist der erste Erfolg des Streitschlichterprojekts, das derzeit erstmals an der Grundschule Auetal organisiert wird. Die Lehrerinnen Susanne Ewald und Kathrin Ebert haben bei einem Trainer für gewaltfreie Kommunikation eine Fortbildung zum Thema "Streitschlichterausbildung" absolviert und danach an der Grundschule Auetal eine AG mit zwölf Kindern der dritten Klassen gebildet. "Die Kinder haben sich freiwillig gemeldet und wurden von uns dann ausgewählt", erläutert Ewald. Da die AG im zweiten Schulhalbjahr nur 17 Stunden läuft, die Ausbildung aber 25 Stunden umfasst, mussten die Kinder die Bereitschaft zeigen, sich zusätzlich zum normalen Unterricht zu engagieren. An einigen Nachmittagen finden daher jetzt Zusatzstunden der AG statt. Am Ende des Schuljahres müssen die Streitschlichter eine Prüfung bestehen und können dann im neuen Schuljahr als Streitschlichter eingesetzt werden. Erkennbar werden sie für die anderen Schüler durch Schlüsselbänder mit ihrem Namen sowie Fotos sein, die in den Klassen aufgehängt werden. "Ich will anderen Kindern helfen, Streit zu vermeiden. Dazu müssen wir hier viel lernen. Aber es macht Spaß und wird uns gelingen", sagte die neunjährige Chantal Hawra. "Ich streite oft mit meiner Schwester. Die provoziert mich immer. Hier habe ich schon viel gelernt, was mir auch zu Hause hilft, denn streiten ist eigentlich blöd", erzählt der elfjährige Dennis Pollmer. Bei der Streitschlichtung helfen den Kindern viele kleine wertvolle Tipps, die ihnen ihre Lehrerinnen jetzt verraten. Außerdem wird die "Giraffensprache" vertieft - eine Methode, die der international bekannte Psychologe und Friedensstifter Dr. Marshall Rosenberg vor 30 Jahren entwickelt hat, um gewaltfreies Zuhören und Reden zu fördern. Schon seit einem Jahr wird allen Grundschülern im Auetal die "Giraffensprache" von einer Mediatorin vermittelt. "Die Giraffensprache ist geprägt von Ehrlichkeit und vom Bemühen um einen achtsamen Umgang miteinander", erklärt Susanne Ewald. Das Miteinanderreden steht auch im Vordergrund der Streitschlichterausbildung. Mit Hilfe eines Gesprächssteins, den die Kinder mit einem Giraffenmuster bemalt haben, sollen geordnete Gespräche zwischen Streitenden geführt werden. "Nur wer den Stein hat, darf reden", erklärt Chantal. Außerdem soll in der Schule ein Raum für die Streitschlichter eingerichtet werden, in den sie sich mit Streitenden zu einem Gespräch zurückziehen können. "Natürlich werden kleine Streitigkeiten sofort auf dem Schulhof geklärt, aber für größere Probleme ist ein ruhiger Ort schon besser", sagt Susanne Ewald. Zwar seiübermäßige Gewalt an der Grundschule Auetal zurzeit kein Thema, aber mit dem Projekt sollen schon kleine und aufkommende Streitereien verhindert und die Atmosphäre an der Schule noch verbessert werden. "Außerdem lernen die Kinder etwas für die Zukunft", meint Ewald.



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