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Anbauten direkt am Exterufer / Bauamt und Kreisverwaltung prüfen Rechtmäßigkeit

Wintergarten auf "preußischem Grundbesitz"?

Exten (wm). Ein paar schlichte Ziegelmauern erregen zurzeit in Exten die Gemüter, einfach deshalb, weil das Mauerwerk fast am Exterufer steht - mithin im möglichen Überschwemmungsgebiet der Exter. Und das ist es wohl, was den Bau ins Gespräch gebracht hat, nämlich die laufende Diskussion über die Hochwassergefahren und was dagegen zu tun ist. So können einige Bürger im Dorf nicht verstehen, warum jemand unter diesem Aspekt heute noch direkt ans Exter-ufer baut. Scherzhaft wird gefragt, ob hier ein Amtssitz für einen "Fischtreppenwart" eingerichtet werden soll.

veröffentlicht am 28.11.2007 um 00:00 Uhr

Die umstrittenen Anbauten direkt an der Exter. Fotos: pr.

Dieser jemand ist Tischlermeister Alfred Albrecht, und der will hier einen unbeheizten Wintergarten bauen. Albrecht teilt die Bedenken anderer Exter Bürger nicht: Selbst bei den beiden Exter-Hochwassern in diesem Jahr sei das Wasser zwar aufs Grundstück, aber nicht ins Haus gelaufen - außerdem habe er vorgesorgt. Beim Bauamt wusste man nichts von diesem Bau, musste wohl auch nichts wissen, wie eine Rückfrage ergab, denn bis zu 40 Kubikmetern darf man nach neuerem niedersächsischen Baurecht Wintergärten, Garagen, Gartenhäuser (ohne Toiletten und Feuerstätten) und ähnliches ohne Baugenehmigung errichten - vorausgesetzt man kommt keinem Nachbarn in die Quere und hält andere baurechtliche Vorschriften wie Abstände zu Grundstücksgrenzen ein und verletzt nicht "höherwertiges Rechtsgut". Zumindest hier setzt die Untere Wasserbehörde des Landkreises ein Fragezeichen. Das Bauvorhaben oder möglicherweise ein Teil davon steht nämlich nach Grundbuchrecherchen auf "preußischem Grundbesitz". Preußen ist längst Geschichte, vermutlicher Rechtsnachfolger das Land Niedersachsen als Eigentümer eines Uferrandstreifens an der Exter. Doch so genau weiß man das auch bei der zuständigen Unteren Wasserbehörde des Landkreises Schaumburg nicht. Das werde zurzeit nach einer offiziellen Anfrage derStadt Rinteln geprüft, so Klaus Heimann, Pressesprecher des Landkreises gestern am Telefon. Bei der Weser ist Eigentümer der Uferrandstreifen stromauf- wie stomab, der so genannten Weserschlagde, die Bundesrepublik Deutschland. Verwaltet wird der Uferstreifen vom Wasser- und Schifffahrtsamt. Die Frage ist also, ob das auch für Gewässer zweiter Ordnung wie die Exter zutrifft. Gesetzlich geregelt sei, so Heimann, dass an der Exter als Gewässer zweiter Ordnung ein Randstreifen von fünf Metern von jeglicher Bebauung freizuhalten ist - auch das müsste in dem konkreten Fall noch geprüft werden. An der Exterübrigens nicht der einzige Fall: Auch ein zweiter Anbau am Ufer, etwa 150 Meter weiter, an einer alten Exter Furt, vor rund sieben Jahren entstanden, ist durch den aktuellen Fall wieder in den Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit geraten.

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