weather-image
Biogasanlage Hattendorf: Verfahren zur Teillöschung des Landschaftsschutzgebietes wird eingeleitet

"Wir dürfen zwischen Pest und Cholera wählen"

Hattendorf/Landkreis (rnk). Zu einer grundsätzlichen Meinung mochten sich im Umweltausschuss des Kreistages nur zwei Ratsherren durchringen. Manfred Spenner hatte als Auetaler SPD-Ratsherr keine Bedenken gegen eine Teilaufhebung des Landschaftsschutzgebietes "Wesergebirge", um so den formalrechtlichen Weg für den Bau der Biogasanlage zu ebnen, schließlich sei bei den in Frage stehenden 3,9 Hektar keine Bäume und Aue betroffen. Hartwig Dankwerth von den Grünen sah es genau anders herum: Die Verwaltung habe so viele Bedenken in die Beschlussvorlage gepackt, das sich die Frage einer Teilaufhebung gar nicht mehr stellt.

veröffentlicht am 28.06.2007 um 00:00 Uhr

Rapsfelder, Wiesen und alte Obstbaumbestände bestimmen das Lands

In der Tat hat die Kreisverwaltung den Tagesordnungspunkt zu einer generellen Abwägung genutzt. Grundsätzlich werde die Förderung von regenerativen Energien vom Landkreis begrüßt und gefördert (was alle Mitglieder des Ausschusses genau so sahen), aber eine Menge Gründe könnten auch gegen die Teillöschung für die Hattendorfer Biogasanlage sprechen. Die Anlage würde im Landschaftsschutzgebiet unterhalb der Ausläufer des Wesergebirges und des Süntels in einer reich strukturierten, reliefgeprägten Kulturlandschaft liegen. Nach den bisherigen Unterlagen würden die Bauwerke bis zu 14 Meter hoch werden und eine Fläche von bis zu drei Hektar versiegeln. Die Nutzung der Abwärme der Biogas-Anlage über den Eigenbedarf und einer eventuellen Hackschnitzeltrocknung hinaus scheine sowohl bezüglich der Abnahmequelle als auch aus Gründen der Wirtschaftlichkeit fraglich. Denn nach dem Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) sei die Energieversorgung im Kreisökonomisch und ökologisch so zu gestalten, dass die Nutzung der erneuerbaren Energieträger sowie die Energiegewinnung ausgeschöpft werden. In Hattendorf kann aber nicht die gesamte Abwärme genutzt werden. Es würde ein Präzedenzfall geschaffen werden. Möglicherweise müsste der Landkreis künftig in anderen Schutzgebieten auch gewerbliche Anlagen zulassen. Außerdem stehen alternative Standorte in angemessener Entfernung außerhalb des Schutzgebietes zur Verfügung. Soll heißen: In Rehren etwa gibt es ein Gewerbegebiet. Kräftige Unterstützung hatte der Hattendorfer Landwirt von Auetals Bürgermeister Thomas Priemer erhalten, der in einem Schreiben vom 6. Juni dieses Jahres dem Landkreis noch einmal verdeutlicht hatte, dass die Biogasanlage nur noch 1,2 Megawatt haben wird. Die Verringerung von den ursprünglich geplanten 1,5 Megawatt sei erfolgt, um die Anlage ausschließlich aus den Rohstoffen, der Biomasse, der landwirtschaftlichen Flächen des Landwirts und seiner Partner in den Gemarkungen innerhalb der Gemeinde oder unmittelbar an der Peripherie beschicken zu können. Ein Zukauf ist nicht vorgesehen, "insofern ist auf jeden Fall eine standörtliche Gesamtheit der Hofstelle des Betreibers mit den Rohstoffflächen festzustellen", versichert Priemer, der eine Berechung beigefügt hat: 71,79 Prozent der Ackerflächen würden in den Gemarkungen Antendorf und Hattendorf liegen. Es könne zudem nicht davon ausgegangen werden, dass "im Nahbereich der Hofstelle der Charakter eines Gewerbegebietes oder Gewerbebetriebes gegenüber dem des landwirtschaftlichen Betriebes überwiegen würde". Ob die Bauleitplanung, die mit der Landschaftsschutzverordnung nicht vereinbar ist und daher nur realisiert werden kann, wenn das Landschaftsschutzgebiet für den Überschneidungsbereich mit den Flächen für die Biogasanlage vorher aufgehoben wird, vorgestern die größten Klippen umschifft hat, ist noch unklar. Zumindest Herwig Henke (SPD) wollte seine Zustimmung zur Einleitung des Verfahrens zur Teillöschung des Landschaftsschutzgebietes keineswegs als generelles Votum für die Anlage verstanden wissen. Nur im Abwägungsverfahren wären neue Erkenntnisse zu gewinnen. Schließlich rede man hier über eine "relativ große Monokultur". Horst Sassenberg (CDU) dagegen wies erst auf den generellen Strukturwandel in der Landwirtschaft hin, dem es sich zu stellen gelte, außerdem habe es bisher keine Konflikte mit Anwohnern gegeben. Auch Günther Maack aus Rinteln (CDU) sprach sich für die Einleitung aus. Eckard Hülm (SPD) sagte, dass eine Prüfung "ja unschädlich sei". Er sah die Politik im Dilemma: "Wir dürfen zwischen Pest und Cholera wählen."

0000453523-11-gross.jpg


Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt