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Große Aktionswochen gegen politischen Extremismus und Gewalttaten

„Wir dürfen nicht wegschauen, sondern müssen Zivilcourage zeigen“

Bückeburg (kk). Politischer Extremismus, Gewalttaten von rechts und links haben in Bückeburg keinen Platz. Mit groß angelegten Aktionswochen unter dem Motto „Farbe bekennen – für Demokratie in Bückeburg“ soll gegen gesteuert werden. Zahlreiche Gruppen und Institutionen haben unter dem Dach des Bündnisses für Familie eine Reihe von Veranstaltungen vorbereitet: Zum einen soll über Formen, Methoden und Inhalte des politischen Extremismus informiert werden, auf der anderen Seite sind alle aufgefordert, Flagge zu zeigen und klar zu machen: nicht mit uns! „Wir dürfen nicht wegschauen, sondern müssen Zivilcourage zeigen“, machte Bürgermeister Reiner Brombach bei der Vorstellung des Programms deutlich. Stadt und Bündnis reagieren mit den Aktionswochen auf die steigende Zahl politisch motivierter Straftaten. Wie bereits ausführlich berichtet, schwelt ein Konflikt zwischen rechts und links orientierten Jugendlichen in der Stadt. Sie nennen sich selber Autonome Nationalisten und Autonome Antifa und schrecken auch vor Gewalt gegeneinander nicht zurück.

veröffentlicht am 08.11.2011 um 17:08 Uhr
aktualisiert am 27.11.2012 um 11:29 Uhr

Die Polizei schätzt den „harten Kern“ beider Gruppen auf circa 15 Personen. Beim Bündnis geht man von einer deutlich höheren Zahl von Rechtsextremisten aus, darum fokussieren sich die Veranstaltungen der Aktionswochen zunächst auch auf diese Gruppierungen. Brombach: „Es sind eher die rechten Tendenzen, die uns beunruhigen.“ Vorbereitet wurde die Aktionswoche von Arbeitsgemeinschaften, die aus dem Runden Tisch gegen extremistische Gewalt hervorgegangen sind. Der war im Frühjahr eingerichtet worden, als die Zahl ideologisch bedingter Straftaten immer höher wurde, immer mehr politische Parolen geschmiert und „Spuckis“ geklebt wurden. Das Problem wurde nicht zuletzt erst durch unsere Berichterstattung von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen. Bereits Anfang des Jahres hatte die Polizei deutlich gemacht, dass polizeiliche Maßnahmen allein zur Lösung nicht ausreichen, sondern dass ein breiter gesellschaftlicher Konsens erforderlich ist.

Die Aktionswochen sollen kein „Strohfeuer“ bleiben. Darum ist das Programm langfristig angelegt. Auch 2012 wird es eine Reihe von Veranstaltungen gegen. Dazu gehört auch ein „Frühjahrputz“. Stadtspaziergänge werden dann zu Graffitis und Aufklebern, den sogenannten Spuckis, führen. Dabei wird gleich gezeigt, wie damit umzugehen ist: Abkratzen und entfernen! Doch soll auch nach Lösungen gesucht werden, wie es danach weiter geht. Zunächst sind erst einmal eine Reihe von Veranstaltungen vom 9. November bis zum 10. Dezember geplant.

Wie berichtet, wird in dieser Woche das alljährliche Gedenken an die Opfer des Naziterrors deutlich ausgeweitet. Am morgigen Mittwoch, 9. November, wird zunächst um 11.30 Uhr am Gedenkstein hinter dem Stadthaus an die Reichpogromnacht erinnert. Um 17.30 Uhr treffen sich Schülerinnen und Schüler an den Stolpersteinen in der Innenstadt, um mit Passanten ins Gespräch zu kommen und um auf die Auftaktveranstaltung der Aktionswoche um 18 Uhr auf dem Marktplatz aufmerksam zu machen. Hier sind die Bückeburger aufgefordert, Flagge zu zeigen, wenn Bürgermeister Reiner Brombach, Vertreter des Bündnisses und Schülerinnen und Schüler in das Programm der nächsten Tage einführen.

Am Donnerstag, 10. November, werden um 17 Uhr in der Jugendfreizeitstätte die Ausstellungen „Das Versteckspiel“ und „Extremismus heute!?“ eröffnet. Sie beschäftigen sich in anschaulicher Weise mit „Jugendkulturen zwischen Lifestyle, Clique und Partei“. Schwerpunkt sind die sogenannten „rechten Jugendkulturen“ mit ihren Symbolen, Parolen und Agitationsmethoden. An diesem Abend gibt es eine Einführung mit Diskussion. Bis zum 18. November ist die Ausstellung täglich ab 16 Uhr öffentlich zugänglich, vormittags sollen Schülergruppen in Workshops an die Inhalte herangeführt werden.

Ein Workshop befasst sich am Samstag, 12. November, mit Lebenswelten, Lifestyle und Szenecodes von neonazistischen und extrem rechten Gruppen. Hier werden auch Bezüge zu den Bückeburger Autonomen Nationalisten hergestellt. Die Veranstaltung findet von 11 bis 15 Uhr in der Jugendfreizeitstätte statt. Anmeldungen bitte per E-mail an „Dirk.Assel@dgb.de“.

Am Montag, 14. November, heißt es „Aktiv im Netz gegen rechts“. In der Begegnungsstätte geht es ab 18 Uhr um die Bedeutung des Internets für die politische Szene und ihre Agitation und Mitgliederwerbung.

Ein Konzert mit Hardcore, Punk und Rock ist am Freitag, 18. November, um 20 Uhr in der Jugendfreizeitstätte geplant. Unter dem Motto „music for tolerance“ spielen die Bands „Bad Nenndorf Boys“, „Heatstroke“ und „Analoque“.

Strategien gegen den politischen Extremismus sollen am Dienstag, 22. November, um 19 Uhr in der Graf-Wilhelm-Schule diskutiert werden. Gefragt sind dabei besonders lokale Ansätze.

Weitere Themen Ende November und im Dezember: „Exit! – Aussteig aus der rechtsextremen Szene“ (28. November), „Rechtsrock - der Ton macht die Musik!? Wie anfällig sind junge Leute für Rechte Musik?“ (2. Dezember) und „Wie jetzt weiter – was ist zu tun in Bückeburg“ (10. Dezember). Diese Veranstaltungen werden wir zeitnah noch ausführlicher vorstellen.

Den Veranstaltern geht es darum, möglichst viele Menschen zu mobilisieren – und zu informieren. Sie sind zuversichtlich, dass zahlreiche Bückeburger mitmachen und sich informieren – trotz der relativ kurzfristigen Ankündigung der Aktionswoche. Dirk Assel und Stefan Reinecke vom Bündnis verweisen darauf, dass man durch die zahlreichen Beteiligten von Schulen über Kirchen und Gewerkschaften bis hin zu Gruppen und Vereinen gut vernetzt sei. Im offiziellen Veranstaltungskalender der Stadt im Internet waren die Termine allerdings bis gestern Vormittag noch nicht verzeichnet.

Hinweis: Die Schüler des Gymasiums Adolfinum werden am morgigen Mittwoch, 9. November, um 13 Uhr, eine Menschenkette um ihre Schule bilden, um gegen jegliche Form von Rassismus zu demonstrieren.



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