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Besucher hören beim Anti-Gewalt-Gottesdienst in der Jetenburger Kirche deutliche Formulierungen

„Wir haben Angst“ – Bückeburg ist kein Idyll

Bückeburg (bus). Die Einladung der Landeskirche zu einem am Sonntagabend in der Jetenburger Kirche gefeierten Gottesdienst, dessen Thema „Gewaltfrei leben…“ aktuelle Bückeburger Ereignisse im Zusammenhang mit extremistischen Vorkommnissen aufgriff, ist auf außerordentlich große Resonanz gestoßen. „So voll ist es hier sonst nur Weihnachten“, verdeutlichte Pastor Dr. Wieland Kastning. Der Geistliche schilderte mit eindringlichen und deutlichen Formulierungen seine Eindrücke der gegenwärtigen in der Ex-Residenz herrschenden Situation. Die Stadt sei kein Idyll. „Wir sind besorgt, erschüttert und wir haben Angst.“

veröffentlicht am 02.10.2012 um 15:26 Uhr
aktualisiert am 27.11.2012 um 11:33 Uhr

„Wir sind wütend und ohnmächtig. Wir wünschen uns eine Welt, in der wir friedlich zusammenleben können. Wir wollen keine Opfer von physischer und psychischer Gewalt“, sagte Kastning, der in einem Gebet Gott darum bat: „Lass nicht zu, dass Menschen sich zügellos von ihren Vorurteilen, von Neid, Hass und Aggressionen leiten lassen und Gewalt gegen andere üben.“ Der Pastor appellierte an die Anwesenden: „Lassen Sie uns gemeinsam ein Zeichen setzten. Lasst uns für eine wehrhafte Demokratie, für eine dialogfähige Demokratie, für ein Gemeinwesen arbeiten, in dem jede und jeder leben kann.“

Stefan Specht (Pfadfinder), Werner Steding (Leiter des Polizeikommissariats Bückeburg) und Renate Schneider (Initiative „Alle unter einem Dach“) schilderten in kurzen Stellungnahmen ihre Sicht der Dinge. „Es macht mich besonders betroffen, dass sich in einer Stadt wie Bückeburg Mitbürger aufgrund von Drohungen oder aktiver Gewaltanwendung nachts nicht mehr sicherungsfrei bewegen können“, gab Specht „als Beobachter, Betroffener und aktiver Pfadfinder“ zu verstehen. Er wünsche sich, „dass alle Bürger diese Dinge wahrnehmen und, egal ob sie direkt betroffen sind oder nicht, Verantwortung übernehmen, sie zu ändern“.

Steding, der ausdrücklich auch „als evangelischer Christ“ Stellung bezog, sagte: „In der gegenwärtigen Auseinandersetzung haben in Bückeburg sicherlich viele Menschen Angst, Opfer von Gewalt zu werden und – momentan insbesondere – Angst, Opfer von rechter Gewalt zu werden.“ Und weiter: „Ich bitte Sie, zeigen Sie diese Vorfälle bei der Polizei an und stellen Sie sich auch als Zeuge zur Verfügung. Vertrauen Sie der Polizei, wir brauchen Ihre Mithilfe, damit die Täter zur Verantwortung gezogen werden können. Engagieren Sie sich gegen Gewalt.“

Renate Schneider stellte das Anliegen der von ihr vertretenen Initiative vor, zum Abbau von Vorbehalten und Ängsten gegenüber Menschen anderer Nationen, Kulturen oder Religionen beizutragen. „Wir möchten, indem wir alle Gruppen zu gemeinsamen Festen und Aktionen einladen, einen Beitrag dazu leisten, mehr Verständnis füreinander aufzubringen.“ Bei den gemeinsamen Unternehmungen komme man ins Gespräch und merke, dass man trotz aller Unterschiede tolerant und gut miteinander auskommen könne. „Positive Erfahrungen und Erlebnisse helfen, Vorurteile und Ängste zu überwinden“, so Schneider

Jan-Peter Hoth, der theologische Referent der Landeskirche, nahm in seiner Predigt Bezug auf den vom Apostel Paulus an die Römer geschriebenen Brief – „… vergeltet anderen Menschen nicht Böses mit Bösem“. Es bedürfe eines Appells, erklärte der Geistliche, man müsse den an Gewalt beteiligten Menschen sagen: „Bleibt friedlich, übt keine Rache, beantwortet Gewalt nicht mit Gewalt.“ „Wir können nur dafür beten, dass die Menschen zu dieser Einsicht kommen.“

Es sei aber auch, führte Hoth als persönliches Beispiel an, darauf zu achten, was man denke und vor allem wie man rede. „Es darf nicht der kleinste Anschein entstehen, als würde die Rechte nur das in die Tat umsetzen, was wir alle denken.“ Was rechte Gruppen an Gedanken verbreiten, sei menschenverachtend und habe selbstverständlich mit einem humanistischen oder christlichen Weltbild nichts zu tun. Grundsätzlich gelte für alle Situationen, in denen Schwächere gefährdet seien: „Da haben wir einzuschreiten.“

Im Anschluss an die Zusammenkunft servierte die Bückeburger Pfadfindergruppe auf dem Vorplatz der Jetenburger Kirche einen kleinen Imbiss und heiße Getränke. Was einen großen Teil der Gottesdienstbesucher dazu bewegte, noch eine Weile zu verharren und weitere Aspekte der Thematik zu erörtern.



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