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Bericht aus dem Parterre: Sonne ohne Schatten gesichtet

"Wieso, is doch witzisch ... "

Bückeburg. In reichlich unprekären Ären wie den derzeitigen werden das Fürstenhaus betreffende Reporte bekanntermaßen nicht geschrieben sondern gemalt. Und zwar mit dem Bauchpinsel. Dann greift die Berichterstattung gerne ins Schmeichelfach der Begriffsvarianten. Das mag Außenstehenden subglobal anmuten. Nur: Selbst wer dieser Tage die Suche nach kritischen Stimmen sehr gezielt betreibt, bekommt allenfalls hinter doppelt vorgehaltener Hand einen missbilligenden Ton halbwegs zu fassen.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 06:49 Uhr

Weiß-rot-blaue Zustimmung und ein Prosit aufs Brautpaar: Während

Autor:

Herbert Busch

Was in der ehemaligen Residenz bald selbstredend auch fürs Tiefparterre der Vermählungsfeierlichkeiten, den Straßenrand, an dem das gemeine Volk zu stehen kommt, Gültigkeit besitzt. Und wenn die "Gemeinen" gar einen Sitzplatz in ersprießlicher Mittellage - sprich: Halbe Höhe Fußgängerzone - ergattert haben und die frohgemut grüßende Prominenzein "Sie habens besser als wir" verlauten lässt, hat es sich mit der Kritik von selbst erledigt. "Kennichnich, ist aber hässlich", darf, ohne Hinterfragung weiterer Feinheiten, hinsichtlich der Gästecharakterisierung als Gipfel der Unzufriedenheit genommen werden. Frisch-freche Jugendliche beantworten auf eventuelle Einsprüche abzielende Nachfragen mit einem legeren "Wieso, is doch witzisch"; das nicht vollends begeisterte Alter gibt sich weise: "Man muss auch mal jönne könne." Gegen Ende des stadtöffentlichen Teils der Hochzeit, an dem der fußunmarode Teil der Festgesellschaft die Strecke zwischen Stadtkirche und Schloss ein zweites Mal per pedes bewältigt, erfährt das "Besser-als-wir" augenfällige Beweise - jedes Mal wenn der Prominenz die Umkurvung von Abgeäpfeltem nicht vollends gelingen will, spendiert das Publikum freimütig Sonderapplaus. Dass in die heitere Szenerie unvermittelt ein derber Fluch - "was soll denn diese verdammte Scheiße jetzt?" - platzt, ist den Widrigkeiten moderner Kommunikationstechnik geschuldet: Der Fluchenden sind die Akkus des Foto-Handys leergelaufen. Zum Glück kann die Freundin aushelfen. Und in dem Moment, in dem die beiden gemeinsam die Ergebnisse ihrer abbildnerischen Künste betrachten werden, wird ihnen nicht entgehen, dass die zwischenzeitlich durch die Wolkendecke hervorlinsende Sonne nicht in der Lage gewesen ist, einen deutlich wahrnehmbaren Schatten auf das Fürstenhochzeitsgeschehnis zu werfen.

Stöckelschuh und Handycam fordern Tribut: Die einen zieht man au
  • Stöckelschuh und Handycam fordern Tribut: Die einen zieht man aus, wenn's drückt, die anderen lenken ab, wenn draufgedrückt.
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