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Statt der Nationalhymne lässt Landrat Tjark Bartels bei der Einbürgerungsfeier Schillers „Ode an die Freude“ spielen

„Wir brauchen Ihre Ideen und Ihre Arbeitskraft“

Hameln-Pyrmont. Zur Einbürgerung der 22 neuen Deutschen aus zwölf verschiedenen Nationen erklang diesmal nicht die deutsche Nationalhymne, sondern Schillers „Ode an die Freude“ aus der 9. Symphonie von Beethoven, gespielt von einem Streicherquintett des Schiller-Gymnasiums. „Ich finde den Text der Nationalhymne schrecklich“, erklärte Landrat Tjark Bartels nach der Veranstaltung. „Dass wir eine Nationalhymne haben, deren erste Strophe nicht gesungen werden kann, weil sie so nationalistisch klingt, finde ich furchtbar.“

veröffentlicht am 27.03.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 10:41 Uhr

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Den 22 neuen deutschen Bürgern schien dies weitgehend gleichgültig zu sein. Ihnen war nur eines wichtig: Glückstrahlend im Sitzungssaal der Kreisverwaltung ihre Einbürgerungsurkunde entgegen zu nehmen. Zuvor hatte Bartels den Menschen aus Kasachstan, Kroatien, Litauen, Pakistan, Polen, Rumänien, Russland, Syrien, Thailand, Tunesien, der Türkei und der Ukraine zu der Entscheidung gratuliert, die deutsche Staatsangehörigkeit zu erwerben. „Mit dieser Feier wollen wir Ihnen zeigen, wie herzlich willkommen Sie uns sind. Es ist ein wohlüberlegter Schritt, den Sie hier getan haben.“ Er habe höchsten Respekt vor diesem Schritt. Denn er zeige, „dass Sie sich mit diesem Land, mit dieser Kultur und insbesondere mit den hier lebenden Menschen identifizieren. Das verdient unsere Hochachtung.“ Deutschland müsse viel stärker die kulturelle und ethnische Vielfalt als Chance begreifen. „Helfen Sie uns, Brücken zu bauen, wo derzeit noch Gräben sind. Wir brauchen Ihre Ideen, Ihre Begeisterung, Ihr Engagement und nicht zuletzt Ihre Arbeitskraft.“

Letztere haben die aus Russland nach Deutschland emigrierte Natalia Uskova und ihre 20-jährige Tochter Elena bereits tatkräftig eingebracht. „Ich habe als gelernte Damenschneiderin in Bad Pyrmont eine Änderungsschneiderei mit sechs Angestellten aufgebaut“, berichtet Natalia Uskova, die vor 15 Jahren aus der russischen Stadt Wladimir nach Deutschland übergesiedelt war. Die Entscheidung, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, sei ihr schwer gefallen. „Aber ich habe gewusst, dass ich nie wieder zurückkehren werde. Hier habe ich meinen Job. Hier habe ich mir eine neue Existenz aufgebaut.“ Und ihre Tochter lerne inzwischen in ihrem Betrieb.

Großes Lob zollte sie der Handwerkskammer in Hannover. „Die haben uns immer gut beraten. Sowohl bei der Existenzgründung als auch bei der Entscheidung, bei meiner Mutter zu lernen“, erzählte Elena Uskova. Ebenso wie sie musste der aus Thailand nach Deutschland gekommene 17-jährige Visarut Phatrim keine Prüfung vor der Einbürgerung ablegen. „Ich bin schließlich hier zur Schule gegangen“, berichtete der junge Mann, der derzeit seine Ausbildung an der Elisabeth-Selbert-Schule komplettiert. Natalia Uskova dagegen musste sich prüfen lassen und berichtete stolz, dass sie sowohl die Sprachprüfung als auch die Prüfung in Geschichte, Politik und Ökonomie jeweils mit Note 1 bestanden habe.



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