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Wie Unternehmen und Behörden auf die Schweinegrippe reagieren

veröffentlicht am 06.11.2009 um 17:51 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:37 Uhr

Hameln-Pyrmont (ni). Sie empfehlen ihren Mitarbeitern, den warmen Händedruck durch ein freundliches Lächeln zu ersetzen und informieren sie über die Hygiene-Vorschriften des Robert-Koch-Instituts. Sie verteilen Hände-Desinfektionsmittel an die Belegschaft, organisieren Impftermine und haben Pläne für den Ernstfall in der Schublade: Die Schweinegrippe ist ein Thema, an dem Behörden und Unternehmen in Hameln nicht vorbeigehen. Mit unterschiedlicher Intensität wappnen sie sich für den Fall, dass der H1N1-Virus ganze Büro-Etagen leer fegt oder die Produktion bedroht.
 Mit rund 40 registrierten Neuerkrankungen pro Tag breitet sich die Schweinegrippe seit dem vorigen Wochenende deutlich schneller aus als in den Sommermonaten. 237 Fälle meldete das Gesundheitsamt des Landkreises gestern. Sollte sich die Welle zu der von vielen Experten befürchteten Pandemie auswachsen, könnten laut Robert-Koch-Institut bis zu 30 Prozent aller Beschäftigen erkranken. Im Hamelner Rathaus macht man sich noch keinen Kopf darüber, wie die Stadt dann verwaltet werden kann. Die innere Organisation werde dann eben so gehandhabt wie bei Streiks, bei denen ja auch oft ein Großteil der Personals nicht am Platz sitze.  Auch in der Kreisverwaltung existiert keine Notfallplan. Allerdings können sich alle Kreis-Mitarbeiter im Gesundheitsamt gegen die Schweinegrippe impfen lassen. 

 Die Postbank hat für ihre Tochterunternehmen – also auch für das BHW in Hameln – unterschiedliche Szenarien entwickelt, wie das Geschäft je nach Krankenstand am Laufen gehalten werden kann. „Alle Mitarbeiter wurden von ihren Vorgesetzten sensibilisiert, wie sie sich verhalten sollen, damit eine gegenseitige Ansteckung möglichst ausbleibt“, so Firmensprecher Hartmut Schlegel. Eine Info über impfende Ärzte in der Nähe soll in den nächsten Tagen rausgehen.
 Im Jobcenter Hameln-Pyrmont steht auf jedem Schreibtisch ein Desinfektionsspray („für die Türklinken“); für die Hände liegt eine Packung Desinfektionstücher daneben. Die Mitarbeiter-Toilette, die nur mit einem Kaltwasseranschluss am Handwaschbecken ausgestattet war, hat einen Boiler erhalten – für’s gründliche Händewaschen mit warmem Wasser. Sollte der Krankenstand trotzdem in die Höhe schnellen, „werden interne Verschiebungen und Umstrukturierungen vorgenommen“, so Sprecher Michael Stolpe. Die Pläne dafür sind gemacht. 

Die „Hameln Group“ hat sich mit einem hausinternen Pandemie-Plan auf den Fall der Fälle vorbereitet. Als Hersteller von Arzneimitteln, die vorzugsweise in Krankenhäusern und in der Intensivmedizin eingesetzt werden, kommt dem Unternehmen eine besondere Rolle im Gesundheitswesen zu. Krankheitsbedingte Ausfälle könnten die Produktion gefährden und zu Engpässen auf dem Markt führen. Sie sollen darum möglichst vermieden werden, so Unternehmenssprecherin Eva Banholzer.  Seit Ende Oktober, als die beiden ersten bestätigten Schweinegrippe-Fälle im familiären Umkreis zweier Mitarbeiter vorlagen, werden Besprechungen fast nur noch am Telefon abgewickelt. Meatings sind stark eingeschränkt, die dabei angebotenen Kekse jetzt einzeln verpackt. Erkrankungen von Familienangehörigen werden umgehend dem Krisenstab im Unternehmen gemeldet; er entscheidet, ob der betroffene Mitarbeiter vorsichtshalber zuhause bleiben soll. In den nächsten Tagen bietet der Betriebsarzt den ersten Impftermin im Hause an. „Über 100 Mitarbeiter haben sich dafür schon vormerken lassen“, sagt Eva Banholzer. Doch für alle reiche der Impfstoff nicht. „Wir werden sortieren müssen.“ Mitarbeiter aus der Produktion stünden ganz oben auf der Liste. 

 Der derzeit zur Verfügung stehende Impfstoff reicht offenbar bei weitem nicht aus, um die Bestellungen von niedergelassenen Ärzten und Betriebsärzten bedienen zu können. Drei Hamelner Apotheken sind für die Verteilung des Impfstoffes zuständig. Ob Raths-, Brücken- oder Basberg-Apotheke – keiner verdient auch nur einen Cent an der Ampulle des begehrten Medikamentes. Alle erhalten die gleichen Kontingente und verteilen den Mangel gleichmäßig auf die Ärzte „Jeder kriegt ein bisschen“, erklärt Ulrike Berz das Prinzip, nach dem die Nachfrage gegenwärtig etwa zur Hälfte bedient werden könne. Nächste Woche erwartet die Eigentümerin der Raths-Apotheke eine neue Lieferung, aber „eine definitive Zusage, wann Nachschub kommt und wie viel, habe ich bisher nicht“.

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