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Pflanzengeheimnissen auf der Spur: Prof. Klötzli reist in die Welt, Prof. Landolt bleibt in seinem Zürich

Wie Tüxens Kollegen die "Aliens" erforschen

Rinteln (cok). Es war eine wirklich eindrucksvolle Gesellschaft, die sich am Freitag im Rathaussaal versammelt hatte, um Prof. Frank Klötzli mit dem Reinhold-Tüxen-Preis zu ehren: Lauter Professoren, die sich leidenschaftlich für die Vegetation in oft ganz abgelegenen Weltgegenden interessieren und von denen einige mit ihren weißen Locken und gebräunten Gesichtern aussehen, als seien sie die Wissenschaftler aus Filmen wie "Jäger des verlorenen Schatzes".

veröffentlicht am 15.05.2006 um 00:00 Uhr

Tatsächlich konnte der 72-jährige Preisträger Professor Klötzli einige filmreife Abenteuer von seinen vielen Reisen in alle Länder der Erde erzählen, darunter eine Szene, wie er beim Klettern im Gebirge Paviane beobachten wollte, sich dafür auf einen vorgeschobenen Felsen legte und mit diesem zusammen in die Tiefe stürzte. Das Geheimnis, dem er und viele seiner Kollegen auf der Spur sind, ist die Frage, nach welchen Kriterien Pflanzen ihren Standort wählen. Nicht alle Vegetationswissenschaftler aber spannen dabei ihr Aufgabengebiet so weit aus wie Klötzli, der für seine vergleichenden Studien über die spezifischen Lebensbedingungen von Pflanzengesellschaften die afrikanischen Steppen oder südamerikanische Berglandschaften ebenso durchforscht hat wie heimische Buchenwälder oder die Lüneburger Heide. Professor Elias Landolt aus Zürich zum Beispiel, der am Freitag im Rahmen des 8. Rintelner Symposiums zur Pflanzensoziologie den einzigen öffentlichen Vortrag im Brückentorsaal hielt, er hat sich sein Leben lang speziell auf die Untersuchung der Vegetation im Stadtgebiet Zürich beschränkt und gerade ein dickes Fachbuch veröffentlicht, dessen große Bedeutung vom Präsidenten der Reinhold-und-Johanna-Tüxen-Stiftung, Professor Richard Pott, sehr betont wurde. Landolts Vortragsthema hatte eine ganze Reihe Rintelner Zuhörer in den Brückentorsaal gelockt. Es ging um Pflanzenarten, allen voran die "Armenische Brombeere", die mit Absicht oder aus Versehen aus fremden Ländern eingeführt werden und in Einzelfällen die heimische Vegetation so sehr bedrohen und verdrängen, dass man eine Verminderung der Artenvielfalt befürchten muss. Ein spannendes Thema, zumal viele der beschriebenen Pflanzen ja nicht nur im Züricher Stadtgebiet, sondern auch bei uns vorkommen, der beliebte Schmetterlingsstrauß etwa oder auch das große "Drüsige Springkraut" mit seinen rosa Blüten. Der Vortrag nun führte die Wissenschafts-Laien unter den Zuhörern gewissermaßen hinter die Kulissen der pflanzensoziologischen Wissenschaft, indem deutlich wurde, was für eine ungeheure gewissenhafte Alltagsarbeit dazu gehört, die oftmals dann gar nicht so überraschenden Ergebnisse zu untermauern. Um festzustellen, auf welche Weise die Neuankömmlinge in einer Pflanzensozialisation sich ausbreiten und ob sie gefährlich (invasiv) werden könnten, müssen umfangreiche Statistiken erstellt werden: Wo wächst welche Pflanze in welchem Ausmaß und unter welchen Bedingungen innerhalb des untersuchten Gebietes. Ohne ganz konkrete Forscherleidenschaft würde man bei solchen Themen nicht weit kommen. Was nun die Frage der Anwendung all dieser Forschungsergebnisse betrifft, so konnte Professor Elias Landolt sich dabei erstaunlich kurz halten. Es gibt nur wenige Möglichkeiten, die erfolgreichen "Aliens" unter den Pflanzen tatsächlich zu zähmen. Die "Armenische Brombeere" zum Beispiel, die ganze Wälder und Brachflächen unbegehbar machen kann, sie wird ja von den Bürgern selber immer wieder in die Hausgärten gepflanzt, weil ihre leckeren Beeren so begehrt sind. "Im Grunde müssen wir mit diesen Pflanzen leben", sagte Landolt. "Wir können sie ja schließlich nicht verbieten."

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