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„Vom Zusammenleben verschiedener Kulturen“ – Ausstellung im Museum des Schlosses Bad Pyrmont

Willkommen in der Geschichte einer Badestadt

Bad Pyrmont. Das Museum im Schloss Bad Pyrmont präsentiert bis Sonntag, 31. Juli eine Sonderausstellung mit dem Titel „Willkommen in Bad Pyrmont!“. Sie dokumentiert das Zusammenleben verschiedener Kulturen in einem Kurort wie Bad Pyrmont.

veröffentlicht am 17.06.2011 um 10:40 Uhr

Unvorstellbar, aber wahr: Als im Frühjahr 1556 die Nachricht die Runde machte, dass in Bad Pyrmont eine Heil bringende Quelle Wunder bewirke, kamen binnen weniger Monate etwa 10 000 Menschen aus ganz Europa – von Spanien bis Polen – in das Tal der Emmer. Zum ersten Mal überstieg die Zahl der Gäste die Einwohnerzahl in Pyrmont und Lügde. Diese internationale Atmosphäre prägte auch die Zeit des späten 17. und 18. Jahrhunderts. Pyrmont entwickelt sich zu einem Modebad von europäischem Rang. Zar Peter der Große, der englische König Georg I. oder auch Benjamin Franklin sind typische Repräsentanten dieser Gesellschaft.

Erstmals fallen in den Jahren 1795 bis 1807 adlige Emigranten aus Frankreich in Pyrmont unangenehm auf. Sie verhielten sich arrogant und überheblich gegenüber Einwohnern und anderen Kurgästen. Die Flüchtlinge und Emigranten in Bad Pyrmont in der Zeit von 1914 bis 1945 waren häufig verwundete Soldaten, die in der Lazarettstadt Bad Pyrmont ihre Verwundungen behandeln lassen konnten. Allein im Jahre 1945 wurden in 84 Häusern insgesamt 5000 Verwundete und 4000 Kranke und Ausgebombte von rund 400 Schwestern medizinisch versorgt. Zudem entwickelte sich die Stadt immer mehr zum Behandlungszentrum für Kriegsverletzte und Amputierte.

In der Zeit zwischen 1947 und 1957 wurde im Pyrmonter Schloss die Landesversehrten-Berufsfachschule eingerichtet. Hier fanden Lehrgänge für Handel und Verwaltung sowie Ausbildungsstätten für Schneider, Schuhmacher, Tischler, Korbmacher, Uhrmacher, Kürschner und Imker statt.

2 Bilder
Ein Bild aus alter Zeit, vor dem Lazarett der Stadt, wo eine Vielzahl von Menschen unterschiedlicher Herkunft arbeitete.

Aus dieser Gründungsphase entwickelte sich später das Berufsförderungswerk Bad Pyrmont: Ostflüchtlinge und Heimatvertriebene prägten auch den Kurort Pyrmont nach 1945. Nach 1948 zogen monatlich durchschnittlich 80 Vertriebene aus den Ostgebieten in die Kurstadt. 1948 lebten in Bad Pyrmont 4034 Flüchtlinge, 4663 Evakuierte und 10 063 Einheimische.

Das Anwerben von Gastarbeitern war spätestens ab den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts aufgrund des Arbeitskräftemangels von hoher Bedeutung für das Wirtschaftswunder in der Bundesrepublik. Erste Gastarbeiter kamen im Jahr 1960 als italienische Saisonkräfte für das Hotel- und Gaststättenwesen, im Frühjahr 1962 folgten die ersten 20 Griechen, die unter anderem im Kurpark arbeiteten. Drei Jahre später trafen erstmals 15 Türkinnen ein, die ihre Arbeit als Küchenhilfen im Versorgungskrankenhaus antraten.

Mit den Kontingentflüchtlingen und Spätaussiedlern kamen seit 1990 vermehrt Auswanderer aus Osteuropa nach Deutschland. Dazu zählten deutsche Spätaussiedler aus Osteuropa sowie jüdische Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion.

Die Beschreibung dieser Besucherströme und Flüchtlingsbewegungen, der Zuzug vieler Neubürger mit Migrationshintergrund beschreiben eine Gesellschaft, die sich im Wandel befindet. Die Ausstellung leistet sowohl ein Stück Erinnerungsarbeit, diskutiert aber auch die derzeitige Situation des Badeortes. Öffnungszeiten des Museums: dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr. Und noch etwas: Das Pyrmonter Kino „Kronen-Lichtspiele“ bietet anlässlich der Ausstellung eine Filmreihe zum Thema „Integration“ an. Mehr im Internet unter www.kronen-lichtspiele.de

Spielchen gefällig? Dieser „Schnappschuss“ entstand Ende der 1950er Jahre vor der Landesversehrten-Berufsfachschule im Schloss.



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