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Bisher schon 4000 Euro Schaden / Im Herbst ist die Gefahr eines Wildunfalls am größten

Wildschweinrotten pflügen Ländereien um

Obernkirchen/Landkreis (sig/rnk). Wildschäden in Höhe von rund 4000 Euro beklagen Grundstücksbesitzer im Raum Obernkirchen und Liekwegen. Im Bereich Jägerweg und Forststraße haben Wildschweinrotten in den vergangenen Nächten besonders zugeschlagen. Dort wurden große Wiesenflächen systematisch umgepflügt. Die ungebetenen Gäste schafften es sogar, einen Jagdsitz umzustürzen. Gefahr droht auf der Straße: Im Herbst ist die Unfallgefahr mit Wildtieren am stärksten.

veröffentlicht am 11.11.2008 um 00:00 Uhr

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Landwirt Heinrich Struckmeier von der Winterstraße in Krainhagen befürchtete bei einer Zusammenkunft der zuständigen Jagdgenossenschaft, dass die Wildschäden künftig noch deutlich zunehmen werden. Die Wildschweine hätten beim zunehmenden Maisanbau immer mehr Flächen, in denen sie Schutz suchen könnten. Ein Jäger berichtete, dass die Rotten große Strecken zurücklegen würden; sie kämen sogar aus dem Auetal und von den Weserbergen zum Bückeberg und von dort in die angrenzenden Orte. Dass sie in den Wäldern jetzt genügend Eicheln und andere Nahrung finden, böte keine Sicherheit. Auf der Suche nach tierischem Eiweiß decken sie zurzeit große Grasflächen ab, unter denen sich Larven und Würmer befinden, die sie wie mit einem Staubsauger herausholen. Auf dem waldnahen Grundstück von Wilhelm und Adelheid Hohmeier am Jägerweg war die Fressgier offensichtlich so groß, dass die Wildschweine sogar einen nicht im Boden verankerten Jagdstand einfach umwarfen. Auch er muss jetzt repariert werden. Alle betroffenen Grundstücksbesitzer werden aufgefordert, alle Schäden unverzüglich beim Vorsitzenden der Jagdgenossenschaft, Stadtdirektor a.D. Wilhelm Mevert, anzuzeigen. Gutachter werden dann schnellstens die Schadenshöhe feststellen, für die der jeweilige Jagdpächter aufkommen muss. Wildschweine im eigenen Garten sind einÄrgernis, auf der Straße sind sie - wie andere Tiere auch - eine echte Bedrohung: 30109 Menschen wurden im letzten Jahr bundesweit bei Zusammenstößen mit Hirschen, Rehen und Wildschweinen verletzt, 20 starben. Im Durchschnitt prallt alle zweieinhalb Minuten ein Auto auf ein großes Wildtier. Und im Herbst ist die Gefahr am größten. Immerhin: Während andere Landkreise eine Zunahme der Wildschweine um 300 Prozent in den letzten beiden Jahren hinnehmen mussten, steigt im Landkreis Schaumburg die Zahl nicht an, erklärt Kreisjägermeister Heinrich Stahlhut-Klipp. Zwar ist die Zahl der Tiere in den letzten Jahren gestiegen, aber auch die Strecke, also die Zahl der erlegten Tiere, ist deutlich angewachsen. Denn die Rahmenbedingungen spielen Wildschweinen seit einiger Zeit in die Karten. Immer mildere Winter mit weniger Schnee sorgen nicht nur für einen mehr als ausreichend gedeckten Tisch, sondern auch für mehr Nachwuchs: Es ist schon lange nicht mehr ungewöhnlich, dass von einem Wurf das Frühjahr alle Frischlinge überleben. "Wildschweine werden intensiv bejagt", erklärt Stahlhut-Klipp, "die Jagdpächter nehmen das Thema sehr ernst". Warum rennen die Tiere gerade im Herbst so gerneüber die Straße? Ganz einfach, sagt Stahlhut-Klipp: Sie ziehen um. Haben sie sich seit August meist in den Maisfeldern aufgehalten, die ihnen neben dem leckeren Futter auch noch ein schönes Versteck bieten, so streifen sie im Oktober umher, weil sie sich ein Winterquartier suchen. Die Maisfeldersind angeerntete, jetzt wird Lebensraum im Wald gesucht. Anders als im letzten Jahr, so erklärt Stahlhut-Klipp, wird es bei den Eicheln und Buchen für die Wildschweine aber keinen so reich gedeckten Tisch geben. Und: Jetzt beginnen die traditionellen Drückjagden. Die Wildunfall-Zahlen für den Landkreis zeigen die häufigsten Zusammenstöße im Bückeburger Bereich: 66 der insgesamt 331 Unfälle wurden 2007 hier verzeichnet, im ersten Halbjahr 2008 waren es schon 27. Auch in Rinteln ist eine deutliche Zunahme zu verzeichnen: 40 Unfälle im letzten Jahr, schon 29 in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres. In Obernkirchen wurden 2007 22 Unfälle mit Wild notiert, bis Ende Juni 2008 waren es sechs.



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