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Vor Gericht: Geldstrafe für eiligen Lieferanten / Marktfrau beschimpft und umgefahren

Wildwest-Szenen auf dem Wochenmarkt

Bückeburg (ly). "Dieser Zeitdruck", klagt ein Handwerksmeister aus Ostercappeln bei Osnabrück, "dieser elende Zeitdruck." Heute ist wieder so ein Tag. Mit einer eiligen Lieferung elektrischer Geräte hat der 57-Jährige sowieso schon Verspätung. Und dann das: Der Wochenmarkt versperrt ihm den kürzesten Weg zum Kunden. Rücksichtlos will der Elektroniker die verbotene Abkürzung nehmen. Er drängelt, pöbelt, sorgt für Aufruhr. Zurück bleiben erzürnte Beschicker und Passanten sowie eine verletzte Marktfrau.

veröffentlicht am 19.09.2007 um 00:00 Uhr

Vor dem Bückeburger Amtsgericht hatten die Wildwest-Szenen jetzt ein Nachspiel: 2700 Euro kostet den Choleriker der Ausraster auf dem Markt, umgerechnet drei Monatseinkommen. Gegen einen entsprechenden Strafbefehl, eine schriftliche Verurteilung, hatte der Angeklagte zunächst Einspruch eingelegt, diesen aber nach der Beweisaufnahme zurückgezogen. Nun hat er vier Straftaten auf einmal im Register: Beleidigung, versuchte Nötigung, fahrlässige Körperverletzung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr. Freitag, 16. März 2007: Wegen des Frühjahrsmarktes ist der Wochenmarkt zum Oberstenhof umgezogen. Gegen 11.30 Uhr taucht der Lieferwagen auf, dessen Fahrer mit dem Kopf durch die Wand will und nicht lange fackelt. Vor Gericht wird sich ein Augenzeuge (73) aus Bückeburg an "eine Kaskade von Beschimpfungen" erinnern, welche sich über alle möglichen Leute ergießt. Besonders abgesehen hat es der Rüpel auf eine Marktfrau, die partout nicht Platz machen will, wo kein Platz ist. Anhören muss sich die 61-Jährige unter anderem, sie und die anderen Beschicker seien "asoziales Pack", "Sozialhilfeempfänger" und überhaupt "der letzte Dreck". Zur Krönung kündigt der eilige Lieferant an: "Ich gebe dir einen auf die Hörner, das habe ich schon öfter getan." Tatsächlich steigt der Aggressor aus, macht ein wenig Stunk, steigt wieder ein, setzt sein Auto langsam in Bewegung. "Und dann hat er mich umgefahren", berichtet die Marktfrau. Beim Sturz erleidet die Bückeburgerin Prellungen und Blutergüssse. "Selbst wir dürfen vor 13 Uhr nicht mit dem Auto auf den Wochenmarkt", betont die Marktfrau in ihrer Zeugenaussage. Dorthin hat den Ostercappelner sein Navigationsgerät geführt, woraus er irrtümlich das Recht ableitet, mitten über den Platz fahren zu dürfen. "Viele Wege führen nach Rom", gibt AmtsrichterArmin Böhm zu bedenken. Der Handwerker behauptet, er habe beim Eintreffen eine Händlerin "höflichst gefragt", ob diese ihre Blumen zur Seite nehmen könne. "Langsam und vorsichtig" sei er danach weitergefahren, bevor man ihm zehn Minuten lang den Weg versperrt habe. "Dann bin ich wohl ein bisschen böse geworden." Der Marktfrau unterstellt der Angeklagte, sich mit Absicht fallen gelassen zu haben "wie eine Schwalbe beim Fußball". Mit dieser Geschichte steht der 57-Jährige übrigens ganz allein da.



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