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Stimmzettelschablone hilft

Wie wählen eigentlich Blinde?

WESERBERGLAND. Lange war es blinden oder sehbehinderten Personen nicht möglich, ohne fremde Hilfe zu wählen und sie mussten eine Vertrauensperson beauftragen, für sie das Kreuz auf dem Wahlzettel zu machen. Seit der Bundestagswahl 2002 hat sich aber der Einsatz einer sogenannten Stimmzettelschablone bewährt.

veröffentlicht am 11.10.2017 um 15:01 Uhr

Für Blinde gibt es Stimmzettelschablonen. Foto: dpa
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Bei der Bundestagswahl im September hatten die Wahlzettel rechts oben eine kreisrunde Ausstanzung, zur Niedersachsenwahl am kommenden Sonntag fehlt ihnen die obere rechte Ecke. Warum, fragte ein Dewezet-Leser aus Aerzen, der Briefwahlunterlagen angefordert und zuvor eigenen Angaben zufolge Stimmzettel mit so einem Merkmal noch nicht gesehen hatte. Von der Zeitung erhofft er sich Aufklärung, wie er in seiner Anfrage weiter schreibt. Frank Garlipp vom Flecken Aerzen erklärt, der Grund für die fehlende Ecke ist die Möglichkeit des Einsatzes von Stimmzettelschablonen für Blinde und Sehbehinderte. Nähere Informationen dazu gibt es unter anderem beim Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen e.V. (BVN). BVN-Mitglieder bekommen die Schablone vor jeder Wahl aus Hannover automatisch zugesandt, Nichtmitglieder können sie kostenlos telefonisch beim Verband anfordern. Gleichzeitig verweist der Rathausmitarbeiter auf die ausführlichen „Informationen zur Landtagswahl am 15. Oktober 2017“ auf der Internetseite des Fleckens Aerzen.

Mit Hilfe von Wahlschablonen können Blinde und Sehbehinderte eigenständig und ohne Hilfe einer Vertrauensperson ihre Stimme abgeben. Stimmzettelschablonen werden bundesweit seit der Bundestagswahl 2002 und der Europawahl 2004 angeboten. Die Kosten für die Herstellung der Schablonen werden den Blindenvereinen von der Bundesregierung erstattet, wie auf der Internetseite von Bundeswahlleiter Dieter Sarreither zu erfahren ist. Weiter heißt es dort: Zur Orientierung sind alle Stimmzettel einheitlich in der rechten oberen Ecke gelocht oder abgeschnitten. An der Stimmzettelschablone ist dazu passend die rechte obere Ecke abgeschnitten. Mit jeder Schablone werden Informationen zum Aufbau der Schablone und zum Stimmzettel ausgegeben, je nach Landesverband in Punktschrift, als Audio-CD, im sogenannten DAISY-Format oder in Großdruck. So können blinde und sehbehinderte Wählerinnen und Wähler am Wahltag in der Wahlkabine oder vorher per Briefwahl selbstständig ihren Stimmzettel ausfüllen. Wer im Wahllokal wählt, sollte nach Sarreithers Empfehlung die Wahlschablone wieder mit nach Hause nehmen, damit das Wahlgeheimnis gewahrt bleibt. Auf dem Stimmzettel selbst ist kein Unterschied festzustellen.

Auf der rechten Seite des Stimmzettels fehlt die obere Ecke – warum eigentlich? Foto: Dana
  • Auf der rechten Seite des Stimmzettels fehlt die obere Ecke – warum eigentlich? Foto: Dana

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