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Warme Bratschentöne: Sellheim-Mönkemeyer überzeugen im Staatsarchiv

Wie wieder ein "Bratscherwitz": Duo verbreitet melodischen Zauber

Bückeburg. Die Bratsche gilt als "Stiefmütterchen" unter den Streichinstrumenten und wird oft genug bewitzelt. Nils Mönkemeyer, der zusammen mit Pianistin Katharina Sellheim im Staatsarchiv das erste Kammerkonzert des Kulturvereins dieser Saison auswendig bestritt, ließ seine Viola aber keineswegs in einem bescheidenen Winkel blühen.Er verlieh ihr den Glanz einer Prinzipalstimme, bereichert um das wohlig und warm klingende tiefe Register und die Möglichkeit zu dunklerer Färbung in allen Lagen.

veröffentlicht am 23.11.2006 um 00:00 Uhr

Autor:

Dietlind Beinßen

Als ruhender Pol vor explosiven Ausbrüchen erwiesen sich "Adagio und Allegro", op. 70, von Schumann, mit dem die von der "Friedrich-Jürgen-Sellheim-Gesellschaft" empfohlenen jungen Solisten den Abend souverän und ausgewogen einleiteten. Schumanns später folgende "Märchenbilder", op. 113, hoben mit Poesie an, gleichermaßen mächtig und innig als dunkler Gesang geformt. In den schnellen Parts waren schwindelnde Höhenlagen und Springbögen zu erkennen. In fremde Welten wies das Finale, mit den Motiven und in der Stimmung des in der Morgensonne zerfließenden Traumes, die der Komponist in der "Dichterliebe" schon einmal gestaltet hatte. Auch die "Sonate f-Moll", op. 120, eine Notenerfindung des Romantikers Brahms, stand den Interpreten gut. Sie setzten die dicht verwobenen Geflechte farblich differenziert um, ohne den Gesamt-gestus aus den Augen zu verlieren. In sicherem Miteinander und jeweils eigener Charakteristik - der Bratscher als Sänger, die Pianistin als Architektin - verdeutlichten die Talente ihr gleichberechtigtes Wirken. Dass Katharina Sellheim an den Tasten - bei aufgeklapptem Flügel - durch etwas zu viel Lautstärke manchmal doch größere musikalische Räume erschloss, mag am Klavier gelegen haben. Die Faszination virtuosen Gipfelstürmens stellte sich am Schluss beim im besten Einverständnis gemeisterten Vortrag von Rebecca Clarkes phantasievoller "Sonate" von 1919 ein. Die mitreißende Darbietung dieses originell dekolorierten Stückes war von jugendlichem Feuer und Abenteuerlust geprägt und ging mit technischer Brillanz und Spielwitz konform. Die vor kreativem Übermut strotzende Tangozugabe stieß zudem auf großes Echo. Am Ende: langer Applaus und - nie wieder ein Bratscherwitz!

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