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Erste Stammholzsubmission nach zehn Jahren im Schaumburger Wald / Festmeter-Spitzenpreise bis 950 Euro

Willkommen in der "Holzboutique" am Mittellandkanal

Rusbend (who). Die Holzeinschlagsaison 2007/2008 in Schaumburgs Forsten ist so gut wie gelaufen, teils warten die Baumstämme noch einzeln liegend oder geschichtet zu sogenannten "Poltern" entlang der Waldwege auf ihren Abtransport. Dazu gehört auch das zurzeit noch an der "Betonstraße" gelagerte Holz im fürstlichen Wald bei Rusbend nahe dem Mittellandkanal. Die Stämme waren dort zu beiden Seiten der Straße wiean einer Perlenkette aufgereiht gewesen für die erste Schaumburger "Holz sub mission" seit zehn Jahren.

veröffentlicht am 27.02.2008 um 00:00 Uhr

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Mit Submission bezeichnet man im Forstbereich eine Art Auktion, bei der Interessenten ihre Gebote auf zuvor ausgestellte Partien beziehungsweise Lose von Stammholz abgeben. So erklärten die Ausrichter beim Pressetermin vor Ort im Anschluss an die Aktion in Rusbend das Prozedere. Zuvor hatten rund 770 Festmeter Stammholz in bester Qualität aus dem Schaumburger Wald den Besitzer gewechselt. Die edlen Stücke, die meisten davon Eiche, hatten sich zur Besichtigung und Begutachtung durch die Holzeinkäufer präsentiert wie in einer riesigen Holzboutique. Die Hauptlieferanten waren gewesen: das fürstliche Forstamt in Bückeburg, das Schaumburger Kreisforstamt Spießingshol sowie die Landesforsten aus Nienburg. Die Moderatorenrolle hatte die Schleswig-Holsteinische Holzagentur GmbH aus Bad Segeberg gespielt, vertreten durch ihren Geschäftsführer Dr. Manfred Quer. Mit deutlich erkennbar lachendem Auge erläuterte er die offenbar sehr zufriedenstellend verlaufene Aktion. Zehn Hauptlieferanten hatten zusammen mit insgesamt 765 Festmetern den größten Anteil an Stammholz beigesteuert mit Durchmessern ab 70 Zentimetern aufwärts bis zu den Spitzenreitern von fast 110 Zentimetern Diagonalmaß. Daraus waren 129 Lose zusammengestellt worden, zugeschnitten auf die angesprochene Käuferklientel. "Wir haben durchweg gute bis sehr gute Qualitätangeboten, und damit konnte jeder das für ihn beste Material finden", berichtet Dr. Manfred Quer. Und weiter: Mit insgesamt 808 Geboten ab Anfang Februar hat die Resonanz auf die Stammholzsubmission im Schaumburger Wald die Erwartungen der Initiatoren mehr als erfüllt. Die präsentierten Stämme haben sich überwiegend in höheren Stärkenklassen bewegt und waren als ausgesprochen gut eingestuft worden. Der durchschnittliche Festmeterpreis lag bei 360 Euro, aber auch Höchstgebote von 951 Euro waren erzielt worden. So bei Sahnestückchen in Eiche, die sich der Furnierhersteller Wehmeier ausMünster gesichert hatte. Darunter Brocken von 107 Zentimeter Durchmesser mit Rinde sowie Längen von drei Metern. Andere Abnehmer waren Hersteller von Massivholzmöbeln und noblen Landhausdielen sowie Edel-Innenausbauer. Und wenn in der nächsten Weihnachtszeit jemand sein Räuchermännchen im Wohnzimmer aufstellt, dann kann es durchaus sein, dass es aus Hainbuchenholz aus der Schaumburger Submission gemacht ist. "Unsere stärksten Stämme liegen sogar immer noch im Wasser", bedauert Hofkammerdirektor Christian Fischer in Gedanken an die Holzmassen, die wegen der anhaltenden Nässe noch nicht aus den niedrig gelegenen fürstlichen Forsten am Mittellandkanal gerückt werden konnten. Mit 430 Festmetern ist die Hofkammer dennoch der größte Anbieter gewesen. Sie besitzt allein in Schaumburg 2400 Hektar Wald mit überwiegendem Eichenbestand. 381 Euro ist der Durchschnittspreis pro Festmeter gewesen. Eine einzige Partie von 29 Stämmen hatte sogar alleine 53 Festmeter der Masse ausgemacht. Als etwas ganz besonderes stellt Fischer eine Reihe von Stämmen vor, die früher wegen ihrer knubbeligen Auswüchse eher in die Kategorie Ausschuss gefallen wären. Die Besenreiser oder Katzenpfötchen, wie sie im Schaumburger Land genannt werden, haben in den letzten Jahren die besondere Aufmerksamkeit der Furnier- und Massivholz-Möbelhersteller gewonnen. Fischer: "Beim Aufschneiden gibt das jeweils ein unverwechselbares individuelles Bild als speziellen Anreiz für die Kunden." Das Kreisforstamt Spießingshol hatte mit 110 Festmetern das zweitgrößte Kontingent an Stämmen beigesteuert, darunter auch die für die Wehmeiersche Furnierfabrikation. Bernhard Michel als Leiter des Kreisforstamtes verrät den erzielten Preis für die edlen Eichenstücke: "Wir sind auch sehr zufrieden mit 462 Euro Durchschnittserlös pro Festmeter." Schon im Vorfeld hatten Michel und sein designierter Nachfolger Lothar Seidel beobachten können, dass sich Furnierkäufer ihre Stämme in der Freiluft-Holz-Boutique ausgesucht hatten. Deutlich sind die Markierungen der "Holzjäger" an den Stammenden zu sehen. "Das, was hier liegt, ist wirklich die Crème de la crème der abgelaufenen Einschlagsaison", bekräftigt Seidel die Ausführungen seines bisherigen Chefs. Als dritter Lieferantenvertreter ist Karl-Heinz Dose von den Niedersächsischen Landesforsten in Nienburg mit im Boot. "Wir betreuen neben Landeswald auch 1600 Hektar Körperschafts- und Genossenschaftswald in Südniedersachsen", erklärt er. Fünf der 16 betreuten Waldeigentümer in seinem Verantwortungsbereich hatten sich an der Submission beteiligt. Davon zwei Kommunalforsten sowie drei Genossenschaftsforsten. Zusammen hatten sie 140 Festmeter Buche bei Bückeburg ausgestellt, überwiegend Schneideholzqualitäten. Die Stammholz-Submission in Schaumburg sei so gut angekommen, dass die Veranstalter an eine regelmäßige Wiederholung ab 2009 denken, erklärt Dr. Manfred Quer abschließend. Seit 46 Jahren sei die Schleswig-Holsteinische Holzagentur im Geschäft mit ausgesuchten Holzqualitäten. Ihre Gesellschafter seien Privatwaldbesitzer, Forstbetriebsgenossenschaften und Verbände. "Wir handeln Laub- und Nadelholz aller Baumarten und Sortimente", ergänzt er. Geschäftspartner seien einheimische und europaweit operierende Unternehmen bei einem jährlichen Handelsvolumen der Agentur von zwischen 60 000 und 70 000 Festmetern. "Uns ist wichtig, klarzustellen dass hier ausschließlich Holz aus nachhaltigem Anbau angeboten und verkauft worden ist", erklärt der Kreisforstamtsleiter Bernhard Michel abschließend. Die starken Bäume seien im Zuge des regulären jährlichen Einschlags entnommen worden. "Dabei ist zu berücksichtigen, dass auch die kommunalen und staatlichen Forsten in ihrer Eigenschaft als Wirtschaftsunternehmen gehalten sind, schwarze Zahlen zu schreiben." Michels Amtsnachfolger Lothar führt aus: "Deshalb haben wir unter anderem darauf zu achten, das Holz zu verwerten, bevor es uns aus dem Geld wächst und haben darauf zu achten, dass eingeschlagen wird, bevor die Bäume zu alt werden und ihre Qualität durch Krankheiten gemindert wird."



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