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Auf der Sondersynode wird Röder-Brief mit schweren Vorwürfen gegen den Bischof bekannt

Wieder Unruhe in der Landeskirche

Bückeburg / Meerbeck (ssr). Auf ihrer außerordentlichen Tagung am Sonnabend in Meerbeck hat die Evangelisch-lutherische Landessynode Schaumburg-Lippe Empfehlungen zu "zukunftssichernden Strukturfragen" erarbeitet (siehe Kasten). In seinem Bericht räumte Landesbischof Jürgen Johannesdotter (64) im Blick auf den Rechtsstreit mit Oberkirchenrat Dr. Werner Führer ein, "dies sei keine leichte Situation für unsere Kirche".

veröffentlicht am 08.10.2007 um 00:00 Uhr

Auf den tags zuvor bei Synodalen eingegangenen Brief des im Ruhestand lebenden Bückeburger Pastoren Ingo Röder, in dem schwerste Vorwürfe gegen Johannesdotter und den Landeskirchenrat erhoben werden, ging der Bischof, ohne Inhalte zu nennen, nur knapp ein: Er sei über die Art des Vorgehens "zutiefst getroffen". Synodalpräsident Joachim Liebig teilte vor der Eröffnung derTagung mit, die kirchenleitenden Gremien würden sich mit dienstrechtlichen Konsequenzen des Vorgangs befassen. In seinem Bischofsbericht kritisierte Johannesdotter heftig den Anwalt von Führer, Christian Kirchberg (Karlsruhe). Dieser "gegnerische Anwalt" habe im Rechtsstreit um die Suspendierung Führers "durchschaubar gezielt ausgewählte Informationen weitergegeben", die eine "interessegeleitete Sicht der Dinge" darstellten. Der Bischofübte auch kräftige Presseschelte. Überregionale Zeitungen hätten "spekulativ" und "tendenziös" berichtet. Johannesdotter zu alldem: "Wir lassen uns nicht provozieren." Das Vorgehen der Kirchenleitung in Sachen Führer sei "von gebührender Professionalität". Es sei eine angemessene Reaktion auf eine Situation, "die wir allerdings lieber so gar nicht erst hätten entstehen lassen sollen", räumte er ein. Auf eine schriftliche Anfrage aus der Synode, die Amtszeit Johannesdotters betreffend, der im kommenden Jahr das Alter von 65 erreicht, wurde mitgeteilt: "Der Landeskirchenrat wird mit dem Bischofüber die Dauer seines Dienstes sprechen." DasDienstrecht sieht die Möglichkeit, die regulär zum 65. Geburtstag endende Amtszeit bis zum 68. Lebensjahr zu verlängern. Dazu wäre das Einvernehmen mit dem Landeskirchenrat erforderlich. Die Meerbecker Sondersynode war auf Antrag von elf Synodalen einberufen worden. Im Blick auf das Hauptthema, die Erarbeitung von Empfehlungen für die Zukunftssicherung der Landeskirche, sagte Johannesdotter: In dem Antrag der elf Initiatoren sei im Blick auf die Kirchenleitung von "Mangel an Transparenz" und "unklaren Verwaltungsabläufen" die Rede. Diese Vorwürfe wies er zurück. Er appellierte an alle Beteiligten, "sich nicht von Misstrauen leiten zu lassen". Johannesdotter weiter: "Das öffentlich an den Pranger stellen gehört nicht zu den Disziplinarmaßnahmen, das scheinen selbst manche Amtsträger nicht ausreichend verstanden zu haben." Der Meinser Pastor Ulrich Hinz, einer der Initiatoren der Sondertagung, fragte zunächst Synodalpräsident Liebig, der das Treffen im Vorfeld als "Erwachsenenbildung" bezeichnet hatte, ob dies abwertend gemeint gewesen sei. Liebig verneinte. Zum Hintergrund: Weder die Kirchenleitung noch das Synodalpräsidium hatten die Sitzung gewollt, mussten dem Antrag der elf Initatoren satzungsgemäß aber entsprechen. Hinz beklagte selbstkritisch, die Synode habe sich in den vergangenen Jahren "viel zu wenig eingemischt: Wir haben der Kirchenleitung zuvielüberlassen, haben zu wenig mit entschieden." Das sah auch Margitta Siebörger (Lindhorst) so. Nun müsse zumindest mit Blick auf die "von einer großen Mehrheit" angestrebte Zukunftssicherung der kleinen Landeskirche durch die rasche Erarbeitung von Empfehlungen der Vorwurf verhindert werden, "wirseien untätig und entscheidungsschwach gewesen".



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